Gault Millau 2014: Hauben hier, Hagel da

24. Oktober 2013, 07:00
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Der Restaurantguide Gault Millau 2014 kürt mit Simon Taxacher den ersten Vierhauber Tirols und wertet andernorts zum Teil kräftig ab, der 22-jährige Harald Irka ist einer der vier neuen Dreihauber

Vergangenes Jahr um diese Zeit schien es bei Durchsicht des Gault Millau schon fast so, als ob die heimische Spitzengastronomie ein bissl am absteigenden Ast sei: Nur noch drei Betriebe mit der Spitzenwertung von vier Hauben, die jahrzehntelange Mit-Abonnentin auf die Höchstnote, Johanna Maier aus dem Salzburger Filzmoos, empfindlich herabgestuft.

Das ist zwar im nun erschienenen Guide für 2014 ebenso - ihr "Hubertus" bekommt nur noch 17/20 Punkte. Dafür ist die Gourmetwelt dank des "Ehrgeizes", der "hundertprozentigen Akribie" und des "uhrmacherischen Handwerks" eines "verbissenen" Kochs aus Tirol wieder in Ordnung: Simon Taxacher, der in Kirchberg bei Kitzbühel kocht, hat eine vierte Haube aufgesetzt bekommen und darf sich damit altgedienten Allerbesten wie Heinz Reitbauer im Steirereck ("Der Gault Millau vergibt vier Hauben. Weil mehr kann er nicht vergeben"), den Obauer-Brüdern in Werfen sowie Eselböck und Weissgerber im Taubenkobel ("König Walter war nicht da") ebenbürtig fühlen.

Prominente Absteiger

Dass es davon abgesehen bei zahlreichen Betrieben Rückstufungen hagelte, ist laut Herausgeber-Ehepaar Martina und Karl Hohenlohe keineswegs schlechteren Leistungen zu schulden, sondern dem allgemein "höheren Niveau der Bewertungen" (sic!): Weil der Standard der heimischen Gastronomie inzwischen so hoch sei, hätten die Testergebnisse neu evaluiert werden müssen.

Prominente Absteiger sind etwa das Interalpenhotel Tyrol in Telfs (16 bisher 18), das von Ablöse-Gerüchten umwehte Le Loft am Dach des Sofitel Wien (13 bisher 15), das Arlberg Hospiz in St. Cristoph (14 bisher 15), das Yohm am Wiener Petersplatz (14 bisher 15) oder die mit Jahresende schließende Blaue Gans in Weiden/See (14 bisher 15). Dass auch Do & Co Stephansplatz statt 14 nur noch 13 Punkte wert ist, dürfte weder die Stammgastpartie noch Touristen vom Genuss der Aussicht auf Dom und Fußgängerzone abhalten.

Manche wagen freilich, aus diesem Ozean der Exzellenz besonders heraus zu ragen. So gibt es mit Harald Irka (22) von der steirischen Sazianistub'n, Helmuth Gangl aus Bad Tatzmannsdorf, Steve Karlsch vom "Petit Tirolia" in Kitzbühel und Konstantin Filippou, der in Wien sein eigenes Restaurant eröffnete, vier neue Dreihauber. Auch der mittlerweile 24-jährige Lukas Kapeller, der seit mehreren Jahren in Steyr kocht, ist den Testern nun aufgefallen und auf Anhieb zwei Hauben wert. (Severin Corti, DER STANDARD, 24.10.2013)

  • Simon Taxacher holt vier Hauben nach Tirol...
    foto: marketing deluxe

    Simon Taxacher holt vier Hauben nach Tirol...

  • ...Harald Irka drei Hauben für die Sazianistub'n.
    foto: gerhard wasserbauer/wasserbauer.cc

    ...Harald Irka drei Hauben für die Sazianistub'n.

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