Ein weites Stück zum Wohnraumglück

14. Oktober 2013, 09:31
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Leistbarer Wohnraum ist in Salzburg Mangelware. Politische Maßnahmen aller Ressorts und eine Gesetzesnovelle sollen Abhilfe schaffen

Salzburg - 10.000 Menschen suchen derzeit im Bundesland Salzburg eine Wohnung. Allein in der Stadt Salzburg sind 4000 Suchende beim Wohnungsamt gemeldet. Die hohen Preise und der Mangel an verfügbarem Bauland verschärfen die Wohnproblematik.

Aufgrund der hohen Preise werden Eigentumswohnungen kaum noch nachgefragt. Die Anträge für Eigentum bei der Wohnbauförderung sind von 569 Wohnungen im Jahr 2009 auf 311 im Jahr 2012 zurückgegangen. Dafür herrscht seit Jahren ein regelrechter Ansturm auf geförderte Mietwohnungen. Nicht verwunderlich: Für eine private oder gewerbliche Wohnung müssen Mieter mit einer Nettokaltmiete zwischen acht und zehn Euro pro Quadratmeter rechnen. Geförderte Mietwohnungen kosten zwischen 3,5 und 4,2 Euro pro Quadratmeter, erläutert Stefan Gröger, der Salzburger Geschäftsführer von Heimat Österreich.

Grünlanddeklaration verschärft Baulandknappheit

Doch nicht nur der Preis lässt den Bedarf steigen. Salzburg hat im Verhältnis zu anderen Städten insgesamt einen geringeren Anteil an geförderten Mietwohnungen. "Da haben wir Aufholbedarf", erklärt die Leiterin der Wohnbauabteilung, Christine Kubik.

Der Bedarf sei vor allem in der Stadt weit größer, als überhaupt Wohnungen gebaut werden könnten, meint Gröger. "Die geeigneten Bauflächen werden uns in den nächsten Jahren ausgehen." Die geltende Grünlanddeklaration verschärfe die Baulandknappheit. "Es stellt sich die Frage, inwieweit die Grünlanddeklaration aufrechterhalten werden kann", sagt Gröger.

Um den Bedarf an geförderten Mietwohnungen annähernd decken zu können, muss auch die Finanzierung der Wohnbauförderung gesichert werden. Rund 800 Wohnungen werden jährlich gefördert.

"Derzeit wird geschaut, wie wir die Wohnbauförderung in dieser Dimension weiter aufrechterhalten können", sagt Kubik. Der Salzburger Finanzskandal wirke sich auch auf das Fördervolumen aus. Stefan Gröger stimmt das pessimistisch: "Ich fürchte, dass in Zukunft für geförderten Mietbau weniger Gelder da sein werden."

Politik will eingreifen

Die Salzburger Landesregierung widmet sich nun der Wohnungsproblematik ressortübergreifend. "Es sind viele Rädchen, die man drehen muss, um Wohnraum zu schaffen", sagt Kubik. Aber: "Das Ei des Kolumbus ist noch nicht gefunden." Als ersten Schritt hat der Salzburger Wohnbaulandesrat Hans Mayr (Team Stronach) eine landesweite Erhebung des Wohnbedarfs veranlasst.

Zudem wurden fünf Arbeitsgruppen eingesetzt, die Vorschläge zur Novellierung des Wohnbauförderungsgesetzes für den Sommer 2014 erarbeiten sollen. Zur Diskussion stehen Maßnahmen wie etwa:

  • Abgabe für ungenutzte Wohnungen: Für ungenutzte Wohnungen könnte eine sogenannte Leerstandsabgabe anfallen. Ziel ist es, mehr Wohnungen auf den Markt zu bringen.
  • Zeitlich begrenzte Widmungen: Eine Baulandwidmung könnte künftig nur für zehn Jahre gültig sein. Dann muss die Fläche bebaut werden, oder sie wird automatisch wieder in Grünland umgewidmet. Bei Baulandbesitzern soll Druck entstehen, die Flächen zu nutzen.
  • Zweckwidmungen für geförderten Wohnbau: Den Gemeinden soll die Möglichkeit gegeben werden, bei Umwidmungen Vorbehaltsflächen für geförderten Wohnbau festzulegen.
  • Baustandards für geförderten Wohnbau senken: Viel Einfluss hat das Land auf die Kriterien, nach denen gebaut werden muss, nicht. Bestimmte Mindeststandards, etwa energetische, müssen wegen Vereinbarungen mit dem Bund und der EU eingehalten werden. Diskutiert wird aber etwa, die Anzahl der barrierefreien Wohnungen runterzuschrauben, oder die Größe der geförderten Mietwohnungen zu reduzieren. Stichwort: kostengünstigere SMART-Wohnungen. (Stefanie Ruep, DER STANDARD, 12.10.2013)
  • Im "Freiraum Maxglan" entstehen 350 neue Wohnungen. Der gesamte Salzburger Wohnbedarf ist aber schwer zu decken. Foto: Hebenstreit
    foto: hebenstreit

    Im "Freiraum Maxglan" entstehen 350 neue Wohnungen. Der gesamte Salzburger Wohnbedarf ist aber schwer zu decken. Foto: Hebenstreit

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