Überdosis an Kunstsonne

11. Oktober 2013, 18:09
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Stefan Petzner schwoll zum grotesken roten Faden des Abends an

Weilte er noch auf Erden, der Dr. Haider, er würde es - besonders wegen des donnerstägigen Schwerpunkts - bedauern, vor fünf Jahren in den Tod gerast zu sein. Weilte der skrupelfreie Angstmacher noch im Leben, wäre es ja nie zu diesem verunglückten, da monströsen Abend gekommen, welchen ORF 2 dem Talentverschwender und Polarisierer geschenkt hat.

Gut, die eröffnende Doku: Da entstand mit schnell wechselnden Bildern und Statements das respektable Porträt eines Rastlosen, der die Republik durchgerüttelt hat. Auch der frischgebackene Politpensionist, der Dr. Haider als "sensibel und nachdenklich" charakterisierte, wirkte darin noch irgendwie erträglich. Stefan Petzner jedoch schwoll zum grotesken roten Faden des Abends an.

Selbigem, der Dr. Haider für keinen "dumpfen Rabauken" hielt und fantasierte, dem Verehrten wäre es gelungen, den "Untergang der Sozialdemokratie" einzuleiten, ist nicht vorzuwerfen, die Auftrittschance verlässlich verhaltensauffällig ergriffen zu haben.

Ihn zum Superstar des Abends gekürt zu haben ist allein das Verdienst des ORF. Da saß Petzner nach der Doku als skurriler Haider-Exeget auch in der ZiB 2. Und am Runden Tisch kämpfte er hernach unruhig für ein "differenziertes" Bild des Verblichenen. Mit Mitteln allerdings, die Petzner als einen Anbeter der Kunstsonne zeigten, der sich nach wie vor im Wahlkampf wähnt.

So blieb nur, wieder einmal den entschleunigenden Club 2 zu vermissen, dem das Thema Dr. Haider gut angestanden wäre, und zu empfinden, dass Petzners Überpräsenz doch stimmig, ja erhellend war. Als Beleg für jenen auch personellen Scherbenhaufen, den Dr. Haider hinterlassen hat. (Ljubiša Tošić, DER STANDARD, 12.10.2013)

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