Mehr Farben als zur Marillenblüte

25. Oktober 2013, 17:53
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Der Frühling erntet viele Komplimente in der Wachau. Noch bunter treibt's aber der Herbst auf der Buschandlwand

 "Fürwahr, eine Landschaft von großer, eigenartiger Schönheit, diese Rheinlandschaft Österreichs, ebenso reich an malerischen Bildern als geschichtlichen Erinnerungen", heißt es in einem Wanderführer aus dem Anfang des 20. Jahrhunderts über die Wachau; und viele Autoren stimmten seither in diese Eloge ein, wobei sie nie auf den Hinweis vergaßen, dass vor allem die Marillenblüte im Frühjahr eine besondere Attraktion darstellt.

Jedoch: Jetzt im Herbst, wenn sich die Blätter des Weins verfärben, bietet die Stromenge ein Farbenspiel, das wohl ebenso seinesgleichen sucht. Die Laubbäume an den steilen Hängen beiderseits der Donau stimmen in eine optische Orgie ein, deren Reiz sich niemand zu entziehen vermag.

Von mehreren Punkten beim Aufstieg genießt man eine tolle Sicht auf den Strom und die vielen Rieden. Die Aussichtswarte auf der Buschandlwand bietet einen Blick auf das Donautal bei Aggstein und über den Dunkelsteinerwald. Dahinter blitzen die oft schon von Schnee bedeckten Gipfel des Ötschers und des Dürrensteins auf. Von Spitz bis zum Roten Tor bewegt man sich in farbenfrohen Weingärten.

In früheren Zeiten hatte der Bergbau im Mieslingtal, welches beim Abstieg durchwandert wird, große wirtschaftliche Bedeutung. Die Minen gehörten den Klöstern, die mit den Metallen Handel trieben. Erste urkundliche Erwähnungen der Gruben stammen aus dem 10. Jahrhundert. Gegen Ende des 19. Jahrhunderts gab es Bemühungen, den Bergbau wieder zu beleben, doch der Abbau der Erzlager erwies sich als unrentabel. Ein weiterer Versuch knapp nach dem Ersten Weltkrieg schlug ebenfalls fehl.

Einfach mit variabler Länge

Die auf die Buschandlwand führenden Routen sind nicht schwierig und auch nicht besonders anstrengend, doch braucht man halbwegs sicheres Wetter, denn auf der ganzen Runde fehlen Hütten oder Unterstände. An den Markierungen und Beschilderungen ist nichts auszusetzen.

Die Wanderung lässt einige Variationen zu, denn ein Abstieg nach Sankt Michael oder Wösendorf macht keine Probleme, da auf dem linken Ufer der Donau Busse im Stundentakt verkehren. Man kann also leicht zum Ausgangspunkt Spitz zurückkehren.

Die Wanderroute: Von Spitz an der Donau steigt man durch Weingärten zum Roten Tor an und geht dann ein kurzes Stück in das Mieslingtal hinab. Nach Querung des Baches kurz rechts, dann folgt man den roten und gelben Markierungen. Nach einigen Serpentinen führt die Route auf den Kamm und danach zur Aussichtswarte am oberen Rand der Buschandlwand. Gehzeit ab Spitz 2¼ Stunden.

Auf der gelben Markierung geht es in nördlicher Richtung weiter, bald wendet sich der Weg scharf nach links und man gelangt - vorbei an der Heiglhütte - in das enge Mieslingtal. Immer in der Talsohle bleibend geht es zurück nach Spitz, das man etwas unterhalb des Bahnhofs erreicht. Gehzeit ab Buschandlwand 1½ Stunden. (Bernd Orfer, DER STANDARD, Album, 25.10.2013)

  • Auch im Herbst ist die Wachau ganz prächtig ...
    foto: donau nö/gregor semrad

    Auch im Herbst ist die Wachau ganz prächtig ...

  • ... wenn sich die Blätter des Weins verfärben.
    foto: donau nö/gregor semrad

    ... wenn sich die Blätter des Weins verfärben.

  • Wandern im Herbst hat einen besonderen Reiz.
    foto: donau nö/gregor semrad

    Wandern im Herbst hat einen besonderen Reiz.

  • Gesamtgehzeit 3¾ Stunden, Höhen- differenz rund 530 m. Kein Stützpunkt auf der Runde, mehrere Gaststätten in Spitz. ÖK25V Blatt 4323-West (Melk), Maßstab 1:25.000; Freytag & Berndt WK 071 (Wachau, Dunkelsteiner Wald, Yspertal-Jauerling), Maßstab 1:50.000
    grafik: der standard

    Gesamtgehzeit 3¾ Stunden, Höhen- differenz rund 530 m. Kein Stützpunkt auf der Runde, mehrere Gaststätten in Spitz. ÖK25V Blatt 4323-West (Melk), Maßstab 1:25.000; Freytag & Berndt WK 071 (Wachau, Dunkelsteiner Wald, Yspertal-Jauerling), Maßstab 1:50.000

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