Wie Eiszeiten die Pflanzenvielfalt der Alpen vorantrieben

17. Oktober 2013, 14:07
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Pflanzen verfügen über beträchtliche Fähigkeiten, sich genetisch an verändernde Umweltbedingungen anzupassen

Basel - In Eiszeiten mussten sich Alpenpflanzen vor Kälte und Eismassen an den Rand der Alpen zurückziehen, um sich später erneut auszubreiten. Diese Wanderugnsvorgänge unter extremen Bedingungen haben Spuren hinterlassen - sowohl im Erbgut als auch in Form, Beschaffenheit und Eigenschaften der Pflanzen, berichtet ein Basler Forscherteam im Fachblatt "Plos One".

Genetiker konnten die Rückzugsgebiete und Neubesiedelung nach Eiszeiten im Erbgut von Pflanzen bereits dokumentieren. DNA-Analysen deckten genetische Gruppen innerhalb der Pflanzenarten auf - eine Art "genetischer Fingerabdruck" der Verbreitungsgeschichte, wie die Uni Basel am Donnerstag mitteilte.

Erkennbare Spuren der eiszeitlichen Wanderungen in Form, Beschaffenheit und Eigenschaften von Pflanzen konnte nun ein Forscherteam um Jürg Stöcklin der Universität Basel nachweisen. Bei zwei untersuchten Pflanzenarten, der Straussblütigen Glockenblume und der Kriechenden Nelkenwurz, war dies sogar mit freiem Auge erkennbar.

Angepasster Blütenstand und Blühverlauf

Die Vorfahren dieser Pflanzen überlebten Kältezeiten in unterschiedlichen Refugien. Dabei sind genetisch fixierte Unterschiede zwischen Exemplaren in den Ostalpen und jenen in den Zentral- und Westalpen entstanden. Bei der Straussblütigen Glockenblume ist der Blütenstand jeweils anders aufgebaut, die Blüte verläuft unterschiedlich. Die Forscher halten dies für eine Anpassung an die unterschiedliche Dauer der Vegetationszeit: Je höher die Lage, desto kürzer die Vegetationsperiode und damit die Blühdauer.

Bei der Kriechenden Nelkenwurz haben Exemplare in den Westalpen deutlich mehr Ausläufer, dafür aber weniger Blüten als jene in den Ostalpen. Auch die Gliederung der Blätter unterscheidet sich. Dies zeige, dass Pflanzen anpassungsfähiger sind als bisher angenommen.

"Die Eiszeiten hatten insgesamt positive Auswirkungen auf die intraspezifische Biodiversität", erklärte Stöcklin. Die Fähigkeiten der untersuchten Pflanzen, sich genetisch an verändernde Umweltbedingungen anzupassen, seien beträchtlich. Die Ergebnisse seien wichtig, um die Auswirkungen von Klimaveränderungen auf Pflanzen besser zu verstehen. (APA/red, derStandard.at, 17.10.2013)

  • Je höher die Lage, desto kürzer die Vegetationsperiode der Straussblütigen Glockenblume.
    foto: jürg stöcklin

    Je höher die Lage, desto kürzer die Vegetationsperiode der Straussblütigen Glockenblume.

  • Bei der Kriechenden Nelkenwurz haben Exemplare in den Westalpen deutlich mehr Ausläufer, dafür aber weniger Blüten als in den Ostalpen.
    foto: jürg stöcklin

    Bei der Kriechenden Nelkenwurz haben Exemplare in den Westalpen deutlich mehr Ausläufer, dafür aber weniger Blüten als in den Ostalpen.

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