Familie K. musste nach Italien

14. Oktober 2013, 18:29
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Misshandlungsvorwurf in Schubhaft stoppte Abflug nicht

Wien - Seit zwei Tagen seien sie in einem Asylwerber-Massenquartier in Rom untergebracht, berichtet Soroosh K., (17) auf Deutsch am Telefon: "Es ist sehr hektisch hier, wir haben zu viert nur ein einziges Zimmer - und verstehen außerdem kein Wort Italienisch".

Doch laut der EU-weiten Dublin-II-Verordnung ist Italien für das Asylverfahren der iranisch-christlichen Familie K. (Name der Redaktion bekannt), zuständig. Daher wurde sie am Freitag dorthin ausgeflogen, fünf Tage vor dem Ende jener Sechsmonatsfrist, binnen derer Italien zur Rücknahme verpflichtet war. Und obwohl Vater Mohammad Reza K. (44) - wie der Standard berichtete - nach einem Einsatz der Polizei-Sondereinheit Cobra in der Wiener Familienschubhaft Misshandlungsvorwürfe gegen Beamte erhebt.

Nach einem Rückschiebeversuch am 29. Juli war der 44-Jährige ins Wiener Wilhelminenspital eingeliefert worden: mit Nasenbeinbruch, Schädelprellung, Abschürfungen. Die Cobra, von einer Geiselnahme ausgehend, hatte das Zimmer gestürmt, in dem sich K. und seine Frau befanden. Doch K. beteuerte danach, keinerlei Gewalt ausgeübt zu haben - und auch ein Bekannter, der mit ihm kurz vor dem Eskalieren der Situation telefoniert hatte, erinnerte sich an keinerlei diesbezügliche Hinweise.

Um die gegenseitigen Vorwürfe zu klären - sowohl die Polizei als auch K. wurden angezeigt - startete die Staatsanwaltschaft Wien Ermittlungen. Jene gegen Mohammad K. würden wegen Abwesenheit des Verdächtigen jetzt eingestellt, sagt die Strafrechtswissenschafterin Petra Velten. Nicht so jene gegen die Polizei: "Das muss weiterverfolgt werden." (Irene Brickner, DER STANDARD, 15.10.2013)

  • Familie K. im August in Wien - wo Sohn und Tochter seit acht Monaten das Gymnasium besuchten.
    foto: der standard/irene brickner

    Familie K. im August in Wien - wo Sohn und Tochter seit acht Monaten das Gymnasium besuchten.

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