AUA lagert Flugbegleiter nach Asien aus

21. Oktober 2013, 09:44
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Betriebsrat spricht von "billigstem Lohndumping", die AUA von Wettbewebsvorteilen, die es zu nutzen gelte

Nach diversen Sparprogrammen in den vergangenen Jahren nimmt die AUA nächstes Jahr wieder rund 230 neue Flugbegleiter auf. Dennoch herrscht bei den Belegschaftsvertretung derzeit helle Empörung.

Der Grund: Nur rund 150 Jobs sollen in Österreich entstehen. Darüber hinaus prüft das Management der Fluglinie, Flugbegleiterbasen in Bangkok, Delhi und Peking zu errichten. Es geht um rund 80 Jobs, die zu jeweils lokalen – und damit günstigeren – Bedingungen geschaffen werden sollen.

AUA-Betriebsrat Karl Minhard spricht von "billigstem Lohndumping" und zeigt sich empört, dass derartige Pläne parallel zu den gerade laufenden Verhandlungen über einen neuen Kollektivvertrag gewälzt werden.

Wettbewerbsvorteil nutzen

Das Management begründet das Vorhaben in einem internen Schreiben, das dem Standard vorliegt, folgendermaßen: "Lufthansa, Swiss und andere namhafte Airlines in Europa haben auf Asienstrecken lokales Personal und dadurch einen erheblichen Wettbewerbsvorteil. Diesen Vorteil wollen auch wir nutzen."

Gleichzeitig wird argumentiert, man könne mit lokalem Personal die Qualität verbessern: "Wir können uns vorstellen, durch den Einsatz lokaler FlugbegleiterInnen die Kundenzufriedenheit weiter zu steigern und in Folge neue Gäste für uns zu gewinnen, da diese in 'ihrer Landessprache' angesprochen werden können", schreiben die mit dem Projekt Beauftragten.

Minhard, der selbst Langstreckenpilot ist, lässt diesen Einwand nicht gelten. Nach Bangkok würden beispielsweise fast ausschließlich Europäer fliegen. Hier die Notwendigkeit von Thai sprechenden Flugbegleitern herauszustreichen, sei eine "billige Ausrede". Die AUA werde bereits jetzt regelmäßig für ihre hohe Qualität ausgezeichnet.

AUA-Sprecher Peter Thier widerspricht dem auf Standard-Anfrage. 70 Prozent der AUA-Gäste seien Ausländer. Diese hätten den Wunsch, in ihrer Muttersprache angesprochen zu werden. Zudem sei es derzeit gar nicht möglich, derart viele neue Flugbegleiter nur in Österreich zu finden. "Wir kriegen in Österreich schwer jemanden, der fließend chinesisch spricht."

Thier meint auch, zum Teil werde Personal schon bisher im Ausland beschäftigt. In erster Linie handelt es sich dabei um Bodenpersonal, aber auch einige japanische Flugbegleiter würden in Japan beschäftigt. Beim Betriebsrat heißt es hingegen, die japanischen Kollegen würden sehr wohl nach österreichischem Kollektivvertrag bezahlt.

Keine offizielle Information

Kritisiert wird vom Belegschaftsvertreter Minhard auch, dass man bisher nicht offiziell von der Geschäftsführung informiert wurde. Gleichzeitig wisse man, dass die Vorarbeiten bereits weit fortgeschritten seien und nächstes Monat ein AUA-Mitarbeiter nach Bangkok fliegen werde, um sich vor Ort ein Bild zu machen.

Für diesen Donnerstag wurde nun ein Treffen zwischen Management und Belegschaft anberaumt. Intern wollen die Betriebsräte morgen beraten, wie man mit der Causa umgeht. "Irgendwann ist einfach Schluss", sagt Minhard. "Das ist der nächste Schlag gegen die österreichischen Gepflogenheiten."

Die Flugbegleiter selbst sind besorgt, dass sie nach und nach ersetzt werden. Wie berichtet, erfolgen Neuanstellungen derzeit immer nur auf drei Jahre befristet. (Günther Oswald, derStandard.at, 21.10.2013)

  • Internes Schreiben des AUA-Managements

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    foto: ap/punz
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