Nur 31 Prozent meinen, dass es uns heute besser als 1988 geht

18. Oktober 2013, 17:42
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Tiefe Fortschrittsskepsis und Zukunftssorge kennzeichnet die Haltung der Österreicherinnen und Österreicher

Linz - "Wenn Sie Österreich im Jahr 2013 mit Österreich vor 25 Jahren, also im Jahr 1988, vergleichen: Geht es uns in Österreich heute besser als vor 25 Jahren, geht es uns in etwa gleich gut, oder geht es uns in Österreich so alles in allem schlechter als vor 25 Jahren?" Diese Frage ließ der STANDARD aus Anlass seines 25-jährigen Bestehens 603 repräsentativ ausgewählten Wahlberechtigten vorlegen.

Nur 36 Prozent der Männer und gar nur 26 Prozent der Frauen - im Schnitt sind das 31 Prozent aller Befragten - gaben an, dass es heute in Österreich besser sei als 1988. 32 Prozent meinen, dass es hierzulande etwa gleich gut läuft wie damals. Gleich viele sagen, dass es uns heute schlechter geht als damals.

Modernisierungsverlierer

David Pfarrhofer vom Linzer Market-Institut, das die Befragung für den STANDARD durchgeführt hat: "Es fällt auf, dass die Leute aus verschiedenen politischen Lagern auch ganz unterschiedlich antworten - fünf bis sechs von zehn Befragten, die bei der Nationalratswahl FPÖ oder Stronach gewählt haben, reihen sich bei den Modernisierungsverlierern ein und sagen, dass es heute schlechter geht."

Die Einschätzung, ob sich Österreichs Lage verbessert oder verschlechtert hat, hängt stärker mit der politischen Haltung zusammen als mit dem Alter: "Menschen über 40, die das letzte Vierteljahrhundert im Erwachsenenalter erlebt haben, urteilen in dieser Frage nicht anders als jüngere Befragte. Aber wer ÖVP wählt, sieht die Welt eher positiv, mit Einschränkungen gilt das auch für Wähler von SPÖ, Grünen und möglicherweise auch der Neos, wobei die Fallzahl bei den Neos-Wählern keine statistisch verlässliche Aussage zulässt", sagt Pfarrhofer.

Der STANDARD ließ auch erheben, welche Veränderungen des letzten Vierteljahrhunderts in den Augen der Österreicher positive beziehungsweise negative Auswirkungen gehabt haben. Die Tabelle zeigt: Es ist vor allem das Internet, das als positive Innovation gesehen wird - 85 Prozent der Männer und 78 Prozent der Frauen finden es gut. Die Zustimmung zieht sich gleichmäßig durch alle Alters- und Bildungsschichten.

Internet gut, Facebook böse

Die sozialen Netzwerke vom Schlage Facebook finden dagegen deutlich weniger Zustimmung, Befragte über 30 sind überwiegend negativ eingestellt, was sich letztlich auch im Durchschnittswert darstellt.

Die deutsche Wiedervereinigung finden 76 Prozent gut. Auffallend ist hier, dass gerade die FPÖ-Wähler, unter denen viele Deutschnationale vermutet werden, unterdurchschnittlich von der Wiedervereinigung begeistert sind, was Pfarrhofer damit erklärt, dass mit dem Fall der Mauer und des Eisernen Vorhangs auch die Mobilität der Bevölkerung zugenommen hat.

Die Zunahme der Wohnbevölkerung von 7,5 Millionen Personen im Jahr 1988 um fast eine Million wird ebenfalls vor allem von FPÖ- und Stronach-Wählern abgelehnt. Aber auch in der Gesamtbevölkerung sehen sie nur von 30 Prozent als gut an.

Der EU-Beitritt und die Umstellung von Schilling auf Euro finden zwar relative Mehrheiten - in bildungsfernen Schichten sowie bei den Wählern von FPÖ und Stronach sehen die Mehrheitsverhältnisse allerdings umgekehrt aus.

Und wie kann es da weitergehen? Schlecht - meinen vor allem die Freiheitlichen. Auf die Frage, wie es wohl in weiteren 25 Jahren, im Jahr 2038, um Österreich bestellt sein werde, geben freiheitliche Wähler die verzagtesten Antworten. Und sie sind nicht allein: Eine Mehrheit von 55 Prozent erwartet Verschlechterungen. (Conrad Seidl, DER STANDARD, 19.10.2013)

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