Ford Future: Fairnetzt statt nur vernetzt

16. Oktober 2013, 17:54
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Ford wird Neues erschwinglich machen und nun die Infotainmentrevolution demokratisieren

Da steuerst du mit 60 Sachen auf ein stehendes Auto zu, unkonzentriert, mit den Gedanken ganz woanders. Trotz Vibratos im Gaspedal, flackernder LEDs und penetranter akustischer Warnung geht sich das nicht mehr aus. Da übernimmt der Ford das Lenkrad selbst, schert nach links auf die Überholspur aus und bereinigt die brisante Situation. Gerade noch einmal gut gegangen.

Wir befinden uns in Lommel, Belgien, dort unterhält Ford sein großes europäisches Testgelände, und die Demonstration dieses künftigen Sicherheitsfeatures war eine der markantesten Darbietungen im Rahmen eines Workshops namens "Futures" . Damit da kein Missverständnis aufkommt: Ford ist zwar ein stark finanzgetriebener Autohersteller, diese konkrete Angelegenheit hat aber ebenso wenig mit Börsenspekulation zu tun wie die Gierrate mit Bankzinsen. Nein, der Name ist das Programm, es geht um die Zukunft, gemeint sind hier konkret die nächsten fünf, zehn Jahre.

Vernetzte Mobilität

Dass die Weltbevölkerung weiter raufschnalzt und immer mehr Menschen in Städten leben, meinen wir schon einmal irgendwo gehört zu haben. Wie auch immer, man muss ja auf irgendeiner Basis planen. Nur, wie und was?

Ford-Konzernchef Alan Mulally hatte unlängst in einer Grundsatzrede auf der Berliner IFA (die IAA hat er gemieden) die Kernpunkte der Strategie erläutert, mit der Ford eine neue Ära einläuten will, und die heißt vor allem: vernetzte Mobilität.

Wie sich Ford das vorstellt? Ein erstes Beispiel wurde eingangs bereits erwähnt, es zählt zum Themenkomplex Objekt- und Hinderniserkennung und nutzt drei Radarsysteme, einen Ultraschallsensor und eine optische Kamera, die permanent einen Bereich von bis zu 200 Metern vor dem Testwagen scannen. Das System soll bereits im neuen S-Max (startet 2015) zum Einsatz kommen – ebenso wie eine neuartige Parkhilfe, bei der das Auto alles selber macht.

Der Parklückenversteher

Zur Veranschaulichung haben die Fordianer draußen einen engen Kobel aufgebaut, per Befehl via Fahrzeugschlüssel vom aus­gestiegenen Fahrzeuglenker parkt sich der Versuchs-Focus mustergültig allein ein, links und rechts bleibt gerade noch eine Handvoll Platz. Das Maximaltempo des Parklückenverstehers liegt derzeit bei 1,2 km/h, da kann notfalls nicht viel kaputtgehen.

In eine etwas fernere Zukunft, fünf bis zehn Jahre, fokussiert der Komplex Car-to-Car-Kommunikation (und autonomes Fahren). Ford kommuniziert hier WLAN-basiert direkt von Fahrzeug zu Fahrzeug. Ist das System einsatzbereit, soll es, Stichwort unfallfreies Fahren, eine revolutionäre Sicherheitsära mitbegründen.

Gute alte Tradition

Mit? Ja, das ist bei "Ford Fu­tures" ein klein wenig die Crux. Etliche Workshop-Themen klingen nicht so gaaanz brisant neu, bei manchen (Premium-)Herstellern sind solche Zukünfte bereits angebrochen oder brechen demnächst. Spannender ist schon der Umstand, dass in alter Ford-Tradition versucht wird, Technik leistbar zu machen, sehr wünschenswert für die anstehende Vernetzung, fairnetzt statt nur vernetzt, wenn der Kalauer erlaubt ist.

Premium ist ein anderes Lommel-Thema, oder sollen wir sagen: semi-premium? Vignale. Auf Basis des nächsten Mondeo (2014) und ca. zehn Prozent teurer als dessen Topausstattung will Ford 2015 eine Alternative zur Premi­umli­ga installieren. Der noble Ford Vignale soll alle Individualisierungsstückerln spielen und dem Kunden kostbare Zeit ersparen. So kommt zum Beispiel der Händler zum Interessenten, wenn der an einer Probefahrt interessiert ist, nicht umgekehrt.

E-Fiesta mit Radnabenmotoren

Abschließend steigen wir in den Fiesta. Nicht in irgendeinen. Sondern einen mit dem Zulieferer Schaeffler realisierten Versuchsträger, mit zwei Radnabenmotoren hinten. Klingt im Fahrbetrieb bedrohlich, läuft aber schon recht rund. Vorstellen kann Ford sich generell viel, konkret eine neue Architektur für ein Stadtmobil mit Radnabenmotoren, im Boden Batterie oder Brennstoffzelle, sodass alles darüber, Sitz- und Nutzräume, flexibel, frei und neuar­tig gestaltet werden kann. Allen Nachteilen (ungefederte Massen) zum Trotz: Ja, ein bisserl kann man das Rad noch neu erfinden.

Vignale heißt Fords neuer Premiumansatz. Bei Ökoantrieben gibt's schon eine ganze Fahrzeugflotte, Radnabenmotor (eWheel­Drive) dauert aber noch. Früher wird's was mit Automatisch-Parken (S-Max) – und mit dem Mustang: Der kommt 2015 zu uns. (Andreas Stockinger, DER STANDARD, 11.10.2013)

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Ford

Hinweis im Sinne der redaktionellen Leitlinien: Die Teilnahme an internationalen Fahrzeug- und Technikpräsentationen erfolgt großteils auf Basis von Einladungen seitens der Automobilimporteure oder Hersteller. Diese stellen auch die hier zur Besprechung kommenden Testfahrzeuge zur Verfügung.

  • Drei Radarsysteme, einen Ultraschallsensor und eine optische Kamera setzt Ford künftig zur Hinderniserkennung ein. Das System soll 2015 im neuen S-Max verbaut werden.
    foto: ford

    Drei Radarsysteme, einen Ultraschallsensor und eine optische Kamera setzt Ford künftig zur Hinderniserkennung ein. Das System soll 2015 im neuen S-Max verbaut werden.

  • Mit einer Geschwindigkeit von 1,2 km/h parkt sich der künftige Ford selbstständig auch in denkbar enge Lücken ein.
    foto: ford

    Mit einer Geschwindigkeit von 1,2 km/h parkt sich der künftige Ford selbstständig auch in denkbar enge Lücken ein.

  • 2015 finden nicht nur viele Technologien in die Fords, sondern auch der Mustang nach Österreich.
    foto: ford

    2015 finden nicht nur viele Technologien in die Fords, sondern auch der Mustang nach Österreich.

  • Zwei Radnaben-E-Motoren treiben diesen Fiesta an.
    foto: ford

    Zwei Radnaben-E-Motoren treiben diesen Fiesta an.

  • Vignale heißt die neue Premium-Ausstattung von Ford, die im neuen Mondeo zum ersten Mal angeboten werden wird - Sonderbehandlung vom Händler inklusive.
    foto: ford

    Vignale heißt die neue Premium-Ausstattung von Ford, die im neuen Mondeo zum ersten Mal angeboten werden wird - Sonderbehandlung vom Händler inklusive.

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