Personalberater: Alles anders und doch - Vertrauen zählt

18. Oktober 2013, 17:07
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Technologie, Globalisierung, Krisen: Personalberatung hat sich stark verändert

Statistisches Material zur Branche der Personalberatung ist praktisch nicht vorhanden. Nur wenige ganz große Internationale sind börsennotiert, beim großen Rest bleibt bezüglich Zahlen das meiste im Dunklen, in Österreich ist in den vergangenen Jahren die Palette des nicht geschützten Berufs, der sich bis heute auf keinen gemeinsamen Ethikkodex einigen konnte, besonders breit geworden. Die Veränderungstreiber unterscheiden sich kaum von denen anderer Branchen: Technologie, Globalisierung, Krisenfolgen.

Die Quasi-Monopole der frühen 70er-Jahre, getragen von Gründermut und guten Netzwerken, sind durch Globalisierung, aber auch durch Individualisierung, durch gesetzliche Neuerungen - etwa das Arbeitskräfteüberlassungsgesetz aus den späten 80ern - und durch Internationalisierung einerseits aufgebrochen, andererseits neu gewachsen.

Expansion

Wesentlicher Entwicklungsschub für die Unternehmungen war dabei wohl, dass sie im Gefolge der heimischen Banken früh nach Osteuropa expandiert sind. Dort haben die heimischen Player - prominent dabei als Pionier: Helmut Neumann - relativ spät internationale Konkurrenz erhalten.

Konkurrenz rüttelte dann allerorts am Geschäftsmodell und knabberte an den Margen: sowohl von dutzenden neuen Ein-Personen-Unternehmen als auch vom Trend zur Personalsuche online - ob in Portalen, via Social Networks, Facebook oder auf der eigenen Homepage. Gleichzeitig haben die großen Konzerne die Industrialisierung der Suche ins Spiel gebracht: Eigene Inhouse-Abteilungen, Einkauf von "Köpfen" wie Ware via Procurement. Weit darunter hat das ungefragte Herumschicken von Lebensläufen auch Schule gemacht.

Konjunktureinbruch als Zäsur

Eine tiefe Zäsur brachte der Konjunktureinbruch 2009 der Branche - teilweise schrumpfte das Geschäftsvolumen um die Hälfte, und zunehmend mehr Einzelunternehmer unterboten auf vielfältige Art gewohnte Margenmodelle. Parallel dazu erweiterten Etablierte ihr Portfolio um Management-Appraisals und Leadership-Beratung. Gefragt nach den tragenden Fundamenten nachhaltig Erfolgreicher, nennt Sabine Aigner (Spencer Stuart), seit 25 Jahren international in der Top-Management-Besetzung tätig, "Vertraulichkeit, Exklusivität, Seniorität" für dieses Segment.

Im Zeitalter der Datenbanken, der schnell zugänglichen Info, zunehmender Matrixorganisationen mit immer mehr Mitentscheidern werde der Executive-Searcher zum "trusted advisor". "Während vor 25 Jahren viel Zeit in die Identifikation investiert werden musste, fließt heute enormer Zeitaufwand in die Mediation hochkomplexer Entscheidungsprozesse", so Vielfliegerin Aigner.

Sichtweise auf Karriere

Wie stark sich im Zuge dessen auch die Sichtweise auf Karriere selbst verändert hat, fügt Walter Schwarz, geschäftsführender Gesellschafter der Consent - in dieser Form die älteste so in Österreich noch auf dem Markt befindliche Personalberatung -, an: von der Unziemlichkeit eines Jobwechsels über die Blüte des Jobhoppings bis zum Patchwork-Lebenslauf von heute.

Heißt? "Um die buntere berufliche Vergangenheit durchleuchten zu können, geht es heute auch um eine psychologische Kompetenz der Berater." Übrigens, so Schwarz: Begonnen haben in den 60ern hierzulande die Männer, Gundi Wentner (Deloitte) gehörte zu den Pionierinnen, und "heute stellen Frauen die Mehrheit der Beraterriege". (Karin Bauer, DER STANDARD, 19./20.10.2013)

  • Walter Schwarz - mit Consent die älteste noch in dieser Form am Markt bestehende Personalberatung.
    foto: archiv

    Walter Schwarz - mit Consent die älteste noch in dieser Form am Markt bestehende Personalberatung.

  • Auch im 25. Berufsjahr: ExecutiveSearcherin Sabine Aigner (Spencer Stuart).
 
    foto: standard/corn

    Auch im 25. Berufsjahr: ExecutiveSearcherin Sabine Aigner (Spencer Stuart).

     

  • Schwerpunktausgabe25 Jahre STANDARD

    Schwerpunktausgabe
    25 Jahre STANDARD

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