Deutsche Bistümer verschoben Millionen in "graue Kassen"

20. Oktober 2013, 17:55
48 Postings

Manche Vermögen sogar Finanzmanagern unbekannt

Hamburg - Deutschlands katholische Bistümer verschweigen laut einem Spiegel-Bericht offenbar weiterhin erhebliche Millionenvermögen, die in gesonderten Haushalten oder grauen Kassen gelagert werden. Allein das Bistum Limburg des umstrittenen Bischofs Franz-Peter Tebartz-van Elst soll seit 65 Jahren Kirchensteuereinnahmen von geschätzt 300 Millionen Euro verschoben haben, berichtet das Nachrichtenmagazin. Die Millionen wurden demnach nicht im Bischöflichen Stuhl verbucht, sondern in einem Vermögenshaushalt des Bistums.

In Hamburg bezifferte ein Kirchensprecher die "Rücklagen der Körperschaft Erzdiözese Hamburg" auf rund "156 Millionen Euro". In der vorigen Woche hatte die Diözese das Vermögen ihres Erzbischöflichen Stuhls mit 35 Millionen Euro angegeben.

Internes Unwissen

Auch das Bistum Münster verschwieg stattliche Werte: Vergangene Woche sei das Geldvermögen des Bischöflichen Stuhls mit nur 2,37 Mio. Euro beziffert worden. Nicht genannt seien dagegen 38 Immobilien mit einer Gesamtnutzfläche von über 17.000 Quadratmetern sowie Wald- und Landgebiete von insgesamt 3,1 Millionen Quadratmetern.

In den wohlhabenden Erzbistümern Köln sowie München und Freising wissen nicht einmal die eigenen Finanzmanager über die Größe ihrer Mittel Bescheid. "Ich kann Ihnen keine Zahl über das Vermögen nennen, da ich selber nicht weiß, wie hoch es liegt", sagte der Kölner Dompropst Norbert Feldhoff zu einem bisher nur Insidern bekannten Haushalt des Domkapitels, der offenbar beträchtliche Finanzwerte und Immobilien umfasst. Das Erzbistum München und Freising erklärte im Spiegel, es müsse sein Zahlenwerk zunächst auf eine moderne Buchführung umstellen. Dies könne drei bis vier Jahre dauern.

Tebartz-van Elst beim Papst

Der umstrittene Limburger Bischof Franz-Peter Tebartz-van Elst wird laut der Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung am Montag in Rom mit Papst Franziskus sprechen. Der Bischof sei bisher nicht bereit, sein Amt freiwillig aufzugeben. Er hält sich seit einer Woche in Rom auf.

Tebartz-van Elst kam im Zuge eines Strafbefehls wegen Falschaussage und der auf mindestens 31 Mio. Euro explodierten Kosten für seinen Bischofssitz in die Kritik. Er soll eigenmächtig und verschwenderisch mit Bistumsgeld umgegangen sein. Die Hintergründe der hohen Kosten soll eine Untersuchungskommission klären, die am Freitag ihre Arbeit aufgenommen hat. (AFP/red, DER STANDARD, 21.10.2013)

  • Die Kathedrale von Limburg, in der Franz-Peter Tebartz-van Elst wirkt.
    foto: reuters/kai pfaffenbach

    Die Kathedrale von Limburg, in der Franz-Peter Tebartz-van Elst wirkt.

Share if you care.