"Warhol Basquiat": Rauch und Rausch der Kollaboration

15. Oktober 2013, 18:28
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Die intensiven, oft von lustigen Zigaretten vernebelten Kollaborationen von Andy Warhol und dem 32 Jahre jüngeren Jean-Michel Basquiat stehen im Zentrum der Ausstellung

Wien - 1982 war ein gutes Jahr für Jean-Michel Basquiat: Angesehene Galerien in Soho, Los Angeles und Zürich zeigten die ungestümen Bilder des afroamerikanischen, rebellischen Autodidakten, der im gleichen Jahr auch an der Documenta in Kassel teilnahm. Trotzdem fand der 22-jährige expressive Shootingstar auch noch Muße für eine Ausstellung in der New Yorker, ganz auf Graffiti spezialisierten Fun Gallery.

Man kann das als Bekenntnis seiner Wurzeln bewerten, Basquiat sagte aber trotzdem: "Ich bin kein Teil der Graffitikunst". Er entzog sich Versuchen, ihn zu fassen, ihm den Stempel des schwarzen Neoexpressionisten im farbbespritzten Designeranzug oder eines Malerstars aus dem Graffiti-Ghetto aufzudrücken. Fragte man ihn, was sein Medium sei, antworte er gern: "Extra Large".

An Hauswänden erprobt, meisterte er mühelos die große Leinwand, bearbeitete sie im Stehen und bewahrte sich Spontaneität und Schnelligkeit, die beim Hantieren mit Spraydose im öffentlichen Raum unerlässlich sind. Blitzschnell füllen Figuren, Masken, Piktogramme und Wörter seine Bilder; dazwischen setzt er Farbflächen und ungelenke Striche, manches streicht er durch.

Basquiats rasantes Malen machte sogar Andy Warhol, dem die Siebdrucktechnik zur Hochgeschwindigkeitsproduktion verholfen hatte, neidisch. Man schrieb das Jahr 1982 und Galerist Bruno Bischofberger hatte den jungen Aufsteiger in die Factory gebracht, wo Warhol, etabliert und längst Legende ein Porträt von Basquiat anfertigen sollte. Noch bevor er beginnen konnte, präsentierte der Jüngere bereits ein fertiges Doppelbildnis.

Basquiat hatte Eindruck hinterlassen und so war Bischofberger auch mit seiner Anregung zu gemeinschaftlichem Arbeiten - zunächst mit Francesco Clemente - erfolgreich. Während 2012 in der Bonner Bundeskunsthalle diese Ménage à trois im Fokus stand, ist es nun eine abgespeckte Version, die den intensiven Dialog zwischen Warhol und Basquiat zwischen 1983 und 1985 behandelt. Die Logos, die der Pop-Artist mit Schablone aufbrachte, übermalte Basquiat mit roher Geste, setzte wilde Striche, grimassierende Köpfe. Ein sportlicher Kampf eines "Besessenen" und eines "Workaholics" auf der Leinwand, der beiden neue Impulse brachte: Basquiat entdeckte den Siebdruck für sich und durchbrach Warhols Routine, der sich wiederum das händische Malen zurückeroberte.

Ebenso wie in Bonn widmet man auch in Wien den individuellen Karrieren eigene Räume: Warhol im Schnellvorlauf und Stationen aus Basquiats ohnehin kurzer und intensiver Kunst- und Drogenkarriere. Dessen Zeichnungen öffnen aber eine andere Perspektive auf den wilden "Kritzler": Komplexe Mind-Maps erzählen rätselhaft bleibende Geschichten, anatomische Skizzen treffen auf konkrete Poesie.

Auch bei den Leihgaben gibt es Überschneidungen zwischen Wien und Bonn, etwa bei den Gemälden Hellmann's Mayonnaise, Florida und Arm and Hammer II. Die beiden Letzteren aus der Sammlung Bischofberger, dem Wiener Hauptleihgeber. Als allerdings die meist im Zustand der Volldröhnung entstandenen, kollektiven Werke 1985 bei Shafrazi in New York vorgestellt wurden, fielen sie bei der Kritik durch. Basquiat ein Maskottchen Warhols, ein Trittbrettfahrer? Die Zusammenarbeit endete frustriert.

Gefragte Solowerke

Auch am Markt sind die Arbeiten bis heute nur selektiv gefragt. Seit 2007 blieb ein Drittel der offerierten Collaborations unverkauft. Der vorläufige Rekord notiert bei 7,5 Millionen Euro netto, die einem Käufer 2012 in London das Gemälde Olympics (1984) Wert war. Preise, die fern dessen rangieren, was man für Solowerke der beiden gewillt ist, zu zahlen: Den Höchstpreis für ein Basquiat-Gemälde wurde im Mai bei Christie's New York für Dustheads (1982) erzielt: 33,5 Millionen Euro netto; 47,22 Millionen Euro brachte Warhols Green Car Crash (1963) ein. Dass auch die Collaborations preislich anziehen, dafür sorgen Ausstellungen im musealen Format. (Anne Katrin Feßler, DER STANDARD, 16.10.2013)

Bis 2. 2. 2014

  • Basquiats und Warhols Zusammenarbeit glich einem Boxkampf: "Win $ 1'000' 000" (1984).
    foto: vbk wien 2013

    Basquiats und Warhols Zusammenarbeit glich einem Boxkampf: "Win $ 1'000' 000" (1984).

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