Fledermäuse mit Megafon

16. Oktober 2013, 01:01
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Die Haftscheibenfledermaus ist das einzige Tier, das einen Trichter zur Kommunikation über weite Strecken benützt - Allerdings kommt die Information nicht immer richtig an

Tiere kommunizieren so wie Menschen auf alle möglichen Arten und Weisen: Sie senden optische oder olfaktorische Signale aus, besonders weit verbreitet ist die akustische Verständigung. Ein Problem dabei ist, dass diese Laute mit zunehmender Distanz immer leiser werden und von den Empfängern nicht mehr richtig wahrgenommen und interpretiert werden können.

Viele Tiere haben deshalb Strategien entwickelt, um dieses Problem zu umgehen: Sie senden ihre Töne zum Beispiel nur dann aus, wenn es möglich wenig Störgeräusche gibt, sie kommunizieren mit besonders tiefen Tönen (wie etwa Elefanten und Wale), die kilometerweit zu hören sind, oder sie stoßen ihre Geräusche in Hohlräumen aus, die als Verstärker fungieren.

Einen besonderen Kommunikationstrick wendet eine Unterart der Amerikanischen Haftscheibenfledermaus an, wie die Zoologinnen Gloriana Chaverri und Erin Gillam in den "Proceedings B" der britischen Royal Society berichten: Neben dem Menschen sei diese Fledermausart, die statt Füße Haftscheiben besitzt, das einzige Lebewesen des Planeten, das natürliche Sprachrohre als Schallverstärker benütze.

Megafon und Nachtquartier zugleich

Konkret handelt es sich bei den Megafonen um die trichterförmig eingerollten Blätter bestimmter Helikonien und Pfeilwurzgewächse, die den kleinen Fledermäusen zugleich auch als Nachtquartiere dienen. Wie die beiden Zoologinnen aus Costa Rica und North Dakota dokumentieren konnten, werden die ausgestoßenen Töne durch die Trichter erheblich verstärkt.

Das Megafon birgt allerdings auch ein Problem: Sowohl die ausgehenden wie auch die eingehenden Laute verändern sich in der Tonhöhe, weshalb die Nachrichten von innerhalb wie außerhalb der Blätter nicht immer die richtigen Empfänger erreichen. (Klaus Taschwer, DER STANDARD, 16.10.2013)

  • Eine Amerikanische Haftscheibenfledermaus schreit in ihrem "Sprachrohr", einem eingerollten Blatt. Der natürliche Schalltrichter dient den Tieren zugleich als Schlafstätte.
    foto: sébastien puechmaille

    Eine Amerikanische Haftscheibenfledermaus schreit in ihrem "Sprachrohr", einem eingerollten Blatt. Der natürliche Schalltrichter dient den Tieren zugleich als Schlafstätte.

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