Vaterlose Generation

15. Oktober 2013, 20:13
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Studie erhebt psychische Folgen für Besatzungskinder

Schweigen, Lügen, eine schwere Kindheit: Das prägt die Biografien der meisten sogenannten Besatzungskinder. Sie wurden bei Vergewaltigungen gezeugt gingen aus Liebesbeziehungen zwischen einheimischen Frauen und Soldaten aus den Besatzungsarmeen hervor. Schätzungen gehen aber von mindestens 20.000 Kindern allein in Österreich aus.

Mütter, die sich mit dem "Feind" eingelassen hatten, und ihre Kinder, zumal unehelich, waren häufig Anfeindungen ausgesetzt. Die Väter blieben meist unbekannt, wurden verschwiegen, hatten sich längst aus dem Staub gemacht oder mussten in ihre Heimat zurückkehren. Viele der Kinder wuchsen auch fern der Mutter auf. Wie sie mit diesen Erfahrungen zurechtkamen und wie sich diese Eindrücke auf die Identitätsentwicklung und das psychische Befinden auswirkten, untersucht nun eine Studie des Ludwig-Boltzmann-Instituts (LBI) für Kriegsfolgenforschung in Graz gemeinsam mit der Universität Leipzig.

"Letzte Woche haben wir Betroffene aufgerufen, sich bei uns zu melden, und am Montag haben sich schon fast 50 Personen gemeldet", berichtet die Historikerin Barbara Stelzl-Marx, die sich seit Jahren mit der Aufarbeitung der lange tabuisierten "Kinder des Krieges" befasst. "Das zeigt, dass das Thema nach wie vor Aktualität hat." Mithilfe der Studie soll den Besatzungskindern eine Stimme gegeben werden und ihre Lebenssituationen erstmals systematisch analysiert werden, sagt Stelzl-Marx. Nicht zuletzt könnten die Erkenntnisse helfen, die Situation von Besatzungskindern in aktuellen Krisengebieten zu verbessern. (kri)

p Betroffene, die an der schriftlichen Befragung teilnehmen möchten, können sich am LBI für Kriegsfolgenforschung melden, die Auswertung der Daten wird anonymisiert. Tel. 0316/82 25 00 oder bik-graz@bik.ac.at. Kinder von afroamerikanischen GIs sucht auch das Projekt "Lost in Administration" unter afroaustria.at. (DER STANDARD, 16.10.2013)

  • Seltene Begegnung: sowjetischer Soldat mit Kind.

    Seltene Begegnung: sowjetischer Soldat mit Kind.

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