Gehirnareale für die Selbstbeobachtung lokalisiert

26. Oktober 2013, 18:00
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Wahrnehmungs- und Erinnerungsreflexion sind zwei getrennte Fähigkeiten

Leipzig/Wien - Menschen können nicht nur Dinge wahrnehmen und Erfahrungen sammeln, sondern diese Wahrnehmung und Erinnerung auch reflektieren und beobachten. Diese allgemeine Fähigkeit zur Selbstbeobachtung (Metakognition) ist im Gehirn an den sogenannten anterioren präfrontalen Kortex (aPFC) geknüpft. Bisher war aber unklar, ob es sich hierbei um eine einzige oder zwei getrennte Fähigkeiten handelt.

Nun konnte ein Forschungsteam um Daniel Margulies vom Leipziger Max-Planck-Institut für Kognitions- und Neurowissenschaften (MPI) die Gehirnareale für Wahrnehmungs- und Erinnerungsreflexion lokalisieren und damit zeigen, dass es sich bei den beiden Arten der Metakognition um zwei getrennte Fähigkeiten handelt. Die Forschungsergebnisse wurden im "Journal of Neuroscience" veröffentlicht.

Arten der Metakognition

Die Fähigkeit, eigene Gedanken, Meinungen und Erinnerungen zu reflektieren – sich quasi selbst zu beobachten –, lässt sich in verschiedene Kategorien einteilen. Eine Art der Metakognition ist beispielsweise das Nachdenken über die eigene Wahrnehmung. Diese kommt dann zum Einsatz, wenn wir Wahrnehmungen aus unserer Umgebung, die wir zum Beispiel beim Spaziergang machen, einschätzen. Eine andere Art ist die Reflexion unserer Erinnerung, die dann aktiv wird, wenn wir unsere Erinnerung bewerten. Bevor ich beispielsweise zum Telefonhörer greife, frage ich mich, ob ich die Telefonnummer auswendig weiß.

Die damit verknüpfte Gehirnregion an der Stirnseite ist "ein ungefähr kreditkartengroßer Bereich", sagte Daniel Margulies, Forschungsgruppenleiter am MPI. "Es gab bisher vielfältige Hinweise darauf, dass dieser Gehirnabschnitt wesentlich die Selbstbeobachtung unterstützt." Das Forschungsteam untersuchte an Probanden mit Hilfe der funktionellen Magnetresonanztomographie (fMRT), ob der aPFC ein homogener Bereich ist, der ganz allgemein die metakognitiven Prozesse unterstützt, oder ob er sich in einzelne Gebiete unterteilen lässt, die bestimmten Arten der Metakognition zuordenbar sind.

Ergebnis: Unterschiedliche Bereiche

Die Forscher fanden heraus, dass beide Fähigkeiten nicht nur getrennt voneinander ablaufen, sondern auch von verschiedenen Netzwerken innerhalb des aPFC unterstützt werden: "Wir konnten zeigen, dass die Fähigkeiten, eigene Wahrnehmungen genau einzuschätzen und eigene Erinnerungen genau zu reflektieren, nicht miteinander korrelierten, sondern eigenständige Anlagen der Selbstbeobachtung sind", sagte Margulies – und fügte hinzu: "Wir hätten eigentlich eine Korrelation erwartet, das Ergebnis war für uns überraschend." (red, derStandard.at, 26.10.2013)

  • Der aPFC mit den lokalisierten Gebieten für Erinnerungs- und Wahrnehmungsreflexion - zwei getrennten Fähigkeiten.
    foto: max-planck-institut für kognitions- und neurowissenschaften

    Der aPFC mit den lokalisierten Gebieten für Erinnerungs- und Wahrnehmungsreflexion - zwei getrennten Fähigkeiten.

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