Die Wahrheit der Liste

16. Oktober 2013, 07:00
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Die "Frauen*Forscherin" gibt einen Überblick über alle feministischen Lehrveranstaltungen an den Wiener Unis - Das ist auch für Nicht-Studentinnen interessant

Die neue "Frauen*Forscherin" ist da. 320 Seiten schwer ist das kommentierte Vorlesungsverzeichnis, das Bildende, Angewandte, Boku, Meduni, Darstellende, TU, Uni Wien und WU rechtzeitig zum Semesterbeginn unter die Lupe nimmt. Ziel ist es, möglichst alle Lehrveranstaltungen an den genannten Universitäten, die sich mit frauen- und geschlechterspezifischen Themen auseinandersetzen, übersichtlich aufzulisten.

Das ist den Herausgeberinnen, dem Kollektiv Frauen*referat gelungen. "Wir sind uns dessen bewusst, dass es auf Grund der Bolognaumstellung immer schwieriger wird, Lehrveranstaltungen frei zu wählen und daran teilzunehmen", schreiben sie im Vorwort. Trotzdem sei es ein Anliegen, Feminismus an den Unis sichtbarer zu machen. Und wahrlich, selbst mit dem simplen Mittel der Aufzählung, lässt sich einiges illustrieren.

So werden im Wintersemester 2013 an der Universität für Bodenkultur etwa ganze zwei Lehrveranstaltungen zum Thema angeboten: "Frauen in der bäuerlichen Garten- und Landwirtschaft" sowie "Gender und Diversity Aspekte in Planung und Berufsleben", zweitere ist allerdings erst für das Ende des Studiums vorgesehen.

Ringvorlesung

An der Medizinischen Universität Wien werden immerhin 26 Angebote zum Thema gemacht, darunter "Eine von Fünf – Gesundheit und Gewalt im sozialen Nahraum". Mindestens eine von fünf Frauen wird im Laufe ihres Lebens Opfer von häuslicher Gewalt, oft sind Mitarbeiterinnen aus dem Gesundheitsbereich die ersten und einzigen Ansprechpersonen für die Opfer. An sieben Vorlesungstagen werden Expertinnen aus Wissenschaft und Praxis über Ursachen und Hintergründe berichten. Da es sich dabei um eine interdisziplinäre Ringvorlesung handelt, ist diese auch für Nicht-Medizinerinnen und Nicht-Studentinnen zugänglich.

Gender und Technik

Obwohl sich die Technische Universität Wien darum bemüht, den Frauenanteil in den sogenannten MINT-Fächern zu heben, finden sich unter ihren Lehrveranstaltungen gerade einmal zwei Angebote mit Genderbezug: "Was hat Gender mit dem Technikstudium zu tun" und "House Rules House Rules", eine Vorlesung, die die "Mikrostrukturen der Macht" erkunden will.

Spitzenreiter

An der Katholischen Theologie werden immerhin vier Veranstaltungen mit Geschlechterbezug abgehalten, an der Soziologie neun. Absoluter Spitzenreiter ist die Orientalistik, Afrikanistik, Indologie und Tibetologie mit insgesamt 18 Lehrveranstaltungen. Die Liste ließe sich noch fortsetzen, endet aber hier, weil es darum geht, exemplarisch aufzuzeigen, wie es um Genderfragen in den einzelnen Fachrichtungen bestellt ist. Dies ist natürlich eine rein quantitative, keine qualitative Wertung.

Darüber hinaus bietet die "Frauen*Forscherin" einen Überblick über wichtige Anlaufstellen an den Unis, Queere-Feministische Projekte und Initiativen sowie einen Leseteil zum Thema "Klasse". Damit ist sie sicher auch für alle interessierten Nicht-StudentInnen ein Gewinn. Einziger Nachteil: es gibt sie nicht online. Sie liegt an allen genannten Universitäten zur freien Entnahme auf. (Tanja Paar, dieStandard.at, 16.10.2013)

  • Durchgeblättert: Die neue "Frauen*forscherin".
    foto: frauenforscherin 2013/14

    Durchgeblättert: Die neue "Frauen*forscherin".

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