Vom Deutungszwang befreit

16. Oktober 2013, 18:10
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Arbeiten von Jakob Gasteiger in der Galerie am Stein

Schärding – Jakob Gasteiger verbannte bereits vor Jahren das Persönliche, Spontane aus seinen Bildern zugunsten einer Malerei als analytischer, seriell ausgeführter Handlung. Seine Arbeiten verbergen nichts, das zu entdecken und zu dechiffrieren wäre. Sie wurden erzeugt, nun sind sie. Bereits vor über 30 Jahren entledigte sich der heute 60-jährige Künstler eines ikonografischen Anspruchs. Gerade dieses Deutungsfreie verleiht seinen Bildern allerdings einen hohen Wiederkennungseffekt. 

Bereits in den 1980er-Jahren, als Kollegen sich als Neue Wilde positionierten, war Gasteiger eher einer konkreten Malerei verpflichtet. Seither untersucht Gasteiger eher analytisch die Grenzen zwischen Grafik und Malerei sowie zwischen Malerei und Skulptur. Statt eines Pinsel führt Gasteiger die Kammspachtel durch die zuvor auf Leinwand aufgetragene dicke Farbpaste: Rillen, Höhen und Vertiefungen entstehen. Die Leinwand wird von einem Informations- zu einem reinen Bildträger. 

In Gasteigers Arbeiten ist "die faktisch objekthafte Wirklichkeit des Kunstwerks, ein artifiziell geschaffenes Ding unter anderen Dingen und kein Mediator inhaltlicher, illusionärer oder metaphysischer Informationen"  zentral, schreibt Kunsthistoriker Florian Steininger. 

Monika Perzl zeigt in der Galerie am Stein neben einer Auswahl dieser Leinwandarbeiten auch Aluminiumgüsse und Arbeiten auf Papier. Mit denen beschäftigt sich Gasteiger seit mittlerweile 20 Jahren, ent­wickelt und erweitert diese Technik des Papier-auf-Leinwand-Aufbringens. Zumeist ist es Kohlepapier, das mit der aufgetragenen Farbe entweder verschmilzt, sich von ihr abhebt oder in sie einschreibt. Auch hier ist ein forschender Zugang spürbar. 

Gasteiger hat nun diese Art des Arbeitens erstmals verräumlicht: Im Rahmen der Ausstellung Personal Structures (bis 24. 11.) auf der Biennale Venedig gestaltete er die Wände eines Raums im Palazzo Bembo und erzeugte so eine schwere, massive Raumwirkung. Das in Farbe getränkte Papier, das auf die Wände geklebt wurde, rann während des Trocknens in kleinen Rinnsalen an der Wand und schließlich auf den Boden weiter – Spuren, die Gasteiger bewusst beließ. (Wiltrud Hackl, DER STANDARD, 17.10.2013)

Bis 21. 12., Galerie am Stein
Lamprechtstraße 16, 4780 Schärding

Link

www.kunstnet.at/galerieamstein

  • Arbeiten von Jakob Gasteiger in seinem Atelier.
    foto: gasteiger

    Arbeiten von Jakob Gasteiger in seinem Atelier.

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