Frauen in der IT: Warum Marion Marschalek Malware mag

3. November 2013, 13:27
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Hackerin über die Vorzüge eines Informatikstudiums und warum so wenig Frauen in der IT arbeiten

Hätte Marion Marschalek vor zehn Jahren jemand gesagt, dass sie sich einmal für Reverse Engineering begeistern würde, sie hätte ihn ausgelacht. Heute schwärmt die 25-Jährige davon, wie faszinierend es sein kann, Maschinencode von Computerprogrammen bis auf das letzte Byte zu zerlegen und so der Funktionsweise von Malware auf die Schliche zu kommen.

Dieses Frühjahr gewann sie mit ihrem Analysebericht über eine Spionagesoftware mutmaßlich chinesischen Ursprungs die von IT-Sicherheitsexperte Thomas Dullien veranstaltete "Female-Reverse-Engineering-Challenge". Im August präsentierte sie auf der Hackerkonferenz Defcon in Las Vegas ihr Analyse-Papier. Dass unter den 400 Zuhörern so gut wie keine Frauen saßen – Marion Marschalek hat wie gewohnt darüber hinweg gesehen. In der IT-Branche dominieren nach wie vor Männer, je spezifischer das Aufgabengebiet, desto mehr.

Tretroller oder Barbiepuppe

Warum es so wenig Frauen in der Branche gibt? "Viele Frauen gehen ohne lang darüber nachzudenken davon aus, dass sie die Materie gar nicht interessieren kann", sagt Marschalek im Standard-Gespräch. Nicht unbeteiligt sei wohl auch der Einfluss der Familie: "Es macht schon einen Unterschied, ob man als Kind einen Tretroller oder eine Barbiepuppe geschenkt bekommt."

Oder man hat das Glück, einen großen Bruder zu haben. Denn im Fall von Marschalek hat dieser mit seinen coolen Elektrospielzeugen die Neugier seiner kleinen Schwester für Technik provoziert. Und als sie sich unsicher war, ob sie nach der Hauptschule eine Höhere Technische Lehranstalt besuchen soll und ihr Bruder sagte: Das schaffst du nie, wusste sie "jetzt erst recht".

Frage der Berufsaussichten

Ende 2011 schloss sie an der FH St. Pölten ihr Studium in IT-Security ab und heuerte kurz darauf beim Wiener Sicherheitsspezialisten Ikarus als Malware-Analystin an. "Ich bin schwer verliebt in den Job", sagt sie und streicht dabei mit der Hand leicht verlegen durch die langen Haare. "Mein Job ist abwechslungsreich, vielschichtig, sehr international und definitiv zukunftsträchtig", schwärmt sie. Und man finde sicher leichter einen gut bezahlten Job als mit einem Publizistikstudium. Daher kann sie es auch nicht verstehen, dass Frauen ein Studium beginnen, ohne sich über die Berufsaussichten Gedanken zu machen.

Braucht man für diesen Bereich aber nicht doch eine besondere Begabung? "Ob es mit Talent zu tun hat, kann ich nicht sagen. Es ist sehr viel Übungssache. Vielleicht wollen manche einfach nicht in diesen sauren Apfel beißen", meint die Tochter einer gelernten arbeitsmedizinischen Assistentin und eines Lkw-Fahrers.

"Die letzte, absolute Wahrheit"

Doch, halt, etwas sollte eine Frau, die sich in die Tiefen der Schadsoftware-Analyse und des Reverse Engineerings einlässt, schon mitbringen: Kampfgeist. Denn richtig fiese Malware widersetzt sich mit allen Mittel ihrer "Kunst" der Entschleierung. Kampfgeist zeigt Marschalek auch in ihrer Freizeit. Zwei Mal die Woche übt sie sich in Kyokushin, einer Karate-Stilrichtung, deren japanischer Name übersetzt so viel bedeutet wie "die letzte, absolute Wahrheit". (kat, derStandard.at)

  • Dringt in die Tiefen von Malware vor: Marion Marschalek
    foto: kat

    Dringt in die Tiefen von Malware vor: Marion Marschalek

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