Auf der Suche nach Exzellenz in Österreich

Kommentar der anderen16. Oktober 2013, 19:05
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Die wissenschaftliche Basisausbildung in Österreich ist sehr gut, der Weg in eine wissenschaftliche Karriere gut geebnet. Ein offener Brief aus Nordamerika zum offenen Brief der hiesigen Forschungsförderer

Vor wenigen Tagen ist in Los Angeles der zehnte Austrian Science Talk über die Bühne gegangen. In dessen Rahmen haben sich knapp 100 österreichische Wissenschafterinnen und Wissenschafter zu einem eintägigen Austausch untereinander und mit Vertretern des "offiziellen" Österreichs getroffen. Als Höhepunkt des Treffens galt der Vortrag des in Wien geborenen und von den Nazis vertriebenen Nobelpreisträgers Walter Kohn. Dieser hat, so wie sämtliche in Österreich geborene und noch lebende Nobelpreisträger (siehe Fotos links), seine wissenschaftliche Karriere den USA zu verdanken.

Als unabhängiger Verein der österreichischen Wissenschafterinnen und Wissenschafter in Nordamerika (Austrian Scientists and Scholars in North America, kurz ASciNA) war es uns eine besondere Freude, auch heuer wieder die vom Bundesministerium für Wissenschaft und Forschung gesponserten ASciNA Awards zu überreichen. Damit konnten wir zwei Forscherkollegen aus US-Spitzenlabors vor den Vorhang holen.

Forschungspreise

Diese mit jeweils 10.000 Euro dotierten Wissenschaftspreise werden jährlich an zwei österreichische Nachwuchswissenschafterinnen oder Wissenschafter für aktuelle Veröffentlichungen vergeben, die im Rahmen ihres Forschungsaufenthalts in Nordamerika entstanden sind. Der erstmals 2008 verliehene und daher noch recht junge Forschungspreis beweist eindrücklich, dass österreichische Forscherinnen und Forscher in Nordamerika im absoluten Spitzenfeld zu finden sind. So erschienen die ausgezeichneten Arbeiten durchwegs in Topjournalen wie Nature und Science. Mit den beiden aktuellen Preisträgern, dem Transplantationschirurgen Harald Ott (Harvard University) und dem Physiker Michael Grünwald (University of California Berkeley), zeigt sich eindrücklich, welche Spitzenkarrieren durch eine fundierte Ausbildung in Österreich, gefolgt von idealen Forschungsbedingungen an US-Universitäten, möglich sind.

Zurück nach Österreich?

Nicht nur im Rahmen des alljährlich ausgerichteten Austrian Science Talks richten Vertreter von heimischen Ministerien sowie Forschungseinrichtungen immer wieder die Frage an uns: "Was müsste sich ändern, um Euch eine Rückkehr nach Österreich schmackhafter zu machen?" Viele Mitglieder des ASciNA Netzwerks sind nach Nordamerika ausgewandert, da hier die Forschungslandschaft in ihren Spezialfeldern auf höchstem Niveau angesiedelt ist. Dies hat weniger mit Lokalität zu tun als mit den verfügbaren finanziellen Ressourcen und der Chance, sich in einem kompetitiven Feld behaupten zu können.

Wenn eine Rückkehr erwogen wird, stellt die "Heimat" sicher einen gewissen emotionellen Beweggrund dar, viel mehr zähle jedoch das Bekenntnis einer Institution, Spitzenforschung zu ermöglichen, zu fördern aber auch zu verlangen. Insbesondere im Lichte einer nachrückenden "Generation Y" an Wissenschafterinnen und Wissenschaftern, die sich durch die Bereitschaft zur Mobilität und der Suche nach optimalen Arbeitsumfeldern jenseits von Staatsgrenzen auszeichnet.

Um im internationalen Kräftespiel der führenden Forschungsinstitutionen mitspielen zu können, bedarf es eines flexiblen, leistungsorientierten und budgetär ausreichend ausgestatteten wissenschaftlichen Arbeitsumfelds. Wie die Exzellenzinitiative der deutschen Bundesregierung gezeigt hat, kann man durch den Anspruch auf und die dadurch verbundene Investition in Exzellenzforschung international zum Magneten für Spitzenkräfte werden.

Es zeigt aber auch, wie die "Karawane weiterzieht", sobald der Status eines Exzellenzstandorts wieder verlorengeht. Auf Österreich umgelegt, ist das unbedingte Bekenntnis zu Exzellenz in Wissenschaft und Forschung - auch abseits der als "Elite" definierten Forschungseinrichtungen wie dem Institute of Science and Technology Austria - ein absolutes Muss. Das gilt besonders für die Forschungsfinanzierung und öffentliche Forschungsinstitutionen, wie es die Universitäten sind.

Als in Nordamerika forschende Österreicherinnen und Österreicher erlauben wir uns daher, anlässlich der laufenden Regierungsverhandlungen an diesen Anspruch auf Exzellenzforschung zu erinnern. Aufbauend auf eine weitgehend hervorragende universitäre Basisausbildung und Programme zum Start einer wissenschaftlichen Karriere (z. B. Erwin-Schrödinger-Stipendium des Fonds zur Förderung der wissenschaftlichen Forschung, kurz FWF) sollte es daher von höchster politischer Priorität sein, dass Österreich seinen Status als attraktiver und kompetitiver Forschungsstandort nicht verliert, ja weiter ausbaut.

Um insbesondere im Bereich der Grundlagenwissenschaften kompetitiv zu bleiben, unterstützen wir als ASciNA daher ausdrücklich den offenen Brief des FWF-Kuratoriums und unterstreichen die darin formulierte Notwendigkeit, das Budget des FWF bis 2020 zumindest zu verdoppeln. Nur dann kann das von der Bundesregierung selbst gesteckte Ziel einer Erhöhung der Forschungs- und Entwicklungsquote auf 3,76 Prozent sowie der Aufschluss Österreichs in die Gruppe der "Innovation Leader" auch tatsächlich erreicht werden.

Innovation stützt sich auf Erkenntnisse der Grundlagenforschung, wo insbesondere vorrangige US-Institutionen eindrucksvoll demonstrieren, wie Technologien des Alltags direkt aus Erkenntnissen der Universitäten entwickelt werden. Daher ist die Investition in Grundlagenforschung nicht Luxus, sondern eine notwendige Maßnahme, um auch in Zukunft in einem globalisierten Markt konkurrenzfähig zu bleiben.

Als Wissenschafterinnen und Wissenschafter, die aus der Heimat ausgezogen sind und sich an führenden nordamerikanischen Forschungsinstitutionen tagtäglich dem internationalen Wissenschaftswettbewerb stellen, wünschen wir uns, dass Österreichs Wissenschaft auch in Zukunft die notwendige Unterstützung erfährt, um exzellente Akademikerinnen und Akademiker auszubilden, exzellente Wissenschaft weiterzuführen und um Österreichs wissenschaftlichen Output weiter zu erhöhen, sodass Nobelpreise in Zukunft auch in Österreich erreichbar sind. (Hubert Zajicek, DER STANDARD, 17.10.2013)


Hubert Zajicek ist Präsident der "Austrian Scientists in North America". Er ist Mediziner, Unternehmer und lebt in Dallas, Texas.

  • Nobelpreisträger, die in Österreich gern "für uns" reklamiert werden (von oben): Martin Karplus (Chemie, 2013), Eric Kandel (Medizin, 2000) und Walter Kohn (Physik, 1998).
    foto: ap/josh reynolds

    Nobelpreisträger, die in Österreich gern "für uns" reklamiert werden (von oben): Martin Karplus (Chemie, 2013), Eric Kandel (Medizin, 2000) und Walter Kohn (Physik, 1998).

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  • Hubert Zajicek: Nobelpreise müssen erreichbar sein.
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    Hubert Zajicek: Nobelpreise müssen erreichbar sein.

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