Karrieretreff reflektiert die Arbeitswelt von Frauen

18. Oktober 2013, 17:17
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Das Career Center der Uni Salzburg bietet erstmals eine Karrieremesse mit dem Fokus Frauen

An der Universität Salzburg sind 60 Prozent der Studierenden weiblich. Grund genug, um speziell für Frauen eine Karrieremesse anzubieten, bei der Studierende mit potenziellen Arbeitgebern direkt in Kontakt treten können. Die Podiumsdiskussionen reflektierten die Arbeitswirklichkeiten fern von Illusionen. Zudem stehen auch Institutionen mit einem breiten Beratungsangebot zur Verfügung.

"Die Rekrutierung für einen künftigen Beruf beginnt vor dem Ende des Studiums", betont Martin Mader vom Career Center der Uni Salzburg. Die große Herausforderung sei es, dieses Bewusstsein auch unter den Studierenden zu vermitteln. Viele würden die Studienzeit abgegrenzt von einer künftigen Erwerbstätigkeit sehen. Die Folge: "Sie haben keinen Plan, was sie eigentlich machen wollen", weiß Mader aus Beratungsgesprächen. Ein Punkt, der die Jobsuche zusätzlich erschwert: Viele Frauen studieren Geistes- oder Gesellschaftswissenschaften, Bereiche, in denen es keine scharf abgegrenzten Berufsfelder gibt.

"Bildung ist weiblich"

Ein weiteres Problem sei, dass besonders Frauen oftmals nicht das Selbstbewusstsein haben, zu zeigen, was sie mitbringen für einen Arbeitgeber. "Bei Bewerbungsgesprächen verhandeln viele Frauen nicht einmal das Gehalt, sondern schauen, dass sie überhaupt in einen Beruf einsteigen können", erklärt Maria Embacher von der Servicestelle Frau & Arbeit auf dem Podium - obwohl sie meist hervorragend qualifiziert sind. "Bildung ist weiblich", meint der Direktor des BFI Salzburg, Werner Pichler. Die Bereitschaft für Zusatzausbildungen sei bei Frauen deutlich höher. Am BFI liegt der Frauenanteil derzeit bei 65 Prozent. Es liege aber bei den Unternehmen, etwas zu bieten, meint Pichler, "nicht nur Geld, sondern auch Lebensqualität".

Flexibilität von beiden Seiten

Die zunehmend geforderte Flexibilität war ein bestimmendes Thema auf dem Podium. Zusammenfassend hieß es unter den Diskutanten: Nicht nur die Arbeitnehmer sollten flexibler werden, sondern vermehrt auch die Unternehmen und Arbeitgeber. Es brauche flexiblere Arbeitsmodelle und flexiblere Arbeitszeiten, die an die Lebensabschnitte eines Menschen angepasst sind.

"Viele Studentinnen haben Angst, Kinder und Karriere gehe sich nicht aus", sagt Maria Embacher von der Servicestelle Frau & Arbeit. Das sei auch nicht nur ein Problem für junge Frauen. Viele Frauen würden zuerst die Karriere bevorzugen und erst nach zehn Jahren ein Kind bekommen. Aber: "Keine einzige Frau, die in einer Führungsposition war, konnte nach dem Kind dort wieder einsteigen", erzählt Embacher aus ihrer Erfahrung.

Bei den Unternehmen sei das schon angekommen. "Wir müssen selbst aktiv werden, um einen Frauenanteil zu erreichen", sagt Michael Schaffer von der Personalabteilung der Salzburg AG.

Rosige Berufsaussichten

Doch Frauen sollten ihre Berufsaussichten nicht zu pessimistisch sehen: Schon 2016 werden mehr Menschen in Pension gehen, als Erwerbstätige nachkommen, erklärt der Karrierecoach Christian Holzer. "Die Chance, dass man als junge, gut ausgebildete Frau zu einem Unternehmen kommt und akzeptiert wird, ist jetzt so hoch wie noch nie." Fähigkeiten wie soziale Kompetenz und Kommunikation, die oftmals Frauen zugeordnet werden, seien im Kommen, meint Holzer.

Elfi Geiblinger vom Netzwerk Medienfrauen sieht das anders: "Ich bin optimistisch, dass sich in den nächsten 70 Jahren was ändert. Das ist ein Langzeitprojekt, und das Warten macht grantig." (Stefanie Ruep, DER STANDARD, 19./20.10.2013)

  • Der Karrieretreff Women ermöglicht Studierenden den direkten Kontakt mit Unternehmen und potenziellen Arbeitgebern. Die Podiumsdiskussion "Wider die rosarote Brille" sollte zudem bei den Besucherinnen mehr Bewusstsein über die weibliche Arbeitsrealität, fern von romantischen Illusionen schaffen.
    foto: hannes huber

    Der Karrieretreff Women ermöglicht Studierenden den direkten Kontakt mit Unternehmen und potenziellen Arbeitgebern. Die Podiumsdiskussion "Wider die rosarote Brille" sollte zudem bei den Besucherinnen mehr Bewusstsein über die weibliche Arbeitsrealität, fern von romantischen Illusionen schaffen.

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