Nonnen wollen Mayerling retten

16. Oktober 2013, 11:55
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Karmelitinnen sammeln Geld für jenes Areal im Bezirk Baden, auf dem sich Rudolf das Leben nahm. Die Zeit allerdings drängt

Alland - Priorin Mutter Regina spricht zaghaft, bis ihre Stimme nach und nach an Sicherheit gewinnt. Medienumgang ist die Ordensschwester nicht gewöhnt. Im Karmel Mayerling, wo sie mit neun weiteren Karmelitinnen lebt, flimmern auch keine Fernseher, es rauschen keine Radios und rascheln keine Zeitungen. Die 47-jährige Leiterin des Klosters in der Gemeinde Alland im Bezirk Baden dürfte es einige Überwindung gekostet haben, mit ihrem Anliegen an die Öffentlichkeit zu gehen. Doch die Zeit drängt.

Das ehemalige Jagdschloss Mayerling, in dem Kronprinz Rudolf seiner Geliebten Mary Vetsera und sich selbst das Leben nahm (wobei nach wie vor auch andere Versionen darüber kursieren), muss renoviert werden. Kaiser Franz Joseph ließ an dem Ort nach der Tat vom 30. Jänner 1889 noch im selben Jahr ein Kloster errichten, in das dann die Karmelitinnen einzogen. In der Kapelle, die an jener Stelle gebaut wurde, wo das Schlafzimmer des Kronprinzen gelegen war, bröckelt der Verputz von den feuchten Wänden. Es gibt auf dem Areal keine Toiletten, Kanalisation und Wasserleitungen sind 124 Jahre alt, der unübersichtliche Parkplatz wird regelmäßig von Bussen zugeparkt - und die Besucherzahlen sinken.

Sinkende Besucherzahlen

"Das passt nicht zusammen damit, was für ein historischer Ort das ist", sagt Priorin Mutter Regina. Ungefähr 40.000 Besucher kämen im Jahr, so schätzen die ehrenamtlichen Mitarbeiterinnen des Hauses, die die Touristenführungen machen. Doch immer mehr würden sich mit einem Foto von außen zufriedengeben, Geld durch Eintritte (je drei Euro), auf das die Nonnen für die Instandhaltung angewiesen sind, komme immer weniger zusammen.

Im Mai erfuhr Landeshauptmann Erwin Pröll (VP) von den Problemen und sicherte den Nonnen zu, dass das Land Niederösterreich die Hälfte der Um- und teilweise Neubaukosten übernehmen werde. Diese belaufen sich - nach einigen danach erfolgten Anpassungen der Pläne - inzwischen auf insgesamt 1,6 Millionen Euro, von denen also 800.000 Euro die Nonnen zahlen sollen. "Das ist viel Geld", sagt die Priorin.

Besucherzentrum mit WCs

Ein modernes Besucherzentrum am Eingang zum Areal soll errichtet, der Parkplatz umgestaltet werden, zudem sollen WCs installiert werden. Und die Ausstellung in den verbliebenen Wohnräumen des ehemaligen Jagdschlosses, das Rudolf 1886 vom nahegelegenen Stift Heiligenkreuz erworben hat, soll überarbeitet werden. In den Räumen finden sich Schautafeln mit Bildern, ein paar Originalmöbel sowie ein Sarkophag, in dem der Leichnam von Mary Vetsera einst gelegen war und der aufgebrochen worden ist.

Den gemeinsamen Tod des Kronprinzen und der 17-jährigen Komtesse hatte der Wiener Hof mit allen Mitteln zu vertuschen versucht. Bis heute fehlen Dokumente über die Todesumstände der beiden; auch dadurch entstandene Spekulationen soll die Schau künftig thematisieren. Im Frühjahr 2014 sollen die Umbauarbeiten beginnen.

Beten im Auftrag des Kaisers

"Die Gäste haben heute ganz andere Ansprüche, man muss ihnen mehr bieten", sagt Priorin Regina. Sie ist vor 23 Jahren in den Orden eingetreten. "Die Geschichte Mayerlings ist auch zu meiner Geschichte geworden", sagt sie. Die Schwestern leben noch heute im Sinne des Auftrags, den ihnen einst der Kaiser erteilte, wie die Priorin sagt. Das sei: "Für Menschen in Not zu beten." Franz Joseph sicherte den Karmelitinnen damals zu, für sie zu sorgen. Doch ein Stiftungsvermögen gibt es laut Priorin Regina nicht. "Wir hoffen auf ein paar Großspender und viele kleine Spenden", sagt die Nonne - und spricht dabei schon etwas weniger zögerlich. (Gudrun Springer, DER STANDARD, 16.10.2013)

  • Priorin Mutter Regina vor der Kapelle von Mayerling, die dort errichtet wurde, wo Rudolfs Schlafzimmer gelegen war. 
    foto: fischer/der standard

    Priorin Mutter Regina vor der Kapelle von Mayerling, die dort errichtet wurde, wo Rudolfs Schlafzimmer gelegen war. 

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