Tränen bringen versetzten "Pfarrer der Herzen" zurück

23. Oktober 2013, 05:30
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Fünf Gemeinden kämpfen in Kärnten um ihren "Pfarrer Robert". Der wurde von Bischof Alois Schwarz versetzt, weil er Probleme mit dem Management seiner Pfarre hatte. Jetzt soll er als Seelsorger zurückkehren

Klagenfurt - Die Gabe der Tränen gehört laut katholischer Lehre zu den sieben Tröstungen des Heiligen Geistes. Und es dürften ebenjene ausgiebig geflossenen Tränen gewesen sein, die den Kärntner Bischof Alois Schwarz im Fall eines versetzten Pfarrers am Ende dann doch erweicht hatten. Robert Wurzer, Pfarrprovisor des stattlichen Pfarrverbands von Feistritz/Drau, Kamering, Kreuzen, Rubland und Stockenboi, ist ein leidenschaftlicher Seelsorger, dem die Herzen eines großen Teils der Gläubigen seiner Pfarren nur so zuflogen. Vor allem aber die der Kinder.

Weil es aber immer wieder auch Beschwerden über das mangelnde Organisationstalent des jungen Pfarrers gab, ließ ihn Bischof Schwarz nach längerem Hin und Her schlussendlich versetzen. In den Pfarrverband von Zeltschach, Dobritsch und Gaisberg.

Bitterer Abschied

Dort soll Wurzer wiederum als Pfarrprovisor tätig werden und im neuen, kleineren Pfarrverband lernen, wie man eine Pfarre managt.

Der Abschied von Pfarrer Robert vor laufender ORF-Kamera am vergangenen Sonntag war bitter. Die kleine Kirche von Kamering war - sonst gar nicht üblich - gesteckt voll. Die Tränen flossen bei Pfarrer Robert, Ministranten und Messebesuchern reichlich. Dem Bischof warf man "unberechenbares" und "autoritäres Verhalten" vor. Etliche der Pfarrschäfchen wollten den Oberhirten künftig in ihrer Pfarre nicht mehr empfangen, und einige drohten sogar mit dem Austritt aus der katholischen Kirche.

Weil die tränenreiche Welle der Empörung über die Versetzung des Pfarrers Robert mittlerweile Kollateralschäden zu verursachen drohte, sah sich Bischof Schwarz am Dienstag veranlasst, aus seiner Sicht zur Pfarrerversetzung öffentlich Stellung zu nehmen.

(Un-)Verrückbarer Entschluss

Im Pfarrverband habe es seit vielen Jahren tiefe Gräben und Verletzungen gegeben. Pfarrer Wurzer sei dessen leider auch nicht Herr geworden, obwohl man ihn mit Mediatoren seitens der Diözese immer wieder unterstützt habe. Zuletzt habe man sich gemeinsam auf einen Wechsel geeinigt.

Auch er sei von den Tränen vor allem der Kinder und Ministranten sehr berührt gewesen, ließ der Bischof wissen. Auch bei seinem Weggang von seiner langjährigen Pfarre hätten viele geweint. "Allerdings war da kein Fernsehen dabei", meinte Schwarz. Sein Entschluss sei aber unverrückbar. Pfarrer Wurzer muss gehen. Bei allem Ärger, so räumte der Bischof ein, sei es doch auch nicht alltäglich, dass sich die Menschen so für ihren Pfarrer einsetzen.

Rückkehr als Seelsorger

Doch Bischof Schwarz zeigte sich auch kompromissbereit: Wurzer dürfe kommenden September wieder in seinen früheren Pfarrverband zurückkehren - allerdings nicht mehr als Pfarrer, sondern als Seelsorger. Denn jetzt soll der Pfarrverband Feistritz neu geordnet und eine zweite Priesterstelle ausgeschrieben werden. Diese Stelle werde so beschrieben, dass der neue Seelsorger keine Leitungsfunktion mehr ausüben müsse. "Ich hoffe, dass sich Robert Wurzer dafür bewirbt, dann kann er sich nur um die Gläubigen kümmern." Ohne Tränen. (Elisabeth Steiner, DER STANDARD, 23.10.2013)

  • Vergangenen Sonntag verabschiedeten sich die Gläubigen in der Kirche von Kamering tränenreich von ihrem versetzten Pfarrer.
    foto: pd

    Vergangenen Sonntag verabschiedeten sich die Gläubigen in der Kirche von Kamering tränenreich von ihrem versetzten Pfarrer.

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