Journalistin Barbara Coudenhove-Kalergi erhält Ehrenpreis der "Buch Wien"

15. Oktober 2013, 14:16
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Erinnerungsband "Zuhause ist überall" erschien zu Jahresbeginn

Der Ehrenpreis des Österreichischen Buchhandels für Toleranz in Denken und Handeln wird an Autoren verliehen, "die sich durch ihr Leben und ihr Werk für die Verständigung in Europa herausragende Verdienste erworben haben". Selten gab es wohl eine Preisträgerin, auf die das in so hohem Maße zutrifft wie auf die 81-jährige Journalistin und Publizistin Barbara Coudenhove-Kalergi. Sie gilt als die Grande Dame des österreichischen Journalismus, als "Gewissen des guten Österreich" und hat ihr Leben der aufklärenden Berichterstattung und dem Kampf um Weltoffenheit und Minderheitenrechte gewidmet.

Coudenhove-Kalergi entstammt einer aristokratischen Intellektuellenfamilie mit Wurzeln in Böhmen und Japan. Sie wurde am 15. Jänner 1932 in Prag geboren und lebt seit der Vertreibung ihrer Familie 1945 in Österreich. Hier arbeitet sie als Schriftstellerin und Publizistin für Tageszeitungen und das Nachrichtenmagazin "profil". Dem breiten Publikum wurde sie jedoch in den 70er und 80er Jahren als Osteuropa-Korrespondentin des ORF bekannt. Als wichtigstes Erlebnis in ihrem Journalistenleben bezeichnet sie die Revolution in Prag, als "die größte berufliche Niederlage meines Lebens" den Fall der Mauer: Die Kassette mit der Reportage dieser bewegenden Stunden ging vor dem Überspielen verloren.

Biografie "Zuhause ist überall"

Hohe politische Ämter sind ihr öfter angetragen worden, annehmen wollte sie solche Funktionen aber nicht. Sie wolle sich selbst treu bleiben, lautete ihre Begründung, als sie 1997 ablehnte, für das Amt des Bundespräsidenten zu kandidieren. Für ihr Engagement bekam Coudenhove-Kalergi im Jahr 2001 in Prag den Masaryk-Orden verliehen. Der tschechische Staatspräsident Vaclav Havel würdigte dabei ihre "besonderen Verdienste um Demokratie und Menschenrechte". 2005 wurde sie mit dem renommierten Ehrenpreis der Concordia für ihr Lebenswerk geehrt. Im gleichen Jahr erhielt sie den Axel-Corti-Preis der österreichischen Volksbildung.

In ihrem zu Jahresbeginn erschienenem Erinnerungsband "Zuhause ist überall" schildert Coudenhove-Kalergi ohne Verbitterung ihr Aufwachsen in der deutschsprachigen Bevölkerung Prags. Nach dem Einmarsch Hitlers folgten die ersten größeren Loyalitätskonflikte, als dem BdM-Mädel eingetrichtert wurde, sich in "Feindesland" zu befinden, obwohl es doch hier geboren war. Die Vertreibung aus dem Paradies der Kindheit erfolgte kurz vor Ende des Zweiten Weltkriegs ansatzlos und brutal. Die Familie entkam den Ausschreitungen und Todesmärschen und konnte sich nach Österreich durchschlagen, wo die Eltern eine neue Existenz aufbauten.

Flüchtlingsvergangenheit

Ihre eigene Flüchtlingsvergangenheit kommt ihr bei den aktuellen Flüchtlings- und Fremdenrechtsdebatten immer wieder in den Sinn: "Was wäre aus uns Kindern geworden, denke ich, wenn man uns so behandelt hätte, wie wir jetzt die Neuankömmlinge behandeln?" Barbara Coudenhove-Kalergi hat es nicht beim Nachdenken darüber belassen. Seit sie in Pension ist, arbeitet sie in der Flüchtlingsbetreuung und unterrichtet Deutsch als Zweitsprache. (APA, 15.10.2013)

  • Die 81-jährige Journalistin und Publizistin Barbara Coudenhove-Kalergi wurde am 15. Jänner 1932 in Prag geboren und lebt seit der Vertreibung ihrer Familie 1945 in Österreich.
    foto: apa/georg hochmuth

    Die 81-jährige Journalistin und Publizistin Barbara Coudenhove-Kalergi wurde am 15. Jänner 1932 in Prag geboren und lebt seit der Vertreibung ihrer Familie 1945 in Österreich.

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