Es ist still um den See - und das Steinhaus

22. Oktober 2013, 17:42
29 Postings

Günther Domenigs Baukunstwerk harrt einer sinnvollen Nutzung

Steindorf - Die Zukunft des Steinhauses in Steindorf am Ossiacher See ist ein Jahr nach dem Tod Günther Domenigs noch immer ungewiss. Der österreichische Architekt starb im Juni 2012.

Die öffentlichen Zuwendungen für das kühne Baukunstwerk in dem verschlafenen Ferienörtchen sind schmählich gering, 5000 Euro im Monat vom Land, null vom Bund. Haupteinnahmequelle sind Zuwendungen der Stiftung sowie verschiedene Events, Workshops, Führungen, Konzerte.

Das im Vergleich zu den Vorjahren schmälere Programm sei heuer einer kürzeren Vorbereitungszeit geschuldet, denn viele Verantwortungsbereiche sind nach wie vor ungeklärt. Halbwegs sicher scheint nur, dass Erhard Blassnig mit seinem Feldkirchen Marketing (MF Marketing) weiterhin fürs Programmieren, Geldauftreiben und Vermarkten des Steinhauses zuständig ist.

Again Resistance hieß im Jahr das Symposium, zu dem Peter Noever, damals noch im Stiftungsvorstand, in Haus am See gebeten hatte. Dieses Wochenende lud er, der nunmehrige Ex-Stiftungsrat, gemeinsam mit dem kalifornischen Stararchitekten Mark Mack zu einem hochkarätig besetzten Workshop unter dem Titel: Resisting Expression. Diskutiert wurde über analoge und digitale Gegenwart und Zukunft von Architekturzeichnungen.

"Dies ist kein Privathaus, sondern eine Werkstätte der Architektur. Ein Ort, um Architektur zu begreifen. Wichtig wäre es einen programmatischen Architekturschwerpunkt zu setzen. Wir brauchen ein dreiwöchiges, nicht nur ein dreitägiges Symposium", forderte Noever. Mack, Hauptfinanzier des Symposiums, ergänzte: "Es ist alles da! Aber um eine nachhaltige Nutzung zu kultivieren, braucht man Unterstützung und Signale vom Land!"

Doch die sind bisher eher vage. Das Steinhaus sei ihm ein besonderes Anliegen, hatte der frischgebackene Kärntner Kulturlandesrat Wolfgang Waldner im Sommer, nachdem er den Stiftungsvorstand teilweise neu besetzt hatte, im Standard-Interview betont. Man wolle Synergien schaffen, etwa mit der Carinthischen Musikakademie in Ossiach.

Aber Waldner stellte auch klar: "Das Land ist laut Stiftungsvertrag nach Domenigs Tod Letztbegünstigter. Wir haben keine Verpflichtung, finanziell etwas beizutragen. Wir tun es trotzdem. Die Verantwortung ist beim Stiftungsrat, aber wir werden als Land dafür sorgen, dass das Steinhaus als internationales Aushängeschild erhalten bleibt."

Architekturlabor am See

Um ein einheitliches Nutzungskonzept zu erarbeiten, treffen einander seit zwei Monaten Blassnig, die Stiftungsräte sowie Vertreter vom Architektur Haus Kärnten, mit dem Ziel, eine Nutzung zu erarbeiten, die dem Geist Domenigs entspricht. Zur Debatte steht etwa, ob das kühne Architekturjuwel als Domenig-Museum sowie als Galerie genutzt werden sollte.

Domenig-Schüler Christian Halm, Architektur-Professor an der FH Spittal und wie der Chef der Kärnten-Werbung, Christian Kresse, neu im Stiftungsvorstand, plädiert für ein Architekturlabor sowie die Nutzung für Kulturveranstaltungen und experimentelle Kunst. Das Architektur Haus Kärnten möchte seine Workshops und Vortragsreihen im Steinhaus weiterführen und bemüht sich um internationale Referenten.

"Zum derzeitigen Zeitpunkt ist aber noch alles offen; auch die Förderanträge", sagt Blassnig. Für ein anspruchsvolles Programm bräuchte man Zuschüsse von Land und Bund. Doch da ist es nach wie vor still um den See - und das Steinhaus. (Andrea Schurian, Laura Stromberger, DER STANDARD, 23.10.2013)

  • Domenigs architektonisches Vermächtnis am Ossiacher See harrt seiner Bestimmung.
    foto: eggenberger

    Domenigs architektonisches Vermächtnis am Ossiacher See harrt seiner Bestimmung.

Share if you care.