Forscher legen ältestes bekanntes Nervensystem frei

18. Oktober 2013, 19:42
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Ein 520 Millionen Jahre altes Fossil aus China erstaunt Wissenschafter: Das drei Zentimeter kleine Klauentier ist der früheste bekannte Vorfahre aller Spinnen und Skorpione. Und es besaß bereits ein kleines, modernes Gehirn.

London - Das Tierchen war, obwohl es vor mehr als einer halben Milliarde Jahren lebte, schon recht gut entwickelt: Es besaß einen länglichen Körper mit Fangarmen, die es vermutlich zum Schwimmen verwendete. An seinem Kopf befand sich eine scherenförmige Kralle, die vermutlich zum Greifen oder Fühlen diente. Und es hatte ein kleines Gehirn. Der Urzeit-Gliederfüßer aus dem Südwesten Chinas ist so gut erhalten, dass sogar sein Nervensystem noch weitgehend intakt konserviert ist.

Dank einer Kombination aus Computertomografie und einer Laser-Scanning-Technik gelang es, die Form und den Verlauf der Nervenbahnen des Klauentiers namens Alalcomenaeus sichtbar zu machen: Wie die Entdecker im Fachblatt Nature berichten, besteht sein Gehirn aus einem paarigen Sehzentrum, gefolgt von einer Art Vorhirn und dann dem aus vier Nervenknoten verschmolzenen Gehirn.

Die wichtigste Entdeckung der Forscher um Nicholas Strausfeld (Universität Arizona): Die großen, paarigen Scheren des Urzeit-Gliederfüßers wurden vom gleichen Hirnteil kontrolliert wie bei den heutigen Spinnen, Pfeilschwanzkrebsen und Skorpionen. Das wiederum bedeutet, dass es sich beim neuen Fossil nicht nur um den ältesten bekannten Vorfahren der Spinnen und Skorpione handelt. Es belegt auch in Zusammenschau mit einem ähnlich alten, aber wenig verwandten Fossil aus China, dass sich diese Tiergruppe bereits vor 520 Millionen Jahren von den Vorfahren der Krebse und Insekten getrennt hatte. (tasch, DER STANDARD, 19./20.10.2013)

  • Kopf (mit Hirn) und Klauen des Urgliederfüßers.
    foto: xianguang hou

    Kopf (mit Hirn) und Klauen des Urgliederfüßers.

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