"Warhol, Basquiat und ich": Kunstkunst und Businesskunst

13. Oktober 2013, 17:27
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So sehenswert kann öffentlich-rechtliches Fernsehen sein

Idole waren beide, der vom Erfolg übersättigte Papst der Pop-Art und der erfolgshungrige Rockstar der neuen wilden Malerei: Andy Warhol und Jean- Michel Basquiat, das New Yorker Gegensatzpaar der Superlative. "Ein Künstler ist einer, der Sachen produziert, die niemand haben muss", sagte Andy Warhol einmal: "Es ist viel besser, Businesskunst zu machen als Kunstkunst, weil die Kunstkunst dem Raum, den sie einnimmt, keinen Nutzen bringt, während das bei Businesskunst der Fall ist."

Jean-Michel Basquiat machte, zunächst jedenfalls, keine Businesskunst, sondern sprayte unter dem Pseudonym Samo (Same old shit) aufwühlende Bilder und Botschaften an Häuserwände. Es war der Schweizer Galerist Bruno Bischofsberger, der die beiden zu den berühmten Collaborations überredete: Er ist in Ines Mitterers (Regie) und Walter Reichls (Kamera) ebenso bildstark wie poetisch erzählter Chronologie "Warhol, Basquiat und ich" (Kulturmontag, ORF2, 22.30 Uhr) denn auch das vermittelnde und erläuternde "ich".

Doch nicht nur der Galerist kommt zu Wort. Mitterer besuchte unter anderem auch Warhols ehemaligen Liebhaber und späteren Factory-Manager Billy Name und - eine Sensation - den öffentlichkeitsscheuen Sammler und Multimillionär Peter Brant. Hinreißend, was Mitterer aus den Archiven zutage förderte, etwa das missmutige Warhol-Interview eines ORF-Kulturredakteurs.

Aus Reichls betörenden Aufnahmen, aus Fotos, Werken und Warhol-Zitaten komponierte Mitterer ein kluges Sittenbild von Kunst und Künstlern der fiebrigen 1980er-Jahre. So sehenswert wie diese Doku am Kulturmontag kann öffentlich-rechtliches Fernsehen sein. Mehr davon! (Andrea Schurian, DER STANDARD, 14.10.2013)

"Warhol, Basquiat und ich", Kulturmontag, ORF 2, 22:30

  • Andy Warhol (von li. nach re.), Jean-Michel Basquiat und Bruno Bischofberger.
    foto: orf/galerie bruno bischofberger/beth phillips

    Andy Warhol (von li. nach re.), Jean-Michel Basquiat und Bruno Bischofberger.

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