Von Istanbul nach Peking

11. Oktober 2013, 19:23
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Das Festival Salam.Orient wartet mit Populärem und Entdeckenswertem auf, etwa mit dem Taksim Trio und der Dawanggang

Wien - Was der Orient genau ist, darüber gehen die Meinungen auseinander: Je nach Definition schließt er den Nahen Osten plus Maghreb, die arabische Welt plus Iran und Indien oder gar den gesamten südasiatischen Raum bis Japan ein. Und dann gibt es da noch Thesen wie jene von Edward Said, der den Begriff des Orients überhaupt infrage stellte, ihn als statisches, homogenisierendes Konstrukt bezeichnete, das hegemonialer eurozentristischer Perspektive entspringe.

Salam.Orient, das 2005 von Norbert Ehrlich gegründete Festival, beantwortet die Frage nach der räumlichen Verortung des Orients durch die Einladung einer aktuell als Geheimtipp gehandelten Band aus Peking: das am Donnerstag in der Sargfabrik gastierende Quintett Dawanggang des 35-jährigen Song Yuzhe.

Der aus der Mandschurei stammende Gitarrist und Sänger serviert eine erfrischend eigensinnige Mixtur aus Archaischem und Zeitgenössischem. Rauer Kehlkopfgesang und Pferdekopf-Fiedel treffen auf Punk- und Psychedelia-Elemente sowie freejazzige Saxofon-Multiphonics - nachzuhören auf der CD Wild Tune Stray Rhythm.

Festival zum Entdecken

Yuzhe, der nach einer ersten Phase als Punkrock-Gitarrist in Peking fünf Jahre lang die Musik tibetischer Nomaden studierte, um anschließend mit der Dawanggang ein Ventil für seine hybriden Interessen zu schaffen, steht für eine Facette chinesischer Musik, die mit lieblicher pentatonischer Melodien-Tändelei oder anderen Exotismen rein gar nichts am Hut hat.

Just am selben Abend (17. 10.) markiert der Auftritt des Taksim Trio im Konzerthaus den anderen geografischen Pol jenes Raums, den Salam.Orient näherbringen will: Das in Istanbul ansässige Ensemble vereint Klarinettist Hüsnü Senlendirici, Kanun-Meister Aytaç Dogan und Baglama-Virtuose Ismail Tunçbilek, die in schwereloser Interaktion traditionelle türkische Musik mit Jazz- und Flamenco-Einflüssen verbinden.

Weitere potenzielle Höhepunkte: Les Boukakes aus Marokko (18. 10., Sargfabrik), der libanesisch-französische Trompeter Ibrahim Maalouf (24. 10., Sargfabrik) und das indische Bollywood Masala Orchestra (31. 10., Theater Akzent). (Andreas Felber, DER STANDARD, 12./13.10.2013)

  • Die Dawanggang ist nur einer von vielen potenziellen Höhepunkten des Festivals Salam.Orient.
    foto: sargfabrik

    Die Dawanggang ist nur einer von vielen potenziellen Höhepunkten des Festivals Salam.Orient.

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