Wohnen am Wasser hat seinen Preis

7. November 2013, 17:14
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Die Häuser und Wohnungen, die rund um das kostbare Nass der Bundeshauptstadt entstehen, sind heiß begehrt – und entsprechend teuer. Die Seestadt könnte die günstige Alternative werden

Wien – Dort, wo es im Sommer mehr als eine Million Menschen hinzieht, um sich dem städtischen Badevergnügen hinzugeben, wird seit einigen Jahren fleißig gebaut. Die heimischen Bauträger Glorit und Hart & Haring scheinen sich das Gebiet rund um die Alte Donau akribisch aufgeteilt zu haben. Neben Massivhäusern entstehen Fertigteilhäuser, die zusehends die großzügigen Grünflächen mit kleineren Lauben verdrängen.

"Zwischen 350.000 Euro und mehr als 1.500 000 Euro kostet ein Objekt an der Alten Donau", so Andrea Antoni von Glorit, die zwar nicht nur an der Donau bauen, aber es sehr gerne tun. "Das meiste Interesse gilt natürlich unseren Objekten am Wasser und in Lagen mit sehr guter öffentlicher Anbindung, das heißt in U-Bahn-Nähe."

Riviera für Arme?

Immer mehr Städter zieht es ans Wasser, an die Donau. Ein direkter Zugang zum Wasser bleibt den meisten Donaubewohnern aber verwehrt. Alleine der Blick aufs blaue Nass kostet. Die früher abschätzig genannte "Riviera für Arme" entwickelt sich immer mehr zu einer Nobeladresse. So bietet der Bauträger Glorit momentan eine 3-Zimmer-Maisonette mit Donau-Blick zum stolzen Preis von mehr als 600.000 Euro an.

Direkt am Kaiserwasser entstand 2010 unter heftigen Anrainer-Protesten eine luxuriöse Wohnhausanlage, die über einen hauseigenen Badestrand, eine eigene Bootsanlegestelle, ein Schwimmbiotop und eine Parkanlage mit einer Liegewiese verfügt. Zwischen Schrebergärtchen, Bootsverleihen und den urigen Wirtshäusern ein ungewöhnliches Bild, das mit unvorstellbaren Kosten trumpft: 130 m² Wohnraum und drei Terrassen kosten stolze 1.700.000 Euro. Monatlich sind noch etwa 600 Euro Baurechtszins fällig, da auf dem Grund des Stifts Klosterneuburg gebaut wurde. Dem Stift gehören übrigens fast alle Gründe rund um die Alte Donau.

Die Donau rauf und runter

Schon lange aufgewertet und als Location für diverse Szenelokale genutzt ist der innerstädtische Teil des Donaukanals. Auch die Neue Donau soll durch neue Wohnprojekte Impulse erfahren. Mit den geplanten Wohnbauprojekten "Danube Flats" sowie "DC Living" sollen in den nächsten Jahren rund 800 neue Wohnungen idirekt an der Neuen Donau entstehen.

Ab 2014 soll mit den "Danube Flats" anstelle des ehemaligen Cineplexx-Kinos an der Wiener Reichsbrücke ein 150 Meter hoher Wohnturm gebaut werden, der auf 45 Geschoßen insgesamt 500 Eigentums-, Vorsorge- und Mietwohnungen umfassen soll. Den Vorwurf,  "Luxuswohnungen für wenige" zu kreieren, weisen die Projektwerber zurück: Ein gewisser, noch nicht festgelegter Anteil der Wohnungen soll auch "für einkommensschwächere Menschen zur Verfügung stehen", heißt es. Konkret soll es sich dabei um sogenannte "smart living"-Wohnungen mit einem Netto-Mietpreis von sieben Euro je Quadratmeter handeln. Ob diese Wohnungen auch einen "fantastischen Ausblick" auf die Donau bieten, ist noch offen.

Schwimmteich inklusive

Wer vom Wohnen am Wasser träumt, muss nicht mit der Donau vorlieb nehmen. Wie wäre es mit einem hauseigenen Badeteich? So errichtete die Buwog 2011 32 Reihenhäuser, die um einen 634 m² großen Schwimmteich angelegt sind, nahe der U6-Station Erlaaer Straße.

Und schließlich baut Wien  gerade eine ganze neue Stadt, die auch einen künstlichen See haben wird. Momentan fährt zwar schon die U-Bahn in die Seestadt Aspern, doch noch ist dort außer Baukränen nicht viel zu sehen. Das Herzstück des größten Stadtentwicklungsprojekts Europas, den 50.000 m² großen See, sieht man von der U2-Trasse aus immerhin schon. Rundherum wird ein rund 90.000 m² großer zentraler Park angelegt. Von allen Standorten aus leicht erreichbar, setzt sich der See in Wasserläufen und Grünzügen somit nach Osten und Südwesten fort.

Ende 2014 sollen die ersten Bewohner in ihre neu errichteten Häuser einziehen, insgesamt sind 8.500 Wohneinheiten für 20.000 Menschen und 20.000 Arbeitsplätze geplant, das meiste davon sind Mietwohnungen.  (Karin Jirku, derStandard.at, 7.11.2013)

  • Mit den umstrittenen "Danube Flats" in Kaisermühlen sollen ab 2014 an der Wiener Reichsbrücke insgesamt 500 Eigentums-, Vorsorge- und Mietwohnungen entstehen.
    foto: project a01 architects

    Mit den umstrittenen "Danube Flats" in Kaisermühlen sollen ab 2014 an der Wiener Reichsbrücke insgesamt 500 Eigentums-, Vorsorge- und Mietwohnungen entstehen.

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