Die chinesische Prinzessin am "Tatort" in Münster: Top oder Flop?

Ansichtssache20. Oktober 2013, 19:01
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Der jüngste Münsteraner Tatort: Die chinesische Prinzessin, zu sehen am Sonntag auf ORF 2 und ARD, hat wieder einmal fein säuberlich alles abgehakt, was man in neunzig Minuten an Tatort-Stoff unterkriegen kann.

foto: orf/ard/willi weber

Eine eher unwahrscheinliche Geschichte unter Beteiligung von: einem dunklen Wäldchen, einer chinesischen Prinzessin/Künstlerin/Dissidentin (quasi Ai Weiwei in der Deluxe-Version), unterdrückten Volksgruppen, organisiertem Verbrechen, korruptem Kunstmarkt, Geheimdienst und der deutschen Bundesregierung.

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Dazu zwei Ermittler, von denen der eine (Professor Boerne) sich fast von der Prinzessin auf seinem Seziertisch hätte flachlegen lassen - wenn nicht dieser blöde Mord alles kaputtgemacht hätte.

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Der andere, Kommissar Thiel, hat sich derweil mit Kollegin Nadeshda anlässlich seines Geburtstags ordentlich die Kante gegeben und ist unschlüssig, wie er damit umgehen soll, dass sie am nächsten Morgen immer noch da ist.

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Ausgerechnet der "Tatort" Münster, bekannt für seinen Unernst und die bis ins unerträgliche gesteigerten Wortduelle zwischen Opernliebhaber Boerne und St.-Pauli-Fan Thiel, kommt mit dieser thematischen Überfülle bestens zurande.

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Die zwei Männer wirken in ihren Ausnahmesituationen (der eine mordverdächtig, der andere, man weiß nicht so recht wie, irgendwie amourös verstrickt) viel weniger flach und albern. Und endlich einmal kapieren die Figuren im Tatort selber, dass das Drehbuch heillos überzogen ist: "Chinesische Mafia, Geheimdienst, was denn noch?", klagt einmal vorwurfsvoll der völlig verkaterte Thiel. Tatsächlich sollte man ihnen öfters so harte Fälle geben. Die zwei Witzfiguren können das. (Andrea Heinz, DER STANDARD, 21.10.2013)

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foto: orf/ard/willi weber

"Mehr Fürsorge, weniger Reibung - in diesem 'Tatort' aus Münster ist die Beziehung zwischen Kommissar Thiel und Rechtsmediziner Boerne anders als sonst. Das ist zwar weniger albern, hilft der Geschichte jedoch nicht besonders", schreibt Holger Gertz in der "Süddeutschen Zeitung".

"Erotik als Freakshow, das passt sehr gut in den Münsteraner 'Tatort'. Das Vorspiel zur aktuellen Episode "Die chinesische Prinzessin" entspricht der bisherigen Strategie der Verantwortlichen, Klamauk mit Krankem zu paaren", urteilt Christian Buß im "Spiegel". Dieser "Tatort" markiere einen Richtungswechsel im Münsteraner TV-Revier: "Das genussvoll gegengeschnittene Gebalze von Boerne und Thiel führt geradewegs in einen (fast) seriösen Themen-Thriller."

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