Nicht verbieten, sondern gezielt nutzen

20. Oktober 2013, 18:49
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Social Media sind in der Arbeitswelt längst angekommen - Der Umgang war Thema beim People Management Circle

Ob Internet, E-Mails oder soziale Medien - Informationstechnologien sind fester Bestandteil des Alltags. Wer sich ihnen verschließe, könne leicht auf der Strecke bleiben, war einhelliger Tenor beim Podiumsgespräch beim People Management Circle in Wien am Mittwoch. Welchen Einfluss Social Media bereits auf die Arbeitswelt haben und wo die Trends liegen, wurde mit Margarete Schramböck (Geschäftsführerin NextiraOne), Marina Mekhedova (Human Resource Manager Cisco) und Johannes Zimmerl, (Direktor Konzernpersonalwesen Rewe International) diskutiert.

Seit rund drei Jahren führt Cisco, Anbieter von Netzwerklösungen, weltweit Studien über das Nutzungsverhalten von sozialen Medien bei Jungen durch. In der letzten Erhebung gaben 71 Prozent der Befragten an, sie würden internen Richtlinien, die Social Media verbieten, nicht folgen, wissend, dass dieser Widerstand Konsequenzen haben kann, sagt Mekhedova. "Die Frage lautet daher nicht, ob Social Media verboten werden oder nicht, vielmehr sollten sich Unternehmen die Frage stellen, wie sie von diesen Medien und dem Wissen der Jungen selbst profitieren können", ergänzt Mekhedova. Bei Cisco sind sämtliche Zugänge offen. Angst vor Missbrauch habe das Unternehmen nicht, es werde auch nicht kontrolliert, wie viel Zeit Mitarbeiter in sozialen Netzwerken verbringen. Bei Cisco werde nach Leistung bezahlt, Zeit sei da nebensächlich, so Mekhedova.

Durch Social Media sind für Schramböck drei wichtige Trends - Mobilität, Big Data und Big Cloud - erkennbar. Bei den beiden letzten Trends stelle sich vor allem die Frage: "Was gebe ich als User preis und wofür werden diese Daten verwendet?" Hier sei das Bewusstsein dafür vor allem bei den Jungen noch nicht sehr ausgeprägt, ergänzt sie. Denn in Bewerbungsverfahren werde sehr wohl auch die elektronische Spur gescreent.

Höheres Tempo

Und durch die Mobilität habe sich auch die Geschwindigkeit stark erhöht. Musste man früher drei Wochen auf die Beantwortung eines Geschäftsbriefs warten, werde man heute schon ungeduldig, wenn eine E-Mail nicht innerhalb von drei Stunden beantwortet werde, sagt Schramböck. Dadurch werde sehr reaktiv gearbeitet, und es gebe nicht mehr viel Zeit, um nachdenken zu können. "Dabei haben Studien gezeigt, dass Ideen nicht am Arbeitsplatz entstehen", ergänzt Schramböck. Dafür nicht nur im tatsächlichen Sinn wieder mehr Raum zu schaffen sei eine wichtige Aufgabe, und Führungskräfte seien wichtige Vorbilder.

"Außerdem verflüssigen sich die Grenzen zwischen Arbeit und Freizeit." Wie hier der richtige Umgang gefunden werden könne, hänge stark von der Unternehmensführung ab. "Rein durch Regeln kann das jedenfalls nicht gelöst werden, es muss auch von allen gelebt werden", sagt sie.

"Bei Cisco gibt es Schulungen für Mitarbeiter, wie mit Stress am besten umgegangen werden kann", sagt Mekhedova. Außerdem können sich Mitarbeiter anonym psychologisch unterstützen lassen. Nur: "In Europa wird dieses Angebot leider nur von sehr wenigen in Anspruch genommen", ergänzt sie.

Social Media spielen auch bei der Mitarbeitersuche eine immer größere Rolle. Bei Rewe sei diese Möglichkeit noch ein Lernprozess, sagt Zimmerl. Auch deshalb, weil es für diese Medien eine ganz andere Herangehensweise brauche. "Nicht ausschließlich das Unternehmen oder der Chef geben Dinge vor, sondern auch die User", so Zimmerl.

Von allen genutzt

Die Stereotype - die Jungen als Social-Media-Überflieger und die Generationen davor als digitale Verweigerer - konnte keiner der Diskutanten bestätigen. Der Unterschied sei nicht im Beherrschen der neuen Medien, sondern vielmehr in der Nutzung zu finden, so die einhellige Meinung. Und das habe viel damit zu tun, wie jeder aufgewachsen sei, sagt Zimmerl. Als Beispiel nennt er, wie sich der Weg, um an Informationen zu kommen, verändert habe. "Die Generation X (ab 1970 Geborene Anm.) nutzte dafür Bücher, dann kam Google, und heute werden in den sozialen Netzwerken aktiv Fragen gestellt." (Gudrun Ostermann, DER STANDARD, 19./20.10.2013)

  • Social Media in der Arbeitswelt: Karin Bauer (STANDARD) stellte die Fragen. Margarete Schramböck (NextiraOne Austria), Johannes Zimmerl (Rewe International) und Marina Mekhedova (Cisco) gaben darauf Antworten und erzählten aus der Praxis.
    foto: standard/urban

    Social Media in der Arbeitswelt: Karin Bauer (STANDARD) stellte die Fragen. Margarete Schramböck (NextiraOne Austria), Johannes Zimmerl (Rewe International) und Marina Mekhedova (Cisco) gaben darauf Antworten und erzählten aus der Praxis.

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