Die Wunden Afrikas: "Quer durch wüstes Land"

Ansichtssache16. Oktober 2013, 16:40
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Am 19. Oktober eröffnet in Berlin die Ausstellung "Across the Ravaged Land" mit Arbeiten des britischen Fotografen Nick Brandt. Bereits erschienen ist der Bildband "Quer durch wüstes Land" mit den Fotografien von Brandt, die Afrikas Natur auf teilweise irritierende, ernüchternde und erschütternde Weise zeigen.

Bei den neuen Werken handelt es sich um den dritten Teil einer Trilogie über Afrika, in der der Kontinent und seine Tierwelt in monumentalen Aufnahmen gezeigt wird. Und zwar in einer Art und Weise, die erahnen lässt, wie fragil das Ökosystem, nicht zuletzt durch den Eingriff des Menschen, ist. Die Bilder sind Mahnmale und Momentaufnahmen einer Welt, deren Fortbestand fraglich ist.

Majestätische Löwen und liebevolle Elefanten stehen im Kontrast zu den Spuren dieser Tiere, die sich im Nichts der afrikanischen Landschaft verlieren. Was bleibt, sind die Jagdtrophäen, die inmitten dieser Landschaft fast wie Fremdkörper wirken. Der Mensch greift ein in die Natur und damit in das Leben der Tiere. Irgendwann bleibt nur die Erinnerung an einen Zustand, der unwiederbringlich verloren ist.

Zu Salzsäulen erstarrt

Jede einzelne Fotografie in dem Band ist ein eigenständiges Werk und erzählt als Teil der Triologie den Wandel der Natur- und Tierwelt Afrikas. Die Lebensräume schwinden, das Überleben wird zunehmend ungewisser, der Tod ist oft näher als das Leben selbst. Bilder von Vögeln, die am extrem alkalihaltigen Natronsee in Tansania zu Salzsäulen erstarrt erscheinen und in erhabener Haltung positioniert werden, zeigen, wie nahe Leben und Tod in einer zunehmend unwirtlichen Umwelt einander sind. Die mumifizierten Tiere hat der Naturfotograf am Ufer des Sees gefunden, der die Körper mit Kalk überzogen hat und so die Kadaver in einer Art Momentaufnahme erstarren ließ.

Brandt zeigt aber auch die Schönheit Afrikas. Friedliche Löwen in mystischem Lichtspiel, interagierende Elefanten und endlose Landschaften, scheinbar unberührt. Das Buch ist eine Liebeserklärung an den Kontinent und eine Erinnerung an die Vergänglichkeit. (todt, derStandard.at, 16.10.2013)

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foto: nick brandt

Fischadler am Natronsee, 2012.

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