Trainerwechsel und Traumparaden

Blog15. Oktober 2013, 10:06
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Salzburg und Znojmo am Vormarsch, Jubel trotz Niederlage in Klagenfurt. Aktuelle Eindrücke aus der Liga in unserem Eishockey-Blog

Am vergangenen Wochenende beschlossen die zwölf EBEL-Teams das erste Viertel des Grunddurchgangs, obwohl in den jüngsten sechs Spielen nur zwei Siege gelangen, führt Bozen noch immer die Tabelle an. Doch mehrere Konkurrenten haben bereits zu den Südtirolern aufgeschlossen, im dicht gedrängten Spielplan der kommenden Wochen wird für den Neueinsteiger Rang eins nicht zu halten sein. Anwärter auf den Platz an der Sonne gibt es viele, denn den Ersten trennen momentan nur sechs Punkte vom Zehnten. Im Backcheck wie jeden Dienstag die bemerkenswertesten Geschichten aus der Erste Bank Eishockey Liga.

Adler im Höhenflug

Die Mannschaft der Stunde in der EBEL kommt aus Tschechien: In jedem seiner letzten sieben Spiele konnte Znojmo punkten, sechs davon wurden gewonnen. Das Team von Jiří Režnar liegt nur noch einen Zähler hinter Leader Bozen, hat aber eine Partie weniger ausgetragen und kann somit als der heimliche Tabellenführer betrachtet werden. Trotz sehr bescheidener finanzieller Möglichkeiten sind die rot-weißen Adler auch im dritten Jahr ihrer Ligazugehörigkeit stärker geworden, es ist davon auszugehen, dass sie sich am Ende des Grunddurchgangs als bestes internationales Team platzieren werden.

Znojmos kontinuierliche Weiterentwicklung liegt sehr stark im Mannschaftsgefüge begründet: Zwar fehlt es dem Kader an individueller Klasse, gleichzeitig ist das Leistungsgefälle zwischen erster und vierter Linie so gering wie bei kaum einem anderen EBEL-Klub. Dem ausgeglichenen Kollektiv gelingt es auch, die Auswirkungen von Formkrisen einzelner Akteure abzufedern, aktuell beispielsweise jener des Topscorers der letzten Saison, Richard Jarůšek, dessen Schnitt an erzielten Treffern pro Spiel um mehr als 55 Prozent sank. Maßgebliche Faktoren für den gegenwärtigen Erfolg sind außerdem starke Spieleröffnungen (Anm: in jedem der letzten zehn Spiele ging man mit 1:0 in Führung) und eine massive Verbesserung des Unterzahlspiels - momentan das zweitbeste der Liga, im Vorjahr noch das zweitschwächste.

Neuer Klubrekord für Goalieduo

Auf die aktuell längste Siegesserie aller Klubs kann der EC Salzburg verweisen. Nach einem sehr holprigen Saisonstart greift die Neustrukturierung des Spiels der Bullen durch Neo-Trainer Don Jackson immer besser, zuletzt verließ man das Eis fünf Mal hintereinander als Sieger. Fortschritte sind bei Salzburg in sämtlichen Aspekten und Mannschaftsteilen auszumachen, besonders eindrucksvoll konsolidiert haben sich jedoch die Goalies Bernd Brückler und Luka Gračnar. Das Duo feierte zuletzt drei Shutouts in Serie, blieb seit 184:27 Minuten ohne Gegentreffer und brach damit den Vereinsrekord von 177:28 Minuten aus dem Februar 2006.

Parade für den Videorekorder

Die Schlagzeilen in der Kategorie Torhüter gehörten am Wochenende jedoch Mike Ouzas, der beim 2:1-Heimsieg von Linz über Wien in der Schlussphase gegen Benoît Gratton eine Abwehr für den Videozusammenschnitt der Saisonhighlights aufs Eis zauberte (siehe Link). Bei aller verständlichen Begeisterung rund um das Save sei an dieser Stelle an ein Zitat aus dem derStandard.at-Interview mit Markus Kerschbaumer, dem Torwarttrainer der österreichischen Nationalmannschaft, erinnert: "Nehmen wir das Beispiel eines überraschenden Querpasses vorm Tor, der dem Angreifer plötzlich eine große Einschussfläche ermöglicht. Reagiert der Goalie mit der Fanghand und hält die Scheibe, jubeln die Kommentatoren, im Endeffekt ist das jedoch in erster Linie Glück. Wir streben danach, dass der Torhüter seinen ganzen Körper in die entsprechende Position bringt, denn dann wird er in diesen Situationen auch im Wiederholungsfall siegreich bleiben, selbst wenn der Schütze Gretzky, Hull oder Crosby heißt."

Ganz so prominent sind die nächsten Schützen, denen sich Mike Ouzas entgegenstellen wird, nicht, am Freitag kommt der Dornbirner EC an die Untere Donaulände. Für den Goalie und sein Team geht es dabei darum, die makellose Bilanz vor eigenem Publikum (6 Spiele, 6 Siege, 24:6 Tore) weiter zu verbessern. Zudem winkt ein Jubiläum: Gelingt den Black Wings erneut ein Heimsieg, wäre es der 250. in der EBEL-Geschichte des Klubs.

Meilensteine und Rücktritt

Einem runden Jubiläum blicken auch die Cheftrainer der Vienna Capitals und des Villacher SV entgegen. Tommy Samuelsson und Hannu Järvenpää halten in ihrer Ligakarriere bei 99 bzw. 98 Siegen, was den Bestwerten aller aktiven Coaches entspricht. Der Schwede (188 Spiele) kann den Meilenstein schon am Dienstagabend erreichen, wenn Wien in Klagenfurt gastiert, während der Finne (213 Spiele) noch zumindest bis zum Sonntag warten muss.

Nicht mehr zur Riege der EBEL-Trainer gehört unterdessen Bojan Zajc, der am Montag aus dem niederschmetternden Saisonstart Olimpija Ljubljanas selbst die Konsequenzen zog und seinen Rücktritt einreichte. Interimistisch übernimmt sein bisheriger Assistent Ivo Jan, der als Aktiver 106 Ligatore inklusive dem Championship Winning Goal für Wien 2005 erzielte, das Traineramt bei den Slowenen.

Schwache Imports

Unter Zajc verlor Olimpija heuer elf seiner zwölf Spiele, die Drachen liegen abgeschlagen am Tabellenende. Die innerhalb engster Budgetgrenzen verpflichteten Legionäre bringen nicht genügend Qualität aufs Eis, Alex Berry und Bryan Schmidt hat das vergangene Woche bereits den Job gekostet und es scheint fraglich, ob von der Achse Kuhn-Ross-Ulmer abgesehen überhaupt ein Import das Saisonende in Sloweniens Hauptstadt erleben wird.

Viele der bisherigen Partien konnte Olimpija lange offen halten (Anm.: acht der elf Niederlagen mit einem oder zwei Toren Differenz), in den Schlüsselsituationen fehlte jedoch meist Abgeklärtheit und vor allem Klasse. Sobald Ljubljana in einem Spiel in Rückstand lag, hat man auch verloren. Lichtblicke waren bisher nur junge, einheimische Spieler wie das Verteidigungsduo Žiga Grahut und Matevž Erman, die in einem Team mit einer Plus/Minus-Bilanz von -13 beide ein positives Rating aufweisen. Hoffnungen für die Zukunft werden auch auf die Sturmlinie Pešut-Ograjenšek-Koblar projiziert, das Trio hält gemeinsam bei 18 Scorerpunkten und einem ausgezeichneten +11.

Chancenlos, torlos, umjubelt

Auch beim KAC steht aktuell die junge Garde im Zentrum der Aufmerksamkeit, eine unvergleichliche Verletzungsmisere hat Junioren sonder Zahl in das Lineup das Rekordmeisters gespült. Bei der 0:3-Heimniederlage gegen Salzburg am Sonntag musste Klagenfurt neun seiner zwölf Stammspieler im Sturm vorgeben, es fehlten fünf Legionäre sowie ein Quartett österreichischer Cracks mit über 2000 Ligaspielen an Erfahrung. Gegen formstarke Bullen war das aufgebotene Personal chancenlos, steigerte sich im Vergleich zur 0:7-Auswärtsniederlage gegen den gleichen Gegner vom Freitag aber maßgeblich. Diese Fortschritte und den dargebotenen Kampfgeist würdigte trotz der ernüchternden Bilanz des Wochenendes auch das Klagenfurter Publikum, wie dieses Video zeigt. (Hannes Biedermann; derStandard.at; 15.10.2013)

  • Artwork: alexgrimm.com
Backcheck: Auffälligkeiten, Anekdoten und Analysen aus der EBEL. Jeden Dienstag.

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    Backcheck: Auffälligkeiten, Anekdoten und Analysen aus der EBEL. Jeden Dienstag.

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