Zeitungssafari durch die österreichische Fauna

18. Oktober 2013, 19:26
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Bluthunde, Aasgeier, Schmierfinken - Schmeichelhaftes aus dem Tierreich findet sich selten im Imagefolder für Journalisten. Doch dabei ist es gerade das Animalische, das die Medienwelt mitunter so bunt macht. Ein Einblick in das Tagebuch einer "Zeitungssafari".

Linz - Das Habitat eines Bundesländerkorrespondenten kennt klare Grenzen. Im Fall von Oberösterreich bewegt sich der gemeine STANDARD-Journalist auf einer Fläche von exakt 11.982 Quadratkilometern. Selten nachtaktiv, dafür tagsüber mitunter an den entlegensten Orten des streng abgesteckten Reviers anzutreffen. Immer hungrig nach länderspezifischen Neuigkeiten lauert der Schreiber, bevorzugt vor allem in den Vormittagsstunden, ahnungslosen "Opfern" auf. Ist erst einmal Beute ausgemacht, gibt es nach oft stundenlangem Ansitzen nur selten Erbarmen. Gefällt das Erlegte auch den Kollegen in der Bundeshauptstadt, so wird das begehrte Gut in die journalistische Büro-höhle verbracht. Dort dann entsprechend sanft filetiert, gekonnt mit Sprachwitz angereichert und zu leserfreundlichen Häppchen verarbeitet.

Problematisch wird es in freier Wildbahn nur, wenn man plötzlich auf Artgenossen trifft. Nicht die werten Kollegen der schreibenden Zunft - da herrscht weitgehend Toleranz. Rauer werden die Umgangsformen vielmehr, wenn ein journalistisches "Viech" auf tatsächliches Getier trifft.

Fliegende Kopfnuss

So sollte etwa der Beschluss an einem schönen April-Tag im Jahr 2007 die Greifvogel- und Eulenschutzstation des österreichweit bekannten "Vogeldoktors" Reinhard Osterkorn zu besuchen, fatale Folgen haben. Neben Sperber "Sperbi", der sich zu diesem Zeitpunkt gerade von einem Schädel-Hirn-Trauma nach einem schweren Autounfall erholte und Waldohreule "Ohrli" - die im nächtlichen Flugeifer einen gespannten Draht übersehen und sich dabei die Elle gebrochen hatte - fühlte sich dort "Pipsi" wohl.

Der zahme Bussard konnte zwar fliegen, "Pipsis" Probleme lagen eher im Kommunikationsbereich. Von Menschenhand großgezogen, wuchs der Bussard neben einem Kanarienvogel auf, was die Lautbildung empfindlich störte. Statt der für einen Bussard typischen miauenden "Hijää'-Rufe" flötete "Pipsi" wie ein Kanari. Was dem tieraffinen Journalisten sogleich ein boshaftes Lächeln auf die vorlauten Lippen zauberte.

Doch "Pipsi" war nachtragend und vor allem furchtbar eifersüchtig. In einem greifvogel-technisch günstigen, aber journalistisch total ungünstigen Moment erhob sich der Bussard zunächst in die Lüfte - um dann mit voller Härte aus dem Hinterhalt einen Angriff auf die Pressefreiheit zu starten. Mit Erfolg: Ein gezielter Schlag des Greifers auf den Hinterkopf des Verfassers dieser Zeilen genügte, um selbigen umgehend zu Fall zu bringen.

Die Schrammen am Kopf waren zwar definitiv nicht lebensbedrohlich, doch machten sie noch tagelang eines klar: Selbst ein Kanari-Bussard hat manchmal einen ordentlich Vogel.

Als Journalist mit deutlichem Hang zu diversen Tiergeschichten hat man aber mitunter nicht nur Probleme mit dem Tier an sich.

So trug sich im Oktober 2010 ein Interview mit einem niederösterreichischen Ameisenforscher zu. Das Gespräch vor Ort verlief nett, doch mit Erscheinen des Artikels war Schluss mit lustig. Der Ameisenforscher per se durchstreift die Natur nämlich bevorzugt auf Knien, Gesicht dicht am Boden - und saugt durch ein spezielles Mundstück Ameisen auf. Womit sich auch der Vergleich zur "blauen Elise" - ja, der Ameisenbär aus der Serie Der rosarote Panther - im erschienenen Artikel erklärt. Doch Ameisenforscher sind mitunter humorlose Wesen.

Manchmal heißt es auch Abschied nehmen von liebgewonnenen Begleitern aus dem Tierreich. "Moritz" gehört dazu. Unzählige Male begann der journalistische Frühling mit einem Bericht über den ersten Streifzug von Österreichs einzigem Braunbär nach der Winterruhe.

Die pelzigen Flirtversuche mit drei slowenischen Bärendamen, die Diskussionen über Entschädigungszahlungen nach einer Jaus'n im Schafgehege - "Moritz" sorgte gerne für Schlagzeilen. Doch seit 2011 ist der Bär nicht mehr los, "Moritz" vermutlich tot.

Solange es aber anderswo noch kreucht und fleucht, ist auch der animalische Bundesländerjournalist nicht vom Aussterben bedroht. Erinnern Sie sich übrigens noch an den rabiaten Feldhasen, der in Linz ein Pensionisten-Ehepaar attackierte - und schließlich von der Polizei erlegt wurde? "CSI Tannenzapfen": Nichts ist so spannend wie die Natur. (Markus Rohrhofer/DER STANDARD, 19./20.10.2013)

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  • Der Waschbär wäscht nachts.
    foto: apa/lenhard klimek

    Der Waschbär wäscht nachts.

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