"Volgarr"-Entwickler: Nur vier Prozent der Spieler zahlen fürs PC-Spiel

24. Oktober 2013, 10:04
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Designer deutet auf Piraterierate von 96 Prozent hin - Ubisofts Zahlen bekräftigt

Das Indie-Entwicklerduo Crazy Viking Studios hat mit einer Nachricht auf Twitter für Aufmerksamkeit gesorgt. Nur eine kleine Minderheit jener User, die das Spiel "Volgarr the Viking" spielen, sollen es auch tatsächlich erworben haben.

"Nur vier Prozent der Leute, die 'Volgarr' spielen, haben dafür bezahlt. Deswegen sind die, die es gekauft haben uns super-wichtig. Ihr erhaltet den Traum am Leben!", so die Botschaft, die für viel Resonanz und zahlreiche Protestbekundungen gegen Unehrlichkeit führte.

Hommage an Arcade-Zeiten

"Volgarr" (eigentlich: "Völgarr") ist eine Hommage an die vergangenen Zeiten der Arcade-Plattformer und schickt den gleichnamigen Wikinger durch enorm herausfordernde Levels. Begleitet wird das Geschehen mit einem Heavy-Metal-Soundtrack. Die Entstehung des Titels wurde per Crowdfunding auf Kickstarter ermöglicht. Dort nahmen die Entwickler im Sommer 2012 mit knapp 40.000 Dollar mehr als doppelt so viel ein, als sie angestrebt hatten.

Der Titel wird über Steam, aber auch in DRM-freier Form über Plattformen wie gog.com und die Webseite des Spiels für derzeit zwölf Dollar vertrieben. Zwar erklären die Entwickler nicht, wie sie das Ausmaß der Piraterie an ihrem Spiel errechnet haben, trotzdem werfen ihre Angaben angesichts der recht niedrigen Kostenhürde erneut die Frage auf, wie viel Zukunft Bezahlspiele am PC noch haben.

Free-2-Play als Lösung?

Im August hatte der französische Publisher Ubisoft eigene Erhebungen angestellt und war zu der Erkenntnis gelangt, dass nur etwa jedes zehnte PC-Game legal erworben wird. Die Zukunft, oder ein wesentlicher Teil davon, liege also im Free-2-Play-Modell. Dies bedeutet: Ein Spiel wird als Grundversion kostenlos angeboten, Zusatzinhalte – etwa weitere Abschnitte, Gegenstände oder neue Spielmodi – werden von den Spielern nach Bedarf zugekauft.

Diesen Weg beschreiten immer mehr Publisher, teils auch mit sehr bekannten Spielereihen. Electronic Arts wird "Command & Conquer: Generals 2" etwa nach diesem Modell veröffentlichen und auch die jüngste Iteration der "FIFA"-Reihe ist in ihrer Ausgabe für Tablets und Smartphones nach diesem Muster gestrickt.

Kreative Abwehr

Einen anderen Weg schlugen die Designer des im April erschienenen Spiels "Game Dev Tycoon" ein. Anstatt darauf zu warten, dass jemand ihr ein Jahr lang entwickeltes Werk crackt und über Filesharing-Netzwerke verbreitet, haben die Designer von Green Heart Games kurzerhand selbst eine gecrackte Version auf Torrent-Portalen in Umlauf gebracht. Diese Version für Piraten ist bis auf einen Punkt identisch mit der Originalausgabe. Wenn Spieler ein paar Stunden damit zugebracht haben, ihr eigenes Spielstudio aufzubauen, ereilt sie folgende Nachricht, die im Stile jeder anderen Nachricht im Spiel gehalten ist: "Chef, es scheint, obwohl viele Spieler unser Game spielen, stehlen sie es, in dem sie eine gecrackte Version herunterladen, anstatt es legal zu kaufen." Daraufhin beginnen die Einnahmen zu schwinden und neu kreierte Spiele laufen zunehmend Gefahr, ebenfalls gecrackt zu werden, bis das virtuelle Unternehmen bankrott ist. (red, derStandard.at, 24.10.2013)

Video: Volgarr

  • Nur vier von 100 "Volgarr"-Spielern sollen für den Titel tatsächlich bezahlt haben.
    foto: crazy viking studios

    Nur vier von 100 "Volgarr"-Spielern sollen für den Titel tatsächlich bezahlt haben.

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