Es lacht das Glück, wenn genug Geld da ist

Ansichtssache15. Oktober 2013, 18:30
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Nach Zwölf-Millionen-Euro-Umbau eröffnen die Kammerspiele der Josefstadt neu

Wien - Mit der US-amerikanischen Gaunerkomödie Catch me if you can über einen gewieften Hochstapler, dem schlichtweg jeder Coup gelingt, eröffnen die Kammerspiele der Josefstadt nach fast sechsmonatiger Umbauzeit am 24. Oktober die Spielzeit. Das Stück zur Stunde. Denn auf eine umwerfende Glückssträhne kann auch Impresario Herbert Föttinger zurückblicken. Auch er hat zweifelsohne Talent zum Erfolg. Es ist ihm tatsächlich gelungen, für die Revitalisierung der Josefstadt-Dependance in der Innenstadt zwölf Millionen Euro zu lukrieren.

Davon stammen lediglich 3,6 Millionen von der Stadt Wien und dem Bund (Finanzministerium). Drei Millionen spendete die Pühringer Privatstiftung, zwei Millionen die Hauseigentümer der Wlaschek-Gruppe Amisola; drei Millionen brachte das Haus selbst ein. Föttinger kann man einen veritablen Stadttheater-Pereira nennen.

Während die Bundestheater mit haarsträubenden Budgetproblemen ringen, präsentiert Föttinger freudestrahlend seine technisch entscheidend verbesserte und rundum verschönerte Spielstätte in der Rotenturmstraße. Noch werden die Glasperlen des alten Lüsters neu gefädelt; Föttinger wollte den Charakter seines alten Plüschtheaters erhalten, auch wenn es den Otto-Schenk-Stuhl und mit ihm die alten Garderoben nicht mehr geben wird. Der Backstagebereich, der zuletzt vor Witterungseinflüssen nicht mehr sicher war, konnte vergrößert werden. 500 Quadratmeter wurden zusätzlich in Richtung Fleischmarkt angemietet (Bawag-Keller).

Die Bühne selbst hat stattliche 7,5 Meter Breite und ist damit genau so groß wie jene im Josefstädter Haupthaus. Sie beherbergt zwar keine klassische Drehbühne, verfügt aber über variable Deckenfelder und kleine mobile Drehelemente. Publikum und Bühne rücken näher zusammen; während die Rampe um zwei Reihen in den Saal hineinwuchs, dehnte sich der Balkon um ebenfalls zwei nach vorn aus. Das erzeugt bei 471 Sitzplätzen immer noch eine intime Atmosphäre.

Die Kassa übersiedelte ins ehemalige Süßwarengeschäft gegenüber vom Eingang und macht so einem großzügigen Foyer Platz, das nun mit zwei symmetrisch geschwungenen Treppen zu den neuen Garderoben nach unten führt. Dort gibt es neuerdings ein zusätzliches Buffet.

500.000 Euro sind vonseiten der Josefstadt noch offen, eine Summe, die das Theater mittels Fundraising und Spenden in den nächsten Jahren aufbringen will. Bei der "Chairity"-Aktion bekommt man für 900 Euro etwa einen Sessel mit namentlicher Erwähnung.

foto: apa/herbert neubauer

Josefstadt-Direktor Herbert Föttinger und weitere Bilder, aufgenommen bei einer Presseführung in den renovierten Wiener Kammerspielen.

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(Margarete Affenzeller, DER STANDARD, 16.10.2013)

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