Südsteiermark: Zeitgeschichte für Steiger und Rutscher

18. Oktober 2013, 16:57
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Durch die abenteuerliche Heiliggeistklamm zu den schönsten Schauplätzen im hügeligen steirisch- slowenischen Weinland

In älteren Beschreibungen kommt die Heiliggeistklamm in der südlichsten Steiermark nicht gerade gut weg. Da ist die Rede von Dschungeln - bar jeglichen Reizes - und verwahrloster Landschaft. In einem alten Steigbuch steht: "Wir widmen dieses Buch allen Bergauf-Steigern und Bergab-Rutschern, allen Brennessel-Gebrannten und Dornen-Zerstochenen, allen ausgedörrten Kehlen und aufgeweichten Füßen - und natürlich jedem Puls über 180." Sicherlich, die Klamm ist sehr naturbelassen, aber gerade das macht sie ja so attraktiv und interessant.

Der kleine Bach in der Klamm muss mehrmals überquert werden, meist auf Trittsteinen, denn Stege fehlen. Das bringt einen Hauch von Abenteuer in die Wanderung, bei der es an Abwechslung keinen Mangel gibt. Das Gewässer dürfte einst allerdings eine stärkere Wasserführung gehabt haben, denn es trieb mehrere Mühlen an, von denen heute nur mehr Reste zu sehen sind.

Alle Hügel im Herbstkleid

Insbesondere die Aussicht vom Grenzkamm und von der bereits in Slowenien liegenden Wallfahrtskirche Sveti Duh lohnen die Mühen des Aufstiegs. Von diesen exponierten Lagen schaut man in die Hügellandschaft beiderseits der Grenze und erfreut sich derzeit auch an der herbstlichen Färbung der Wälder und Weingärten.

Die Wallfahrtskirche Sveti Duh, ein auffälliges und von allen Seiten gut sichtbares Bauwerk auf dem Osterberg, stammt aus dem frühen 18. Jahrhundert. Sie steht auf einem Höhenzug, auf dem zuvor bereits Sekten ihre Kultstätte hatten, was der kirchlichen Obrigkeit stets ein Dorn im Auge war. In der Gegenreformation hat man den Platz schließlich "christianisiert" und zu einem Wallfahrtsort umgemodelt.

Der Grenzverlauf spiegelt den Ausgang des Ersten Weltkriegs wider, denn die Trennlinie zwischen Österreich und Slowenien folgt keineswegs immer dem natürlichen Kammverlauf: Wichtige Aussichtspunkte, die zum Glück jegliche strategische Bedeutung verloren haben, gehören seit 1918 nicht mehr zu Österreich. Östlich von Sveti Duh liegt der südlichste Punkt der Steiermark.

Die Wanderung ist nicht besonders schwierig oder anstrengend, verlangt jedoch gutes Schuhwerk, denn in der Klamm kann es recht rutschig werden.

Die Wanderroute: Von der Spitzmühle südlich von Leutschach wandert man ein Stück auf der Straße in Richtung Obergueß, dann zweigt man nach links auf die grüne Markierung ab, die in die Heiliggeistklamm führt. Es geht fast in direkter Linie aufwärts, schließlich erreicht man die Grenze und gelangt auf einem kurzem Straßenmarsch nach Sveti Duh. Die Gehzeit beträgt 1½ Stunden.

Nun folgt man dem markierten Grenzweg nach Norden, passiert das Gehöft Krainz und verlässt später die Grenze nach rechts, um über die Häusergruppe Dobay zu einem Güterweg abzusteigen, auf dem man zum Ausgangspunkt Spitzmühle zurückkehrt. Gehzeit ab Sveti Duh 1¾ bis 2 Stunden. (Bernd Orfer, DER STANDARD, Album, 19.10.2013)

  • Die Wallfahrtskirche Sveti Duh auf dem Osterberg.
Info: Maribor Tourismus
    foto: bogdan zelnik/maribor-pohorje tourist board

    Die Wallfahrtskirche Sveti Duh auf dem Osterberg.

    Info: Maribor Tourismus

  • Gesamtgehzeit 3¼ bis 3½ Stunden, Höhendifferenz 600 m. Gasthaus in Sveti Duh. ÖK25V Blatt 4111-West (Arnfels), Maßstab 1:25.000; Karte "Rebenland Leutschach" Maßstab 1:25.000.
    grafik: der standard

    Gesamtgehzeit 3¼ bis 3½ Stunden, Höhendifferenz 600 m. Gasthaus in Sveti Duh. ÖK25V Blatt 4111-West (Arnfels), Maßstab 1:25.000; Karte "Rebenland Leutschach" Maßstab 1:25.000.

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