ORF-Sparen: "Druck, Gängelband, Einfluss auf Posten?"

15. Oktober 2013, 12:46
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Preisträgerin Pichler hinterfragt Motive von Medienpolitik: "Unser Job ist, lästig zu sein"

Wien – ORF-Radioredakteurin Pe­tra Pichler nahm am Montag den Wiener Journalistinnenpreis mit einem Appell entgegen: "Wir müssen uns wehren!" – gegen Sparen auf Kosten journalistischer Qualität.

"Natürlich muss man immer prüfen: Wie effizient ist ein System, wo kostet es mehr, als es bringt?", räumte Pichler in ihrer Dankesrede ein. Der ORF müsse nun "einmal mehr um Gebührenrefundierung bitten" – die Repu­blik solle ihm Gebührenbefreiungen weiter abgelten. Sonst müsse allein das Radio mehr als sechs Millionen Euro sparen.

"Optik bleibt schief"

"Wobei: Geht's hier wirklich nur ums Sparen?", fragte Pichler am Montag im Wiener Rathaus: "Um mehr Effizienz? Oder geht es doch viel mehr um Druck, um ein Gängelband? Um Einfluss auf Postenbesetzungen, Sendungen, was auch immer zu nehmen? Da kann man sich als ORF-Redakteurin und -Redakteur noch so sehr um Objektivität und Qualität bemühen: Die Optik bleibt schief."

Pichler: "Qualitätsjournalismus kostet Zeit und Geld. Doch hat die Politik, haben politische Parteien überhaupt ein Interesse an Qualitätsjournalismus? Journalistinnen und Journalisten, die keine Zeit mehr haben, sich vorzubereiten, intern zu diskutieren, können weniger fundiert hinterfragen, sind weniger lästig. Nur ist es unser Job, lästig zu sein, nachzubohren." Hörer und Seher hätten ein Recht auf umfassende, objektive Berichte.

Feierlicher Rahmen

Die zum dritten Mal vergebene und mit 5.000 Euro dotierte Auszeichnung wurde im Rahmen eines Festakts im Wiener Rathaus überreicht. Mit dem Preis soll "ein deutliches Signal" gesetzt werden, um Leistungen von Frauen in der Medienbranche besonders zu betonen, wie Wiens Vizebürgermeisterin Renate Brauner (SPÖ) in einer Aussendung am Dienstag erklärte.

Gerichtsreporterin Pichler recherchiere "ihre Geschichten mit großer Sorgfalt, lässt Betroffene ebenso zu Wort kommen wie deren Ankläger oder Verteidiger und wahrt bei ihrem Talent zum Storytelling dennoch die gebotene professionelle Distanz", hieß es in der Jury-Begründung. Ins Leben gerufen wurde der Preis vom Frauennetzwerk Medien und Brauner im Jahr 2011. Bisherige Preisträgerinnen waren "Profil"-Redakteurin Ulla Schmid sowie Andrea Hodoschek vom "Kurier". (red/APA, 15.10.2013)

  • Bei der Preisübergabe (v.l.n.r.): Elisabeth Pechmann, Vizebürgermeisterin Maria Vassilakou, Vizebürgermeisterin Renate Brauner, Preisträgerin Petra Pichler, Karin Strobl, Brigitte Handlos und Sigrid Oblak.
    foto: alexandra kromus

    Bei der Preisübergabe (v.l.n.r.): Elisabeth Pechmann, Vizebürgermeisterin Maria Vassilakou, Vizebürgermeisterin Renate Brauner, Preisträgerin Petra Pichler, Karin Strobl, Brigitte Handlos und Sigrid Oblak.

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