"Runner Runner": Spiel mit ganz schlechten Karten

18. Oktober 2013, 17:49
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"Runner Runner" entführt in die Welt des Online-Kartenspiels. Leider strotzt Brad Furmans Thriller vor Klischees, Ben Affleck und Justin Timberlake scheitern an der Belebung hohler Figuren

Wien - Obacht, sportbegeisterte Filmfreunde: "Runner Runner" ist ein Fachbegriff im Poker. Der gleichnamige Film handelt daher nicht etwa von zwei Läufern, die an ihrem Olympia-Comeback arbeiten. Sondern er ist in der Welt des Glücksspiels angesiedelt. Schon weniger überraschend geben Justin Timberlake und Ben Affleck darin nicht zwei Kartentippler beim Gruber-Wirten in Ottakring, sondern entführen in die verführerisch glitzernde Welt des vor ein paar Jahren boomenden Online-Pokers.

Genau damit verdient Richie Furst (Timberlake) in Princeton seine Studiengebühren. An einem schicksalshaften Tag verliert er jedoch sein ganzes Geld und damit auch seine Zukunftsperspektive. Aufgrund seiner Oberschläue ist klar, dass er Opfer eines Betrugs geworden sein muss. Unverzagt fliegt der Glücksritter nach Costa Rica, um den dort ansässigen Betreiber des Online-Kasinos, den legendären Ivan Block (Affleck), tüchtig zu schimpfen. Der in den USA per Haftbefehl gesuchte Lebemann gewährt dem Studenten auch prompt eine Audienz, um ihm schließlich einen überaus lukrativen Posten in seinem Imperium anzubieten.

Am damit verbundenen Luxusleben hat Furst anfangs noch viel Freude. Bald dräut ihm jedoch, dass ein Lebenserwerb im Halbkriminellen auch seine Nachteile hat - man muss sich etwa von einem übermotivierten FBI-Agenten (Anthony Mackie) entführen lassen - und dass Block auf Verfehlungen recht ungehalten reagiert.

Das alles kommt, wohlbekannt aus ungezählten anderen Thrillern, wenig überraschend, der selbst mäßig sympathische Furst stolpert aber mit einer bemerkenswerten Blauäugigkeit durch den klischeeüberladenen Film. Bei aller schon ins moralisch Bedenkliche kippenden Oberflächlichkeit hat das Drehbuch von Brian Koppelman und David Levien auch zu wenig Richtung, um wirklich Spannung aufkommen zu lassen. Und weder Timberlake noch Affleck gelingt es, auch nur den Hauch von Interesse für ihre hohlen Figuren zu erwecken.

Postkartengerecht

Was bleibt, sind die Schauwerte. Puerto Rico macht einen guten Job als Costa Rica, das dortige Treiben zeigt Regisseur Brad Furman wie ein gesangsbefreites Musikvideo Justin Timberlakes. Die Szenerie ist so postkartengerecht wie die Interieurs geschmackvoll. Wenn Aufregung suggeriert werden soll, darf die Handkamera hektisch wackeln. In bunten Hinterhöfen werden schnauzbärtige Polizisten bestochen, in dunklen Clubs Leichtbiere getrunken, auf weißen Booten Ränke geschmiedet. Dazu gibt es nahezu überall pro Mann drei Bikini-Schönheiten, die über Schultern streicheln oder an Rauchgeräten nuckeln.

Bei einer nicht ganz so leicht bekleideten Dame handelt es sich um Blocks Partnerin Rebecca Shafran, die auch an Frischling Furst Gefallen findet. Gemma Arterton darf als derart adaptiertes Bond-Girl circa drei Sätze sprechen und folglich am Filmplakat prominent platziert werden. Man muss kein großer Zocker sein, um darauf zu wetten, ob die beiden gefährdeten Turteltauben Shafran-Furst am Ende gut aussteigen. (Dorian Waller, DER STANDARD, 19.10.2013)

Jetzt im Kino

  • Kontrahenten oder Verbündete? Justin Timberlake und Ben Affleck als professionelle Kartentippler in Costa Rica in "Runner Runner".
    foto: centfox

    Kontrahenten oder Verbündete? Justin Timberlake und Ben Affleck als professionelle Kartentippler in Costa Rica in "Runner Runner".

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