McLaren P1: Next Stop: Nürburgring

27. Oktober 2013, 17:01
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Der McLaren P1 kostet rund eine Million Euro, und die ersten 300 Fahrzeuge sind schon verkauft. Dabei hat er den Rekordversuch auf dem Nürburgring noch vor sich

"Ein paar Wochen lassen wir Porsche noch den Ruhm", sagt Frank Stephenson.

Er ist Chefdesigner bei McLaren und hat eine spannende Vergangenheit. In dieser entstand zum Beispiel der mächtige Heckflügel des Escort Cosworth. Als er den Scorpio, eines der hässlichsten Autos aller Zeiten, zeichnen sollte, verließ er Ford. Er zeichnete unter Chris Bangle den neuen Mini. Von ihm stammt der BMW X5, der Fiat 500, der Ferrari F430. Bei McLaren entspringt der MP4-12C seiner Feder. Und natürlich der P1.

Letzterer, meint Stephenson selbstsicher, werde dem Porsche 918 Plug-in-Hybrid bald die schnellste Rundenzeit auf dem Nürburgring abknöpfen.

Tempel der Technologie

Wir sitzen mitten im "Tempel der Technologie" , wie die Mitarbeiter das McLaren-Headquarter in Woking, England, nennen. Stephenson wirkt gehetzt, nervös.

Wenige Meter von uns entfernt stehen die legendären Formel-1-Autos von Niki Lauda, Mika Häkkinen, Lewis Hamilton. Daneben die Sammlung aller Formel-1-Pokale, die McLaren je gewonnen hat. Rennsportfreunde wissen ja, dass Ron Dennis jeden Fahrer dazu verpflichtet, die Pokale an ihn übergeben zu müssen. Zwischen all dem wird an Formel-1-Autos gearbeitet, werden Carbonteile gefertigt.

Renngeschichte wohin man schaut

Weil die Wände aus Glas sind, kann man den Mechanikern direkt auf die Finger schauen. Die einen arbeiten am aktuellen Rennwagen, die anderen an den historischen Boliden – denn auch die sollen jederzeit fahrbereit sein.

Es ist penibelst sauber. Nirgendwo liegt auch nur ein Schraubenzieher herum oder ist ein Tropfen Öl am Boden. Es gibt keinen Lärm. Wenn es laut wird, dann deshalb, weil irgendwo ein Motor angerissen wird. Aber das ist gerade nicht der Fall. Leider, wenn wir ehrlich sind.

"Du kannst dir das so vorstellen, als würden wir ein großes Laken über den Wagen werfen", erklärt Stephenson das Design des P1. Ja, der gebürtige Amerikaner spricht fließend Deutsch. Das ganze Design sei der Aerodynamik geschuldet, erklärt er. Schön muss er nicht unbedingt sein, der Wagen, aber schnell. In den P1 fließt das Know-how aus der Formel 1 ein – und auch einige Systeme, die McLaren für die Königsklasse des Autosports erfunden hat und die ihnen verboten wurden. Das betrifft etwa die Kühlung, die Luftzufuhr für den Motor und aerodynamische Spielereien. Das Design folgt bedingungslos der Funktion – und das begeistert Stephenson. Wie auch das Auto selbst.

Hybrid-Supersportler

906 PS leistet der 3,8-Liter-V8-Biturbo-Motor in Kombination mit dem Hybridantrieb im P1. In unter drei Sekunden legt er den Sprint von 0 auf 100 km/h zurück. Er lässt sich in der Höhe um zehn Zentimeter heben – je nachdem, ob man auf der Rennstrecke fährt oder auf der Straße. Und obwohl der P1 über eine Million Euro kostet, hat McLaren bereits 300 Fahrzeuge verkauft.

Produziert wird der Wagen – jeden Tag einer – eine Halle weiter, unweit der Formel-1-Wagen. Dort, wo auch der MP4-12C vom Band läuft. Obwohl: Ein Band gibt es in Woking nicht. Auf einem Rollwagen wird das Fahrzeug von ­Station zu Station geschoben. Fast alles an den McLaren ist Handarbeit – sogar lackiert wird direkt im Werk von Hand. Die Arbeiter scheinen keinen Stress zu haben, auch wenn jeder Handgriff genauestens protokolliert wird.

Genauigkeit, die spürt man hier auf Schritt und Tritt. Etwa wenn man vor die Tür geht, sich eine Zigarette anzündet. Spätestens beim dritten Zug ist ein Sicherheitsmann zur Stelle, der einem erklärt, dass auf dem ganzen Gelände nicht geraucht wird. Einzige Ausnahme: ein kleiner Platz im Freien, weit abseits der Produktionshalle. Dort stehen zwei Männer im Regen und ziehen lieblos an ihrer Zigarette.

Der 911er-Jäger

"Hast du den P13 gesehen?", fragt Stephenson, als wir uns Minuten später wiedersehen. "Nein. Was ist der P13?"  Er ist der McLaren, der nächstes Jahr auf den Markt kommt und auf den Porsche 911 angesetzt wird. In einer halben Stunde wird Stephenson den P13, der bewacht und versteckt im Hof steht, der Geschäftsführung präsentieren.

Und mit einem Mal ist seine Aufregung klar. (Guido Gluschitsch, RondoMobil,

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McLaren

Hinweis im Sinne der redaktionellen Leitlinien: Die Teilnahme an internationalen Fahrzeug- und Technikpräsentationen erfolgt großteils auf Basis von Einladungen seitens der Automobilimporteure oder Hersteller. Diese stellen auch die hier zur Besprechung kommenden Testfahrzeuge zur Verfügung.

  • Über 900 PS, Leichtbau in Handarbeit und kompromissloses Design. Mit dem V8-Biturbo-Hybrid will McLaren dem 918 Hybrid den Streckenrekord auf dem Nürburgring wieder abknöpfen.
    foto: mclaren

    Über 900 PS, Leichtbau in Handarbeit und kompromissloses Design. Mit dem V8-Biturbo-Hybrid will McLaren dem 918 Hybrid den Streckenrekord auf dem Nürburgring wieder abknöpfen.

  • Frank Stephenson zeichnete den MP4-12C und den P1 - aber auch den Mini und den Fiat 500.
    foto: mclaren

    Frank Stephenson zeichnete den MP4-12C und den P1 - aber auch den Mini und den Fiat 500.

  • Das McLaren-Gelände ist ein eigenes Universum vor den Toren Londons.
    foto: mclaren

    Das McLaren-Gelände ist ein eigenes Universum vor den Toren Londons.

  • Ein Fließband sucht man bei McLaren vergeblich. Hier zählt nur Handarbeit.
    foto: mclaren

    Ein Fließband sucht man bei McLaren vergeblich. Hier zählt nur Handarbeit.

  • Die Mitarbeiter nennen die Firmenhalle Tempel. Wer durchspaziert, weiß schnell warum.
    foto: mclaren

    Die Mitarbeiter nennen die Firmenhalle Tempel. Wer durchspaziert, weiß schnell warum.

  • Große Ohren macht nicht nur der P1, sondern auch jeder, an dem er vorbeidonnert.
    foto: mclaren

    Große Ohren macht nicht nur der P1, sondern auch jeder, an dem er vorbeidonnert.

  • Eigenständiges Design, das vor allem schnell machen muss, zeichnet die Arbeit von Frank Stephenson bei McLaren aus.
    foto: mclaren

    Eigenständiges Design, das vor allem schnell machen muss, zeichnet die Arbeit von Frank Stephenson bei McLaren aus.

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