Lauter als die Kinder selbst

16. Oktober 2013, 16:08
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Angehende Kindergartenpädagogen kämpfen für die Beibehaltung des fünfjährigen Ausbildungsmodells

Wien - Während der Großteil der Kinder bereits schläft, sind es heute die angehenden Kindergartenpädagogen, die laut werden. Wer Freitagabend in der inneren Stadt unterwegs war, traf möglicherweise einen wütenden Mob an Schülern, die mit regengetränkten Transparenten und klitschnassen Schuhen von ihrem Demonstrationsrecht Gebrauch machten, an. Doch warum die Aufregung?

Die Bundeslehranstalt für Kindergartenpädagoginnen (Bakip) im 21. Bezirk soll ab nächstem Schuljahr keine neuen Schülerinnen und Schüler mehr aufnehmen. Die fünfjährige Ausbildungsform soll aufgelassen werden und die Schule sich künftig nur noch auf Erwachsenenbildung konzentrieren. Gefordert wird dies vor allem von der Magistratsabteilung (MA) 10, die beklagt, dass zu wenige der Absolventen tatsächlich im Dienste der städtischen Kindergärten bleiben. Mittels Zurückschrauben auf ein dreijähriges Ausbildungskonzept für Schüler ab 18, das den Abschluss als pädagogischen Assistenten zum Ziel hat, soll die vertragliche Bindung an die Stadt reibungslos ablaufen.

Über die geplante Änderung sichtlich empört veranstalten die angehenden Kindergartenpädagogen bereits die zweite Demonstration. "Die Regierung redet ständig davon, wie wichtig es sei, die Frühförderung in den Kindergärten voranzutreiben. Wie soll denn das bewerkstelligt werden, wenn es keine entsprechenden Pädagogen mehr gibt?", äußert sich ein betroffener Schüler. "SOS - Schüler ohne Stimme?" prangt groß auf dem Transparent, das er stolz dem grauen Himmel entgegenstreckt.

Wer genau hinblickt, erkennt unter den Demonstranten auch einige besorgte Lehrer. "Für mich ist das ein Rückschritt in der Geschichte. Wir haben lange dafür gekämpft, die Maturaform in der Bakip zu etablieren", kommentiert eine aufgebrachte Lehrkraft die drohende Umstellung. "Was jetzt als neu verkauft wird, existiert bereits. Die Bakip 21 bildet seit 2008 parallel Erwachsene aus, was allerdings nie großen Zuspruch fand", sagt die Lehrerin.

Motiviert sich zu wehren sind vor allem die Neulinge an der Bakip, die am meisten mit den Konsequenzen der Umstellung zu kämpfen haben. Schließen sie ihr erstes Jahr negativ ab, bliebe nur ein Schulwechsel. Die nächstgelegenen Bakips sind aber privat und oft überlaufen.

Ob der Protest mit Erfolg rechnen kann, bleibt fraglich. Die MA 10 hält bislang an ihren Plänen, die fünfjährige Ausbildung auslaufen zu lassen, fest.

Veranstalterin Chiara Matheis, die derzeit die dritte Klasse besucht, setzt bei der Planung weiterer Aktionen besonders auf den internen Zusammenhalt: "Die Bakip war und ist für viele Schüler mehr als nur Schule. Wir sehen uns als Gemeinschaft, die durch die heutige Demonstration noch ein Stückchen mehr zusammengewachsen ist." (Stefan Mayer, DER STANDARD, 16.10.2013)

Stefan Mayer ist Schüler der Bakip 21

  • "Wir sind hier, wir sind laut, weil man uns die Bildung klaut", war eine der Parolen bei der Demonstration am Freitagabend.
    foto: standard/mathis

    "Wir sind hier, wir sind laut, weil man uns die Bildung klaut", war eine der Parolen bei der Demonstration am Freitagabend.

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