Metaller streiken ab Dienstag

23. Oktober 2013, 11:32
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Die Gewerkschaft will verhindern, dass "Arbeitnehmer zu Tagelöhnern degradiert werden". Ab 29. Oktober wird gestreikt

Wien - In der Nacht auf Mittwoch ist auch die vierte Kollektivlohnrunde des Fachverbandes Maschinen- und Metallwarenindustrie (FMMI) nach zwölf Stunden ohne Ergebnis abgebrochen worden. Die Gewerkschaften haben ab 29. Oktober 6 Uhr früh unbefristeten Streik angekündigt.

Dass bereits nach vier Verhandlungsrunden zum härtesten gewerkschaftlichen Druckmittel gegriffen wird, ist doch ungewöhnlich. Üblicherweise beschränken sich die Arbeitnehmervertreter auf andere "Kampfmaßnahmen", also etwa Betriebsversammlungen. Wirklich gestreikt wird in Österreich nur ganz selten.

"Nicht zu Tagelöhnern degradieren"

"Wir wollen verhindern, dass die Arbeitnehmer zu Tagelöhnern degradiert werden", sagte Rainer Wimmer, Bundesvorsitzender der Gewerkschaft Pro-GE auf einer eilig einberufenen Pressekonferenz. Man werde nicht zulassen, so Wimmer, dass den Beschäftigten die Überstundenzuschläge weggenommen werden. Sollte der FMMI bis 28. Oktober um 24 Uhr Verhandlungsbereitschaft signalisieren, werde man auch wieder an den Verhandlungstisch zurückkehren, erklärte der stellvertretende Bundesgeschäftsführer der GPA-djp Karl Proyer. "Jedoch nur vernünftige Verhandlungen auf Augenhöhe und keine Anordnungen."

Die Gewerkschaften wollen jedoch nur über einen Kollektivvertrag verhandeln. "Wenn wir Verhandlungen aufnehmen, betrifft das die komplette Metallindustrie." Der FMMI stelle sich bei den Verhandlungen jedoch quer. "Der FMMI will den Kollektivvertrag aushebeln und auflösen", sagte Wimmer. In mehr als 70 Prozent der Betriebe werde es in den nächsten Tagen Betriebsratssitzungen geben, in denen über den Streik abgestimmt werden soll.

Erpressungsversuch

Als Begründung für die jetzige Vorgangsweise gab die Gewerkschaft an, dass die Arbeitgeber weiterhin auf einer Verknüpfung der Lohn- und Gehaltserhöhungen mit der Einführung eines Arbeitszeitkontos beharrten, das weder Überstundenzuschläge noch maximale Durchrechnungszeiträume vorsehe. "Das ist ein Erpressungsversuch", hieß es. Details zur weiteren Vorgangsweise sollen am Vormittag bei einer Pressekonferenz präsentiert werden.

Der Fachverbandsobmann der Wirtschaftskammer, Christian Knill, erklärte, man habe den 30. Oktober als Termin für eine fünfte Runde vorgeschlagen. Die Gewerkschaften wollten den Termin vorerst nicht bestätigten.

Druck erhöht

Zu Beginn der Woche hat die Gewerkschaft bereits versucht, mit Kundgebungen den Druck auf die Verhandler zu erhöhen. An diversen Betriebsstandorten wurden "Verhandlungen auf Augenhöhe" eingefordert.

Die Gewerkschaft ist in die heurigen Gespräche mit der Forderung nach einer Anhebung der Gehälter um 100 Euro bzw. mindestens 3,4 Prozent gegangen. Damit sollen vor allem die Einkommen der Niedrigverdiener bei den Metallern überproportional angehoben werden. Das Mindestgehalt liegt derzeit bei rund 1.636 Euro. Bei dieser Gruppe würden 100 Euro eine rund sechsprozentige Erhöhung bedeuten.

"Wir sind heute den Gewerkschaften mehrere große Schritte entgegen gekommen. Diese haben sich allerdings keinen Millimeter bewegt", meinten die Arbeitgeber indes nach den Gesprächen. Sie haben nach zuletzt zwei Prozent, nach eigenen Angaben  2,3 Prozent mehr Geld angeboten. Worauf die Arbeitgeber verzichten ist nun, die Rauchpausen als Freizeit zu werten. Unverzichtbar sei hingegen eine flexiblere Arbeitszeit, weil sich die Maschinen- und Metallwarenindustrie sonst "im internationalen Wettbewerb nicht mehr behaupten" könne.

Getrennte Verhandlungen

Auf Druck der Arbeitgeber verhandeln die sechs Fachverbände in der Metallindustrie seit dem Vorjahr getrennt die Lohnrunden. Die Maschinen- und Metallwarenindustrie (FMMI) ist mit 120.000 Beschäftigten der größte Fachverband und startete heuer als erster in die Verhandlungen.

Im Vorjahr waren vier Verhandlungsrunden nötig, die letzte Runde dauerte 17 Stunden. Am Ende wurde ein Abschluss von bis zu 3,4 Prozent mehr Lohn und Gehalt vereinbart. (APA, go, josa, 23.10.2013)

Wissen: Der Fachverband der Maschinen- und Metallwarenindustrie fordert bei der aktuellen Kollektivlohnrunde die Einführung eines Zeitkontos. Dieses sieht vor, dass ab einer Arbeitszeit von 9 Stunden am Tag Überstundenzuschläge bezahlt werden. Des weiteren fallen Überstundenzuschläge an, wenn die Arbeitnehmer im Zeitraum "x" mehr als 167 Stunden Mehrarbeit geleistet haben. Wie lange dieser Zeitraum "x" dauert, sollen sich Arbeitgeber und Arbeitnehmer auf Betriebsebene ausmachen. Dies kann laut Industrie kürzer als ein Jahr sein - oder auch länger.

  • Die Gewerkschaft machte am Montag an diversen Betriebsstandorten - hier in Wolkersdorf - mobil.
    foto: apa/neubauer

    Die Gewerkschaft machte am Montag an diversen Betriebsstandorten - hier in Wolkersdorf - mobil.

  • Ab Dienstag wird es richtig ernst - da wird nämlich gestreikt.
    foto: ap/sax

    Ab Dienstag wird es richtig ernst - da wird nämlich gestreikt.

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