In den Tresor gemalt

23. Oktober 2013, 17:17
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Im Bank Austria Kunstforum sind bis Anfang Jänner Bilder Oscar Bronners ausgestellt. Einige Arbeiten stammen aus seiner New Yorker Zeit (1974-1986), die meisten entstanden in Wien

In seinem (am Wochenende im STANDARD erschienenen, Anm.) Katalogtext beschreibt ihn Oscar Bronner selbst: den ständigen Zwiespalt, der seine Biografie begleitet hat, der ihm wiederholt Entscheidungen auferlegte, die sein Leben und sein Schaffen nachhaltig beeinflussten. Was verbindet den Medienmacher mit dem Künstler? Wie gehen sie miteinander um, privat ebenso wie in der Öffentlichkeit? Was zählt? Das gewichtige Wort für ein breites Publikum oder das im Atelier Geschaffene?

Es sind dies Fragen, die schon lange nicht mehr eindeutig zu klären sind, nicht für den Beobachter von außen und wahrscheinlich auch für Oscar Bronner nicht. Zu dezidiert und gesellschaftlich relevant waren Bronners Unternehmungen, zu radikal der Entschluss, die operative Tätigkeit im STANDARD aufzugeben und das Hauptaugenmerk einmal mehr auf die Malerei zu legen.

Oscar Bronner nähert man sich vielleicht mit dem Hinweis auf die "Konsequenz", mit der er sich den grundsätzlich so verschiedenen Herausforderungen gestellt hat. Und es ist dann auch "Konsequenz", die seine Malerei wesentlich regiert: die Entscheidung, sich an Problemen abzuarbeiten, sie aufzuspüren und zu verfolgen und zu einer Lösung zu führen.

Betritt man Bronners Atelier, in dem der Künstler für den Besucher die Bilder an der Wand gereiht hat, dann ist der erste Eindruck der einer gewaltigen Installation. Im Zusammenspiel, in dem Bild auf Bild übergreift, einander bedingt oder hinterfragt, entwickeln Bronners Arbeiten ihren vollen Klang.

Ich habe das selten in dieser Intensität erlebt: Es ist, als wären die Bilder füreinander geboren. Dem liegt ein durchgehender Stilentwurf zugrunde, ein Denken in Serien und das Beharren auf einer künstlerischen Problemstellung, die jedes Bild - für sich genommen - mannigfaltig umspielt und es somit zu einem notwendigen Teil eines lebendigen Ganzen werden lässt. Überhaupt ist "Lebendigkeit" ein Thema dieser Malerei - die Frage, wie der Künstler die Komplexität der Welt in Malerei fassen kann, noch dazu in eine Malerei, die mit Erzählung wenig zu tun hat. Genau genommen gibt es nicht viele Bilder, die man im strikten Sinn als gegenständlich bezeichnen kann.

Gerade im aktuellen Schaffen sind die flüchtigen Reminiszenzen an landschaftliche, florale oder kosmische Motive nur mehr Anlassfall für eine Malerei, die sich selbst genügt; die Leben aus sich selbst heraus zu entwickeln vermag. Oscar Bronner malt mit den Fingern, stellt also den direktesten Zugriff auf die Farbe sicher. Das prozessuale Element ist ihm wichtig. Der Expressionismus, den man angesichts eines solchen Schaffensprozesses erwartete, wird jedoch zurückgedrängt. Die Lebendigkeit erfüllt sich als umfassende Harmonie von Farbe, Formen und Schattierungen. Zuletzt geht es Bronner in seiner Arbeit um ein Gleichgewicht, das poetisch sein Licht zurückwirft auf seinen Schöpfer. Auch dadurch haftet seinen Arbeiten etwas Prinzipielles, ja Transzendentales an.

Ich bedanke mich (...) bei Florian Steininger, der das Projekt als Kurator begleitet hat. Die Ausstellung ist in enger Zusammenarbeit mit dem Künstler entstanden. Und sie ist in weiten Teilen förmlich "in den Tresor hineingemalt worden". Auch dafür gilt Oscar Bronner mein innigster Dank. (Ingried Brugger*, DER STANDARD, 24.10.2013)

*Aus nachvollziehbaren Gründen gibt es keine Rezension von Standard-Redakteuren über die Ausstellung von Herausgeber Oscar Bronner. Wir bringen stattdessen das Vorwort zum Katalog, das die Leiterin des Bank Austria Kunstforums, Ingried Brugger, verfasst hat.

  • Oscar Bronner malt seine Bilder mit seinen Fingern.
    foto: kunstforum

    Oscar Bronner malt seine Bilder mit seinen Fingern.

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