Restitution von Klimts "Beethovenfries" beantragt

16. Oktober 2013, 08:56
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Sammlerfamilie Lederer legt zwei neue Rechtsgutachten vor - Novelle des Kunstrückgabegesetzes 2009 schaffe "nunmehr alle Voraussetzungen" für Rückgabe

Wien - Erben der österreichisch-jüdischen Sammlerfamilie Lederer haben am Dienstag beim österreichischen Kulturministerium einen Antrag auf Restitution des berühmten "Beethovenfrieses" von Gustav Klimt eingebracht. Einen entsprechenden Bericht der "New York Times" bestätigte Mittwochfrüh Marc Weber, der Rechtsvertreter des in der Schweiz ansässigen Teils der Erbengemeinschaft. Der Wandfries, ein Hauptwerk des Wiener Jugendstil, das 1902 in der Secession erstmals gezeigt wurde und dort nach einer wechselvollen Aufbewahrungsgeschichte heute in einem eigens dafür geschaffenen Raum zu sehen ist, war 1973 von der Republik Österreich erworben worden. Laut zwei unabhängigen Rechtsgutachten lägen nach einer Novelle des österreichischen Kunstrückgabegesetzes 2009 "nunmehr alle Voraussetzungen vor, um den Beethovenfries zurückzugeben", so Weber.

Laut "New York Times" war der Fries von Österreich um 750.000 Dollar erworben worden, zur Hälfte des damals vom Auktionshaus Christie's geschätzten Preises. "Nach der jetzigen Gesetzesfassung ist es möglich, Kunstwerke zu restituieren, die im Zusammenhang mit einem Verfahren nach dem Ausfuhrverbotsgesetz - egal zu welchem Preis - an den Staat verkauft wurden. Genau das war beim Beethovenfries der Fall. Österreich kann damit nach einem Dreivierteljahrhundert ein immer noch bestehendes Unrecht endgültig beseitigen", argumentiert Weber. Am Donnerstag sollen im Rahmen einer Pressekonferenz um 10.30 Uhr im Wiener Café Landtmann weitere Details der Restitutionsforderung bekanntgegeben werden.

Indessen betreiben nicht nur die in der Schweiz ansässigen Erben der Familie Lederer, sondern auch weitere Erben der Familie die Restitution des "Beethovenfries". Wie der Wiener Anwalt Alfred Noll am Mittwoch in einer Aussendung erklärte, vertrete er die Mehrheit der Erben - und werde seinen Antrag, zu dem unter anderem ein Gutachten der Provenienzforscherin Sophie Lillie vorliege, ebenfalls noch im Herbst mit dem neu zu ernennenden zuständigen Minister besprechen. Noll bedauerte, "dass die Auseinandersetzung über die Zukunft des Beethovenfries in der Öffentlichkeit ausgetragen" werde.

Rückgabe bereits früher abgelehnt

Die Rückgabe des "Beethovenfrieses" wurde bereits früher behandelt - und abgelehnt. Seither hat sich die gesetzliche Lage in Österreich allerdings geändert: Mit der Novelle des Restitutionsgesetzes im Jahr 2009 können auch solche Kunstwerke zurückgegeben werden, die Österreich den ursprünglichen Besitzern abgekauft hat. Die Höhe des Kaufpreises spielt dabei keine Rolle - sondern nur der Umstand, ob es sich um eines der in den Nachkriegsjahren üblichen Gegengeschäfte mit einer Ausfuhrgenehmigung für andere zurückgegebene Kunstwerke handelte.

"Vor 2009 konnte nichts zurückgegeben werden, wofür Geld geflossen ist", erklärt Eva Blimlinger, die wissenschaftliche Koordinatorin der Kommission für Provenienzforschung und Rektorin der Universität für bildende Kunst. "Hier geht es um den engen zeitlichen Zusammenhang mit einem Ausfuhrgenehmigungsverfahren, auch wenn zusätzlich bezahlt wurde. Die Höhe der Summe ist egal, sie muss im Fall einer Restitution allerdings zurückgezahlt werden." Seit 2009 hat es bereits mehrere Fälle gegeben, wo die neuen Bestimmungen angewendet wurden, aber auch solche, wo der Beirat dennoch negativ beschieden hat.

Dass der Verkauf nicht aus freien Stücken erfolgte, erschien dem Kunstrückgabebeirat bei einer Entscheidung über die in der NS-Zeit geraubten Bestände der Kunstsammlung Lederer im Jahr 1999 nicht klar bewiesen. Während zahlreiche Werke restituiert wurden - ein Ölgemälde von Gentile Bellini, mehrere Aquarelle von Moritz von Schwind sowie eine Reihe von Papierarbeiten von Egon Schiele -, hieß es in der Begründung über das Klimt-Fries unter anderem, dass eine im Jahr 1985 erfolgte Schenkung von 14 Studien zum "Beethovenfries" durch Elisabeth Lederer bzw. deren Legat zugunsten der Albertina im Jahr 1989 "volles Einverständnis der Familie Lederer mit dem 1973 erfolgten Kaufvertrag über den Fries" nahelegen würden.

Preis kein Argument mehr

Ebenfalls als Grund genannt wurde allerdings jener Umstand, der sich mit der Novelle zum Teil verändert hat - der Beirat kam damals zu der Ansicht, "dass der 'Beethovenfries' von Gustav Klimt nicht einer Restitution unterliegen kann", da dieses Kunstwerk erst 1973 um "einen damals durchaus angemessenen Preis angekauft wurde". Dieser Preis - laut Angaben der "New York Times" handelte es sich um 750.000 Dollar, die Hälfte des damaligen Schätzwertes - wäre nach der Novelle kein Argument mehr. Für den Anwalt der Erben, Marc Weber, ist der Fries aufgrund seiner hohen Prominenz "das beste Beispiel, um zu sehen, ob das Gesetz funktioniert", wie er in der US-Zeitung erklärt.

Was den Zusammenhang mit einer Ausfuhrgenehmigung betrifft, dürften seit 1999 auch zahlreiche neue Quellen dazugekommen sein, wie Blimlinger erklärt. "Es ist immer hilfreich, wenn die Erben noch etwas gefunden haben, das bei uns fehlt." Die Kommission werde nun alle Materialien in einem Dossier zusammentragen, der Beirat werde dann "seriös prüfen". Mit einem Ergebnis der Untersuchung sei nicht vor dem Sommer des nächsten Jahres zu rechnen. Kulturministerin Claudia Schmied (SPÖ) wollte zu der Causa am Mittwoch noch nicht Stellung nehmen. Es lägen derzeit noch keinerlei schriftliche Unterlagen vor, erklärte ihr Sprecher. (APA, 16.10.2013)

  • Das Bild "Beethovenfries" wurde im Vorjahr im Rahmen der Ausstellung "150 Jahre Gustav Klimt" in der Österreichischen Galerie Belvedere präsentiert.
    foto: apa/schlager

    Das Bild "Beethovenfries" wurde im Vorjahr im Rahmen der Ausstellung "150 Jahre Gustav Klimt" in der Österreichischen Galerie Belvedere präsentiert.

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