Lieber allein zu Hause

14. Oktober 2013, 16:30
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Gibt es einen Trend zum Einzelkind? Und wollen diese als Erwachsene selbst mehr Kinder? Eine Untersuchung spürt den Ein-Kind-Familien nach

Sie haben es in der Schule leichter, später in der Ausbildung sowieso und wollen es als Erwachsene auch klein und fein: Einzelkinder sind gegenüber Geschwisterkindern in vielen Bereichen bevorzugt. Das Österreichische Institut für Familienforschung (ÖIF) hat sich in einer aktuellen Studie nun mit weiteren Aspekten des Einzelkind-Daseins befasst - und stellt darin gleich eine oft gehörte Behauptung richtig.

Zahl der Mehrkinderfamilien sinkt rapide

Nein, es gibt heutzutage nicht mehr Familien mit nur einem Kind. Der Anteil der Einzelkinder ist in den letzten 50 Jahren relativ stabil geblieben - bei den Geburtenjahrgängen 1985 bis 1990 sind 14 Prozent der Kinder ohne Geschwister. "Einerseits erklärt sich das durch den besseren Zugang zu Verhütungsmitteln, andererseits sinkt die Zahl der Familien mit drei oder mehr Kindern rapide ab", sagt Studien-Co-Autorin Sonja Dörfler. Auch die Lebensphase, in die die Geburt des ersten Kindes fällt, verlagert sich: Heute werden Frauen im Durchschnitt mit 30 Jahren zum ersten Mal Mutter.

Die Soziologin und ihre Kollegen haben für ihre Untersuchung den "Generations and Gender Survey" ausgewertet, für den alleine in Österreich regelmäßig 5.000 Personen befragt werden. Bemerkenswert ist, dass Einzelkinder eher dazu neigen, auch selbst nur ein Kind zu haben. In Zahlen gegossen: 20,8 Prozent präferieren ein Einzelkind (andere: 14,1 Prozent) - wenn sie überhaupt Kinder wollen, denn erwachsene Einzelkinder sind auch häufiger kinderlos. "Aus den Zahlen lässt sich dafür keine Erklärung herauslesen", sagt Projektleiterin Christine Geserick. Sie vermutet als Hintergrund die "Sozialisationserfahrung": "Ich würde vermuten, dass Ähnlichkeiten vererbt werden", sagt die Soziologin.

Häufiger bei der Mutter

Dass geschwisterlose Kinder besser in der Schule sind, erklärt ihre Institutskollegin Dörfler nicht nur mit der erhöhten elterlichen Aufmerksamkeit: "Auch die Finanzmittel, etwa für Nachhilfe, müssen ja nicht aufgeteilt sein." Zum Trost für Geschwisterkinder sagt sie: "Es zeigt sich generell, dass deren Empathiefähigkeit ausgeprägter ist. Sie können auch familäre Stresssituationen besser bewältigen."

Noch einen Unterschied konnten die Wissenschaftler festmachen: Die Bindung zu den Eltern läuft anders ab. Geschwisterkinder sehen die Mutter häufiger als Einzelkinder. Allerdings: Ab einem gewissen Alter verschiebt sich das, sagt Dörfler. Dann verbringen die Geschwister mehr Zeit mit einander als mit den Eltern. (Peter Mayr, derStandard.at, 14.10.2013)

  • Anders als viele glauben, ist der Anteil der Einzelkinder seit Jahren relativ stabil.
    foto: dpa/stratenschulte

    Anders als viele glauben, ist der Anteil der Einzelkinder seit Jahren relativ stabil.

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