Geschätzte Kollegen: Recht happy in der Family

14. Oktober 2013, 12:32
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Die große Mehrheit der österreichischen Arbeitnehmer fühlt sich mit den Kollegen wohl und hat ein entspanntes Verhältnis zum Chef. Eine Minderheit leidet - und sie leidet sehr

Wenn der Urlaub vorbei ist und man wieder zurück an den Arbeitsplatz kommt - was ist das für ein Gefühl? Das war eine der Fragestellungen, mit denen der STANDARD die Zufriedenheit der österreichischen Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmer in ihren Unternehmen erheben ließ.

Kollegen als "Art Familie"

Immerhin jeder zehnte Befragte sagte, dass er sich ganz besonders darauf freue, nach dem Urlaub wieder die Kolleginnen und Kollegen am Arbeitsplatz zu treffen, weitere 26 Prozent stimmen der Aussage zumindest weitgehend zu. Das Vertrauen im Betrieb ist hoch, auch Privates wird den Kollegen anvertraut. Das geht aus einer Integral-Studie hervor, die Ende des Sommers durchgeführt wurde. Integral-Studienleiterin Petra Starecek sieht das als Beleg dafür, dass viele Österreicher die Kollegenschaft "als eine Art Familie betrachten" und dort fest sozialisiert sind. Immerhin 60 Prozent stimmen dieser Aussage, die separat abgefragt wurde, zumindest teilweise zu - und ein harter Kern von sechs Prozent hat die Kollegenschaft derart als Familie verinnerlicht, dass er voll und ganz dem neuen Familienbild zustimmen kann.

Familiäre Gefühle eine Frage des Alters

Wobei es doch deutliche Abstufungen gibt, wenn man sich die Struktur der Befragten ansieht. Aus der fünfstufigen Skala haben die Integral-Marktforscher die beiden Antworten mit der stärksten Zustimmung zusammengefasst und festgestellt, dass es vor allem Befragte zwischen 30 und 40 sind, die am Arbeitsplatz familiäre Gefühle entwickeln.

Petra Starecek: "In diesem Alter haben die Leute gewisse berufliche Erfahrung, da zeigen sie starkes Engagement." Und wohl auch gewisses Harmoniebedürfnis, das bei älteren Befragten dann deutlich schwächer wird. Aber: Vier bis fünf Prozent sagen, dass sie von ihren Co-Workern gar nicht richtig wahrgenommen werden. Befragt wurden 566 Personen zwischen 25 und 60, die in einem Beschäftigungsverhältnis stehen, einen unmittelbaren Vorgesetzten haben und die mit Kollegen auf gleicher oder ähnlicher Ebene zusammenarbeiten.

Positive Einschätzung der Kollegenschaft

"Ganz spontan, wie stehen Sie im Moment Ihren Kolleginnen bzw. Kollegen gegenüber?" 43 Prozent antworteten darauf mit "sehr positiv" und weitere 40 Prozent mit "positiv". Jüngere Befragte geben deutlich extremere Antworten, in der Altersgruppe unter 30 ist die positive Einschätzung der Kollegenschaft am größten, allerdings gibt es hier am ehesten auch völlig unzufriedene Personen. Es hängt auch mit der Position im Betrieb ab, wie positiv die Leute einander begegnen: Am besten ist die Stimmung in Gruppen mit sechs bis zehn Kollegen - Arbeiter und leitende Angestellte fühlen sich am wohlsten, eher kritisch sind Angestellte in unteren Positionen.

Beziehung zum Vorgesetzten

"Und wie stehen Sie im Moment Ihrem direkten Vorgesetzten / Ihrer direkten Vorgesetzten gegenüber?" 37 Prozent finden die Situation sehr positiv, weitere 40 Prozent immer noch "eher positiv" - jeder 50. Befragte spricht von einer sehr negativen Beziehung. Die Beziehung zum Chef erhält die (Schul-)Note 1,9, jene zu den Kollegen 1,8. Bei Berufseinsteigern zwischen 25 und 30 Jahren gibt es zwar besonders viele, die das Klima mit dem Chef sehr toll finden, es gibt in dieser Altersgruppe aber auch besonders viele Kritiker.

Kleinere Gruppe, besseres Klima

Und wiederum zeigt sich, dass in Arbeitsgruppen mit weniger Mitarbeitern das Klima besser ist als in größeren. 22 Prozent sehen sich klar mit den Kollegen "an einem Strang ziehen", weitere 47 Prozent stimmen überwiegend zu. Aber: Sieben Prozent sehen nicht, dass sie mit den anderen an einem Strang ziehen. Drei Prozent haben gar kein Teamgefühl. 19 Prozent haben auch kein Vertrauen zu den Kollegen, 15 Prozent sagen rundheraus, dass die Kollegenschaft nicht fair sei.

Respekt

Das Statement "Meine Kollegen behandeln mich respektvoll" fand die Zustimmung von 92 Prozent, von Männern etwas stärker als von Frauen. Dasselbe Statement wurde in Bezug auf die jeweiligen Chefs nochmals vorgelegt - und da sagten 88 Prozent der Frauen und 91 Prozent der Männer, dass sie Respekt gezollt bekämen. 62 Prozent der Befragten erleben ihre Chefs gar als "gleichwertige" Partner, ganz unhierarchisch. Interessant: 51 Prozent der Frauen, aber nur 35 Prozent der Männer trauen dem Vorgesetzten eine Vorbildfunktion zu.

Minderheit klagt über Arbeitsleid

Insgesamt zeigt sich ein positives Arbeits- und Betriebsklima - ein Drittel der Jüngeren verbringt mit den Kollegen auch Freizeit. Auf der anderen Seite gibt es eine Minderheit, für die Arbeitsleid eine alltägliche Erfahrung ist: 22 Prozent der Männer und 16 Prozent der Frauen sagen, dass sie froh sind, wenn sie nach einem Arbeitstag die Firma verlassen können und niemanden aus dem Unternehmen mehr sehen müssen. (Conrad Seidl, Karrieren Standards, 14.10.2013)

  • Gar nicht so wenige Arbeitnehmer sind der Ansicht, dass die Kollegen eine Art Familie sind.
    foto: istockphoto.com / shironosov

    Gar nicht so wenige Arbeitnehmer sind der Ansicht, dass die Kollegen eine Art Familie sind.

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