Mark Shuttleworth schimpft über "Open Source Tea Party"

21. Oktober 2013, 13:36
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Harsche Worte für KritikerInnen von "Mir" - Systemd sei wiederum kaum zu rechtfertigen

In einem aktuellen Blogeintrag wollte sich Mark Shuttleworth eigentlich vor allem für die Arbeiten an Ubuntu 13.10 bedanken und den Codenamen für die kommende Ausgabe der Linux-Distribution - "Trusty Tahr" - verkünden. Für Aufregung sorgt nun aber, dass es sich der Ubuntu-Gründer nicht ersparen konnte, bei der Gelegenheit auch noch ordentlich über die restliche Open-Source-Community vom Leder zu ziehen.

Mir

Shuttleworth unterstellt allen KritikerInnen des Display-Servers Mir versteckte Motive. In Wirklichkeit gehe es nie um technische Anmerkungen sondern um eine politische Agenda. Zumindestens wisse man jetzt, wer zu dieser "Open Source Tea Party" gehöre, wie Shuttleworth die Canonical-KritikerInnen in Anspielung auf den extremen Flügel der US-Republikaner brandmarkt.

Verschwörung

Eine solche geheime Agenda vermutet er nicht zuletzt in der Ablehnung von Patches zur Unterstützung von Mir durch diverse Open-Source-Projekte wie den Desktop KDE aber auch Firmen wie Intel (die sich allesamt schon lange bevor Canonical Mir angekündigt hat, auf Wayland als Grafikserverzukunft geeinigt hatten, Anm.). Es sei interessant wie hier die englische Sprache gequält werde, um zu rechtfertigen, dass Windows unterstützt werde, nicht aber Ubuntu.

NIH

Diese EntwicklerInnen würden zudem unter einem "Not invented here"-Syndrom leiden. Dies zeige sich nicht zuletzt an der Entwicklung des Bootsystems Systemd, das einen massiven Eingriff darstelle, und durch den Ersatz zahlreicher bestehender Komponenten kaum zu rechtfertigen sei.

Gegen alle

Mit seinen Worten ist Shuttleworth zumindest eines gelungen: Praktisch die gesamte Open-Source-Welt jenseits von Canonical gegen sich aufzubringen. So wirft etwa Aaron Seigo vom KDE-Projekt dem Ubuntu-Gründer vor, die Tatsachen bewusst zu verdrehen. Die Kritik an Mir sei immer technischer Natur gewesen, beziehungsweise habe sich gegen falsche Behauptungen Canonicals über Wayland (die mittlerweile größtenteils zurückgezogen wurden, Anm.) gewandt. Seigo fordert Shuttleworth in diesem Zusammenhang auch zu einem öffentlichen Streitgespräch auf, um dieses Behauptungen für alle transparent zu klären.

Gründe

KWin-Entwickler Martin Grässlin streicht in seinem Blog wiederum heraus, dass die Ablehnung von Mir-Patches nach strikt technischen Kriterien erfolgt sei. Es gehe hier um eine einzige Distribution - selbst diverse Ubuntu-Derivate lehnen Mir ab - entsprechend seien die Patches "downstream" beim Projekt besser aufgehoben. Zudem erinnert Grässlin Shuttleworth daran, dass er mit seinen aggressiven Ausführungen klar gegen den "Code of Conduct" von Ubuntu verstößt.

Seltsamkeiten

Für besondere Verblüffung sorgen aber die Aussagen von Shuttleworth bezüglich des "Not invented here"-Syndroms. Immerhin war es gerade Canonical, das immer wieder Upstream-Unterfangen mit eigenen Projekten ersetzt hat. Sei es die GNOME Shell mit Unity, oder eben Wayland mit Mir. Zudem wurden all diese Eigenentwicklungen mit einem Copyright Assignment versehen, um Canonical exklusive Rechte zu sichern. Diese Machtungleichheit führt wiederum dazu, dass sich kaum externe EntwicklerInnen an Canonical-Projekten beteiligen, und anderer Distributionen diese meiden. Dies im Gegensatz zu Projekten wie Systemd, die zwar in der Community auch durchaus kontrovers diskutiert wurden, mittlerweile aber nach und nach bei immer mehr Distributionen Einzug halten. (apo, derStandard.at, 21.10.13)

  • Ubuntu-Gründer Mark Shuttleworth, hier bei einem Vortrag auf der OSCON des Jahres 2008.

    Ubuntu-Gründer Mark Shuttleworth, hier bei einem Vortrag auf der OSCON des Jahres 2008.

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