Liebe Leserin, lieber Leser!

18. Oktober 2013, 17:52
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Wie alles begann und wie es weitergehen soll

Ich freue mich, mit dieser Ausgabe gemeinsam mit Ihnen den 25. Geburtstag des STANDARD feiern zu dürfen. Arnulf Rainer hat Ihnen und uns mit seinen Übermalungen von Fotos aus unserer Zeitung und von historischen Illustrationen ein besonderes Geburtstagsgeschenk bereitet, für das ich mich sehr herzlich bedanke.

Das Erreichen dieser Wegmarke ist für mich eine spezielle Genugtuung, da diese Zeitung über lange Zeit immer wieder totgesagt wurde, und zwar mit verschiedenen Begründungen. Es gebe nicht genug Leser für eine derartige Zeitung, sie sei zu anspruchsvoll für die Österreicher, und überhaupt: Jedes Land habe die Zeitungen, die es verdient. In den ersten zehn Jahren hielten es die meisten Ratgeber nicht für möglich, dass eine liberale Qualitätszeitung, die sich keiner Partei und Interessengruppe verpflichtet weiß, in Österreichs Realverfassung eine Bestandschance hat. Doch genau das war das Ziel des STANDARD-Projekts.

Nach einigen Jahren des erkennbaren Erfolgs wird der STANDARD wieder totgesagt. Diesmal teilt er dieses Schicksal mit sämtlichen Zeitungen der Welt. Manche sind der Meinung, dass die digitale Revolution das baldige Ende der gedruckten Zeitung bedeutet. Tatsächlich wird die Luft für Zeitungen dünner. Online hat sich für Print sowohl beim Zeitbudget der Leser als auch bei den Werbebudgets der Wirtschaft zu einer starken Konkurrenz entwickelt. Das heißt jedoch nicht, dass die ganze Mediengattung Zeitung zum Untergang verurteilt ist. Man darf nur vor Herausforderungen keine Angst haben.

DER STANDARD ist für diesen medialen Paradigmenwechsel besser gerüstet als andere. DerStandard.at war die erste Online-Präsenz einer Zeitung im deutschsprachigen Raum und ist immer noch die innovativste und erfolgreichste. Das ist wohl auch einer der Gründe dafür, dass in einer von der Gallup/Karmasin-Motivforschung im Auftrag des Medienhauses Wien durchgeführten Untersuchung unter den österreichischen Medienmanagern auf die Frage, welche "Medienmarken in den kommenden Jahren wesentlich an Bedeutung gewinnen" werden, der STANDARD mit 37 Prozent an erster Stelle genannt wurde, noch vor dem ORF mit 29 Prozent.

Um die Marke STANDARD noch zukunftssicherer zu machen, haben wir beschlossen, die Kräfte zu bündeln, indem wir alle Tätigkeiten von Print und Online zusammenlegen, sowohl im redaktionellen als auch im kaufmännischen Bereich. Auch dabei folgen wir unserem Gründungsvorbild "New York Times".

Liebe Leserin, lieber Leser, ich habe diese Reorganisation des Hauses selbstverständlich mitbeschlossen. Vorbereitet und durchgeführt wurde und wird sie von der nächsten Generation im STANDARD- an der Spitze mit Alexandra Föderl-Schmid (Redaktion) und Gerlinde Hinterleitner (User-generated Content) im inhaltlichen Bereich und Wolfgang Bergmann und Alexander Mitteräcker im kaufmännischen. Ich selbst ziehe mich schon seit einiger Zeit schrittweise aus der operativen Tätigkeit zurück (siehe auch meinen Text im ALBUM).

Es ist für mich ein Vergnügen, beobachten zu können, wie die Nachfolger die Gründungsidee des STANDARD in die neue Zeit tragen. Und ich hoffe, dass Sie uns noch lange dabei begleiten werden.

Ihr Oscar Bronner (DER STANDARD, 19./20.10.2013)

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