Jeder vierte Manager hat Gesundheitsprobleme

22. Oktober 2013, 14:25
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Nur für ein Viertel der österreichischen Führungskräfte passt die Work-Life-Balance - Stress und Bewegungsmangel sind die größten Risikofaktoren

Wien - Stress, psychische Belastungen, Bewegungsmangel und Über- oder Untergewicht setzen Österreichs Führungskräften am meisten zu. Es gibt aber einen Hoffnungsschimmer, denn: Die Belastungen scheinen abzunehmen. Klagten bei der letzten Studie im Jahr 2011 noch 59 Prozent der Führungskräfte über Stress und psychische Belastungen als gesundheitliche Risikofaktoren, so sind es aktuell "nur" noch 51 Prozent. Bei der Wahrnehmung des Bewegungsmangels und beim Über- oder Untergewicht gingen die Werte von 52 auf 46 bzw. von 42 auf 32 Prozent zurück.

Zu diesen Ergebnissen kommt die vierte Gesundheitsstudie vom Wirtschaftsforum der Führungskräfte (WdF) und der Wiener Städtischen Versicherung, durchgeführt wurde die Befragung unter 219 Managern der ersten und zweiten Führungsebene vom Marktforscher Triconsult. Neben den drei obengenannten gesundheitlichen Risikofaktoren werden noch ungesunde Ernährung (26 Prozent), das Immunsystem (23 Prozent), ein hoher oder niedriger Blutdruck (22 Prozent) und das Rauchen (acht Prozent) als Problemfelder identifiziert.

Bewegungsapparat macht am meisten Probleme

Ihre persönliche Gesundheit beurteilen 24 Prozent der Befragten mit "ausgezeichnet", 64 Prozent mit "gut", für immerhin zwölf Prozent ist der Zustand "weniger gut" (elf Prozent) oder "nicht gut" (ein Prozent). Auch wenn die meisten ihren Zustand als gut erachten, geben trotzdem 25 Prozent der Manager zu, unter konkreten gesundheitlichen Problemen zu leiden. Die häufigsten Schwierigkeiten macht der Bewegungsapparat (15 Prozent), gefolgt von Herz-Kreislauf-Problemen (sechs Prozent), dem Stoffwechsel (sechs Prozent) und der Psyche (drei Prozent).

Die Tendenz ist auch hier, verglichen mit den Zahlen aus dem Jahr 2011, rückläufig. Eine schlüssige Erklärung dafür haben die Studienautoren nicht parat. Work-Life-Balance und Burnout in Chefetagen als omnipräsente Themen, sie füllen viele Bücher und ärztliche Atteste, könnten eine Rolle spielen. Kurz: Die Sensibilisierungsmaschinerie könnte zu greifen beginnen. Allerdings ist das nur eine Spekulation, denn valide Zahlen zur Untermauerung gibt es nicht. Und dass die Arbeitsbelastung in den letzten zwei Jahren reduziert werden konnte, sei unwahrscheinlich, schätzt Viktor Wagner, WdF-Landesvorsitzender Wien. "Wir können froh sein, dass wir so viel Arbeit haben", sagt er in Richtung Griechenland oder Spanien, wo vielerorts Perspektivenlosigkeit herrsche.

Jobwechsel oder besserer Umgang?

"Vielleicht haben Manager gelernt, mit den Belastungen umzugehen", vermutet Studienautorin Gabie Peiskammer von Triconsult, "oder sie haben aufgrund des Drucks ihren Job gewechselt." Und sind jetzt ein oder zwei Etagen tiefer gelandet. Judit Havasi, Generaldirektor-Stellvertreterin der Wiener Städtischen Versicherung, glaubt, dass die Auswirkungen der Wirtschaftskrise vor zwei Jahren noch schlimmer waren als jetzt. Das Umfeld habe sich zumindest leicht verbessert.

Leicht verbessert hat sich auch das Verhältnis zwischen Privat- und Berufsleben. Ein wirklich ausgewogenes Verhältnis zwischen Job und Privatleben konstatieren aktuell trotzdem nur 23 Prozent der Manager, zuletzt waren es 14 Prozent. Herrscht ein Ungleichgewicht, so schlägt das Pendel eindeutig in Richtung Beruf aus, das sehen zumindest 66 Prozent der Befragten so, lediglich zehn Prozent orten einen Schwerpunkt im Privaten.

Sport, Arzt und Ernährung

Bei den Präventivmaßnahmen rangiert der Sport an erster Stelle, immerhin 73 Prozent betreiben welchen, gefolgt von regelmäßiger Vorsorgeuntersuchung (51 Prozent) und Ernährung (51 Prozent). Allerdings herrscht hier eine Diskrepanz zwischen Wunsch und Realität, so wollen 93 Prozent der Manager in Zukunft sportlich aktiver sein, 74 Prozent planen im Jahr 2014 eine gesündere Ernährung.

Die beliebteste Sportart ist nicht Golf, wie oft suggeriert wird, sondern Wandern/Skitouren und Laufen mit jeweils 47 Prozent Nennungen, dicht gefolgt von Radfahren (44 Prozent) und Skifahren (37 Prozent). Immerhin 34 Prozent geben an, ins Fitnessstudio zu gehen. Golf spielen nur 14 Prozent.

Zu wenige Angebote im Unternehmen

Eine ordentliche Lücke klafft zwischen dem Wunsch nach Vorsorgemaßnahmen im Unternehmen und den tatsächlichen Angeboten. 30 Prozent können eine Vorsorgeuntersuchung in Anspruch nehmen, der Wunsch danach besteht bei 43 Prozent. 21 Prozent der Firmen machen ihren Managern Angebote zu gesunder Ernährung, darüber freuen würden sich aber 50 Prozent. Ein weites Auseinanderdriften zwischen Realität und Wünschen gibt es auch in den Bereichen Gesundheitsprogramme mit 13 zu 34 Prozent und Gutscheine, etwa für ein Fitnesscenter, mit elf zu 39 Prozent.

Den größten Anteil am individuellen Wohlbefinden bei Führungskräften hat der Faktor Arbeit mit 29,5 Prozent, erst danach kommen die Familie mit 25,6 Prozent, Gesundheit/Ernährung mit 16,7 Prozent, Freunde/Sozialkontakte (14,1 Prozent) und Sport/Bewegung (14 Prozent). Eine Pflegeversicherung haben derzeit nur fünf Prozent der Manager abgeschlossen, 23 Prozent verfügen über eine Berufsunfähigkeitsversicherung. (omark, derStandard.at, 22.10.2013)

Für die Studie wurden österreichweit 219 Führungskräfte der ersten (62 Prozent) und zweiten Ebene (38 Prozent) befragt. 82 Prozent der Befragten waren männlich, 46 Prozent sind zwischen 36 und 50 Jahre alt, 48 Prozent sind über 50. Die Studie wurde heuer zum vierten Mal durchgeführt.

  • Aktuelle gesundheitliche Probleme
    grafik: wdf

    Aktuelle gesundheitliche Probleme

  • Risikofaktoren
    grafik: wdf

    Risikofaktoren

  • Work-Life-Balance
    grafik: wdf

    Work-Life-Balance

  • Sportliche Aktivitäten
    grafik: wdf

    Sportliche Aktivitäten

  • Maßnahmen zur Gesundheitsvorsorge
    grafik: wdf

    Maßnahmen zur Gesundheitsvorsorge

  • Vorsorgemaßnahmen im Unternehmen
    grafik: wdf

    Vorsorgemaßnahmen im Unternehmen

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