Zeitreise mit Walrossbart

11. Oktober 2013, 18:39
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Kaum eine Combo vermischt die Spielarten des Rock der 60er und 70er virtuoser und organischer als das Berliner Trio Kadavar

In den 80ern gab es Hair-Metal, jetzt gibt es immer öfter Bartrock: rein äußerlich eine Hommage an das texanische Boogierocktrio ZZ Top. Die sind bei einem anderen, momentan angesagten, rauschebärtigen Trio nicht der wichtigste Einfluss - auch wenn es derzeit kaum eine Combo gibt, die diverse Spielarten des 60er- und 70er-Rock virtuoser, organischer und eigenständiger vermischt.

Die Rede ist vom 2010 in Berlin gegründeten Trio Kadavar: Der aus Münster stammende Christoph "Tiger" Bartelt verdrischt die Felle, der Thüringer Christoph "Lupus" Lindemann singt und spielt Gitarre. Am Bass war ursprünglich der gebürtige Österreicher Philipp "Mammut" Lippitz. Der ist inzwischen aber ausgestiegen - er betreibt in Berlin eine Bar und hat Nebenprojekte zwischen Indie, Punk und Noise - und vom Franzosen Simon "Dragon" Bouteloup ersetzt worden.

Eigentlich wollten Tiger und Mammut einst ein Duo im Stil der Black Keys gründen, aber die Liebe zu altem Equipment und der dritte Mann im Bunde führten zu Kadavar. Weit gefehlt wäre es, wegen dieses Namens Death-Metal zu erwarten.

Bartrock

Die Herren mit den Walrossbärten, den langen Federn und den Fransenlederjacken orientieren sich eben am Sound der späten 1960er- und 1970er-Jahre, sind dabei aber weder "klassischer" Hardrock wie AC/DC noch so blueslastig und Zeppelin-affin wie die Rival Sons. Schon eher lassen Außenseiter wie die ohrenbetäubenden Fuzz-Pedal-Durchtreter von Blue Cheer, die Schwergewichtsgroover Grand Funk Railroad oder Spooky Tooth grüßen. Und natürlich die psychedelischen Space-Rock-Meister Hawkwind.

2012 erschien nicht nur das erste Album Kadavar, die emsigen Rocker traten auch über 90 Mal live auf, etwa mit ihren Heroen Sleep, Saint Vitus und Pentagram. Damals dominierten noch Doom-Elemente den Sound (unnötig, hier Black Sabbath zu erwähnen). Heuer, auf der zweiten LP Abra Kadavar, gibt es schon einmal T.-Rex-kompatible Glam-Rock-Riffs, das große Space-Rock-Rauschen oder Orgelpassagen. (Gerhard Dorfi, DER STANDARD, 12./13.10.2013)

  • 13.10., Kapu, Linz, 21.00
  • 14.10., Chelsea, Wien, 21.00
  • 15.10., Graz, Juz Explosiv, 19.30
  • 16.10., Innsbruck, Weekender, 20.00
  • Mit großem Spacerockrauschen und Orgelpassagen: Kadavar präsentieren "Abra Kadavar".
    foto: kadavar

    Mit großem Spacerockrauschen und Orgelpassagen: Kadavar präsentieren "Abra Kadavar".

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