Die Mädels von der Straße

Ansichtssache24. Oktober 2013, 17:07
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Die Straße ist der neue Laufsteg. Nirgends ist das so offensichtlich wie in London. Hier tummeln sich besonders viele Street-Style-Infizierte. Die meisten von ihnen sind junge Frauen. Wir haben rund um die jüngste Fashion Week einige der Protagonistinnen getroffen.

rüher einmal war die Modeszene ein hermetisch abgeriegelter Bereich. Die Outfits waren dunkel, die Hierarchien starr, die Protagonisten kannten sich. Heute ist die Modeszene ein mehr als diffuses Gebilde. Was vor den Modeschauen vor sich geht, ist fast genau so wichtig wie das, was auf dem Laufsteg präsentiert wird. Die neuen Protagonisten sind Blogger oder Street-Style-Fotografen, sie sind jung und internetsüchtig und kleiden sich so bunt wie Paradiesvögel.

"Zirkus der Mode"

Mit "Der Zirkus der Mode" hat die Journalistin Suzy Menkes vor einiger Zeit einen Artikel überschrieben, in dem sie ein bisschen wehmütig den alten Zeiten nachtrauert und angesichts der neuen Kräfteverhältnisse nur den Kopf schütteln kann. Die neuen Fashion-Celebritys seien in erster Linie wegen ihrer Facebook-Seiten oder Blogs berühmt oder weil sie irgendein Street-Style-Fotograf abgelichtet hat. Der Einfachheit halber sind die meisten Blogger und Street-Style-Fotografen in Personalunion und lichten sich am liebsten selbst ab.

In London, jener Stadt, die modisch als die kreativste gilt, ist das Phänomen am offensichtlichsten. Vor jeder Modeschau versammeln sich Trauben von Modejüngern, denen es in erster Linie um eines geht: gesehen zu werden. Unter ihnen sind besonders viele junge Frauen. Aber wer sind diese Menschen, die in den sozialen Medien oft Berühmtheiten sind, aber außerhalb davon unbeschriebene Blätter? Und was sagen sie selbst zum ganzen Street-Style-Blogger-Wahn? Wir haben uns umgeschaut und umgehört.

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foto: britta burger

Adi Mani, Juristin und Bloggerin

Standard: Könnten Sie den Londoner Stil beschreiben?

Adi Mani: Er ist der beste! Jung, am offensten, was neue Trends betrifft, viele verschiedene Looks, auch weil alles hier so multikulturell ist.

Standard: In London wird um Street-Style besonders viel Rummel gemacht, die Bloggerszene boomt. Was halten sie davon?

Mani: Es wird jede Saison extremer. Am skurrilsten sind die Leute, die ohne Kamera oder Ticket vor den Shows herumwarten, einfach nur, um fotografiert zu werden. Andererseits ist die Bloggerszene eine richtige Gemeinschaft geworden, jeder kennt jeden, und fast niemand interessiert sich für die Modeschauen selbst.

Standard: Weigern Sie sich manchmal, fotografiert zu werden?

Mani: Ja, manchmal wollen mich Leute beim Herumstehen nicht nur fotografieren, sondern auch filmen. Das finde ich eigenartig, besonders wenn die Pseudokameramänner nicht so ausschauen, als hätten sie etwas mit der Fashion-Week zu tun.

Adi trägt Hemd und Jacke von København K, Hut von Christys, Sonnenbrille Monokel.

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